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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In den Slums von Jordanien kämpft sich eine verwilderte Straßenratte durch Banden und Dealer in einer Stadt, in der jede Gasse einer unsichtbaren Macht gehorcht und das Überleben davon abhängt, zu wissen, wer wirklich die Fäden zieht.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„This one is like a man“, sagt in Zaid Abu Hamdans (Daughters of Abdul-Rahman) düsterer Union von Crime Thriller und Charakterdrama einer der Bandenkomplizen der aggressiven (Anti-)Heldin (Rakeen Saad, Seeking Haven for Mr Rambo), die in Ammans Slums jeden Tag ums Überleben kämpft. Ihren Narben zeugen von den zahllosen Duellen um Vorherrschaft in den gefährlichen Gegenden und im Geschäft mit Drogen, mit denen sich scheinbar alle am sozialen Rand oder jenseits dessen betäuben. Auch die grimmige Protagonistin, die in der kriminellen Rangordnung aufsteigt und dabei dem moralischen Abgrund immer näher kommt. 

Die rasante Kamera begegnet ihr, als sie noch zu den Handlangern des brutalen Banden-Chefs Fadel (Majd Eid, Once Upon a Time in Gaza) gehört. Ihre Kumpanen dulden die einzige Frau der Clique, deren separaten Status auch Männerkleidung und die von ihren Kumpanen übernommenen Manierismen nicht überwinden. Doch der Regisseur und Drehbuchautor hat kaum Interesse an den omnipräsenten Motiven Chauvisnismus und Gender-Diskriminierung. Weibliche Stärke existiert praktisch nicht in der filmischen Welt, in der Realismus und Exploitation eine ambivalente Allianz formen. Stereotypen lauern an jeder narrativen Wendung des rauen Krimi-Kosmos. 

Dessen verschlungene Story inspirierten die Biographien dreier realer weiblicher Banden-Bosse in Jordaniens schillernder Metropole. Deren harte Kontraste von Reichtum und Verarmung, Traditionalismus und Wandel, Frömmigkeit und Skrupellosigkeit erweitern die fesselnde Atmosphäre der geschliffenen Inszenierung. Deren Hochglanz-Optik und Ästhetisierung bilden einen ernüchternden Kontrast zum harschen Szenario und den amoralischen Charakteren. Aufgewachsen als eines der zahllosen Straßenkinder, wird Boomah verfolgt von traumatischen Erinnerungen an elterliche Misshandlung, sexuelle Ausbeutung und Gewalt. Letzte dient auch ihr als Ventil. Ist keine Gegner präsent, schneidet sich selbst mit ihrem Butterfly Messer.

Lieber aber richtet sie es gegen ihren Erzfeind Abu Sijil (Nabil Al-Raee, Palästina 36), der ihr blutige Rache geschworen hat. In einem Umfeld, in dem Opportunismus und Intrigen ständig wechselnde Allianzen schaffen, vertraut sie einzig ihrem Jugendfreund Ahmad (Ahmad Abu Koush). Ihm gegenüber offenbart sie eine sanftere Seite, die auch die Straßenkids Sama und Ali wecken. Entschlossen, sie vor ihrem eigenen Schicksal zu beschützen, riskiert Boomah ihren bitter erkämpften Status. Dieser mütterliche Charakterzug, den alle weiblichen Figuren zeigen, enthüllt das konservative Fundament der oberflächlichen Emanzipation.

Stärke ist männlich definiert und der einzige Weg für eine Frau, sie zu erlangen, ist wie Boomah traditionell männliche Eigenschaften anzunehmen und sich männliche zu kleiden. Die queeren Konotationen, die der Gender-Wechsel beinhaltet, übersieht die glatte Inszenierung geflissentlich. Trotz der demonstrativen Härte folgt das Geschehen einem spürbaren (Selbst)Zensurcode. Blut fließt praktisch nie bei den Schlägereien. Dass jemand sterben könnte, schockiert alle, und sexuelle Gewalt wird umschrieben, aber nie gezeigt. Paradoxerweise steigert diese in der Vorstellung umso verstörendere Brutalität die abgründige Aura der martialischen Crime-Saga. 

Fazit

Rakeen Saad intensive Darstellung zwischen Wut und Schmerz wird zum emotionalen Momentum Zaid Abu Hamdan packenden Gangster-Thrillers. Authentische Settings, ein Cast aus professionellen Akteuren und Laien, sowie der organische Soundtrack schaffen ein imposantes Unterwelt-Epos. Dessen feministische Fassade bleibt indes so zwiespältig wie der suggerierte Realismus. Prekäre Lebensumstände entspringt unvermeidlich Kriminalität. Armut wird gleichgesetzt mit Verschlagenheit und Amoral. Gegengewicht sind traditionelle Familienwerte, die auch der Protagonistin Erlösung versprechen. Tempo, Figurendynamik und stimmige Schauwerte machen das Prestige-Projekt eines jungen jordanischen Kinos so widersprüchlich und faszinierend wie seine Titelfigur.

Kritik: Lida Bach

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