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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Ein tscherkessisch-amerikanischer Teenager in New Jersey jongliert die Arbeit im ums Überleben kämpfenden ethnischen Restaurant seiner Familie mit seinen Wrestling-Ambitionen, bis ihn die riskante Entscheidung seines Vaters zwingt, sich der harten Realität zu stellen und schnell erwachsen zu werden.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Schwäche sei nichts, dessen Männer sich schämen müssten, sagte Kantemir Balagov (Bohnenstange) im Q&A zu seinem dritten Spielfilm, der auf den 79. Filmfestspielen von Cannes die prestigeträchtige Parallelsektion Directors‘ Fortnight eröffnet. Fast programmatisch scheint es somit, dass die erste englischsprachige Inszenierung des russischen Regisseurs diese Schwäche nicht nur narrativ verarbeitet, sondern auch dramaturgisch ausstrahlt. Die persönliche Story, angesiedelt in New Jerseys tscherkessischer Gemeinde, ist anekdotisch bis zum Zerfall in eine Collage familiärer und freundschaftlicher Momente. 

Jene zwischen Rauheit und Zärtlichkeit changierenden Szenen zwischen dem jungen Witwer und Vater Azik (Barry Keoghan, The Batman Part II), der mit seiner älteren Schwester Zalya (Riley Keough, Rosebush Pruningein schäbiges tscherkessisches Diner führt, seinem 16-jährigen Sohn Temir (Newcomer Talha Akdogan) und Aziks labilem Kumpel Marat (Harry Melling, Pillion). Dessen zwischen Impulsivität und Infantilismus pendelndes Verhalten verrät von Anfang an eine unterschwellige Aggressivität, die sich in scherzhaft kaschierten Angriffen äußert. Der männliche Minderwertigkeitskomplex hinter Marats subtil beunruhigendem Verhalten manifestiert sich als vernachlässigtes Schlüsselmotiv. 

Dieses sozialisierte Ideal maskuliner Dominanz markiert zugleich die thematische Unterentwicklung der Handlung und die inszenatorische Tendenz zu einem generischen Independet-Look im Stil des US-Arthouse-Kinos. Balagov scheint mehr mit der Imitation dessen Stilismen beschäftigt, als mit seinem Plot. Dessen Fahrigkeit kontrastiert mit dem detaillierten Aufbau der Familiendynamik, innerhalb der die hochschwangere Zalya emotional und dramatisch Außenseiterin bleibt. Ähnlich scheint Temirs zaghafte Freundschaft zur gleichaltrigen Ringkampf-Teamkameradin Alika (Jaliyah Richards)  Konsens an jene Konventionen, die das unausgegorene Milieustück kritisieren will. 

Fazit

Wenn Barry Keoghans Charakter seiner Film-Schwester vorwirft, sie sei „so amerikanisch“ geworden, klingt das fast nach einem indirekten Eingeständnis Kantemir Balagovs. Sein filmisches Familienporträt zeigt auffällig wenig von der dialogisch beständig referenzierten tscherkessischen Gemeinde, in der die Geschichte fragiler Männlichkeit und belasteter Bindungen spielt. Diese spürbare Abwesenheit unterstreicht den Konflikt von Assimilation und Ambition. Ständig wechselnde Perspektiven, ein konzeptioneller Bruch zwischen Sozialrealismus und magischem Realismus, und unfertige Handlungsstränge schaffen ein fragmentarisches Familienalbum, schauspielerisch überzeugend, doch inhaltlich frustrierend karg. 

Kritik: Lida Bach

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