MB-Kritik

Blaise 2026

Léa Drucker
Jacques Gamblin

Inhalt

Die Familie Sauvage sehnt sich einfach nur nach Liebe. Carole versucht, ihren schlechten Ruf bei ihren Angestellten aufzubessern, Jacques hingegen bei seinen Freunden. Und ihr Sohn Blaise? Nun, er steht kurz davor, einen revolutionären und völlig spontanen Kreuzzug um ein Mädchen zu starten.

Kritik

Wäre und s Spielfilm zu der gleichnamigen französischen TV-Serie um den neurotischen kindlichen Titelcharakter nur vor zehn Jahren auf die Leinwand gekommen. Damals war die Serien-Vorlage, ihrerseits basierend auf Planchons Comic-Universum, zumindest dem französischen Publikum ein Begriff. Inzwischen wirkt der frankophone Nachzügler von Mr. Pickles, F is for Family und American Dad wir ein redundantes Relikt aus einer anderen Ära. Einer Zeit, als betont hässliche Flach-Animationen und Flachwitze noch als originell durchgingen.

Damals galt Queerness als provokante Pointe und die pubertären Probleme männlicher Jugendlicher als universelles Identifikations-Material. Angesichts des globalen politischen Kurses, der im Rückwärtsgang Vollgas gibt, scheint es fast wieder passend, dass Co-Drehbuchautor Planchon und Guigue den Serien-Sarg wieder ausbuddeln. Blaise Sauvage (Stimme: Timéo Beasse), der im Original noch im Grundschulalter war, ist mittlerweile Teenager. Sonst hat sich allerdings nichts weiterentwickelt. Weder die verstaubten Klischee-Charaktere aus der linksliberalen Mittelschicht noch die schrumpfe Sozialsatire und fragmentarische Story. 

Mutter Carole (Léa Drucker, Dossier 137) beginnt aus Unzufriedenheit in Job und Ehe eine lesbische Liaison, Vater (Jacques Gamblin, Akropolis Bonjour - Monsieur Thierry macht Urlaubist ein aufmerksamkeitsbedürftiges Man-Baby und Blaise große Schwester hängt mit einer Gruppe erwachsener Möchtegern-Marxisten ab. Durch seine Passivität stolpert der phlegmatische Protagonist in eine Affäre mit der radikalen Joséphine (Nina Blanc-Francard), die ihn für einen kaltblütigen Widerstandskämpfer hält und in den bewaffneten Kampf zieht. Das Paradoxe changieren der Bourgeoisie zwischen Apathie und Aggressivität wird Gegenstand grobschlächtiger Gags mit neokonservativer Neigung. 

Politisches Interesse ist in der absichtlich abstrusen Anarcho-Mär bloß eine Phase und Aktivismus ein Zeitvertreib gelangweilter Wohlstandskinder. Die sind schnell beeindruckt von mittelalten Versagern im Kampf gegen ein System, dessen Teil sie sind. Ohne ein differenzierteres Gegenbild entspricht diese hämische Darstellung der mittelständischen Linken als wahlweise desinteressierte und ahnungslose Kids oder unfähige Erwachsene bedient rechtsreaktionäre Narrative. Diese passen zu dem verstaubten Witzeleien über unmännliche Männer, frustrierte Frauen, die plötzlich lesbisch werden, und provozierte Polizeigewalt auf linken Demos. 

Fazit

Der rechtskonservative Tenor der generischen Gags Dimitri Planchon und Jean-Paul Guigues animierter Familien-Farce ist noch unangenehmer als die Anti-Ästhetik der collagenartigen Animationen. Deren flächiger Stil die 2,5 D Cutout Optik der frühen Zeros aufgreift. Der visuelle Mix aus surrealen Facetten und Realismus wirkt so derivativ wie der unausgegorene Plot. Dessen zahlreiche lose Handlungsfäden und offene Konflikte geben dem Kinofilm zu einer obskuren TV-Serie den kalkulierten Gestus eines Pilot-Films. Den rettet nichtmal der überraschend namhafte Voice-Cast.

Autor: Lida Bach
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