5.0

MB-Kritik

Carolina Caroline 2026

Romance, Drama, Crime, Thriller

5.0

Samara Weaving
Kyle Gallner
Kyra Sedgwick
Jon Gries
Tommy G. Kendrick
P.J. Sosko
Gregg Gilmore
Jamald Gardner
Matthew Smitley
Ed Formica
Robert Stevens Wayne
Bryan McClure
Jenny Frame
Andy S. Allen
Victoria Cabral
Sonny Burnette

Inhalt

Bist du mutig genug für die große, wilde, alles verändernde Liebe – und das, was sie mit dir anrichten wird? Tankstellenaushilfe Caroline muss nicht lange überlegen, als der charismatische Ganove Oliver in ihr Leben tritt. Gemeinsam machen sie sich auf einen Roadtrip durch den Süden der USA, der in immer raffinierteren Gaunereien mündet. Und das ist erst der Anfang ihres Rausches: Was sind schon Banküberfälle, Schießereien und eine Menschenjagd des FBI gegen die große, wilde, alles verändernde Liebe? 

"Carolina Caroline" wird im Rahmen des 40. Fantasy Filmfest gezeigt. Weitere Infos hier

Kritik

Was fasziniert uns eigentlich an Paaren wie Bonnie und Clyde, den Killers aus Natural Born Killers oder den jungen Ausreißern aus Badlands? Vielleicht ist es die Mischung aus Romantik, Rebellion und Gefahr, die entsteht, wenn zwei Menschen gemeinsam gegen eine Welt antreten, in der für sie kein Platz zu sein scheint. Solche Beziehungen können gleichermaßen aufregend, verstörend und tragisch sein, weil ihre gegenseitige Abhängigkeit immer auch etwas Unberechenbares besitzt. s Carolina Caroline schielt ziemlich deutlich in Richtung Bonnie und Clyde, macht dabei allerdings einige entscheidende Dinge falsch. Was dort einst knisterte, fühlt sich hier häufig eher nach einer hübsch arrangierten Fingerübung an.

Hübsch, aber kaum greifbar

 (Over Your Dead Body) und (Strange Darling) geben sich als Oliver und Caroline durchaus Mühe. Beide wissen, wie man ihre Figuren mit Charme und einer gewissen Verschrobenheit versieht, und gerade Weaving besitzt die nötige Präsenz, um Caroline zumindest gelegentlich aus der Leinwand herauszulocken. Nur erreicht das Duo nie jene Intensität, die eine solche Geschichte eigentlich benötigt. Zwischen den beiden entsteht Sympathie, vielleicht auch ein bisschen Anziehung, aber nur selten das Gefühl, dass hier zwei Menschen aufeinandertreffen, die einander wirklich brauchen.

Das liegt auch daran, dass Oliver und Caroline über weite Strecken kaum mehr sind als solide Reißbrettfiguren. Sie sind nett anzusehen, verfügen über ihre Macken und bekommen genügend Persönlichkeit mit auf den Weg, um nicht völlig austauschbar zu wirken. Wirklich greifbar werden sie trotzdem nur selten. Gerade im Vergleich zu Rehmeiers Dinner in America, in dem Gallner ebenfalls zu sehen war, fällt das auf. Dort hatten die Figuren Ecken, Widersprüche und vor allem ein wahrhaftiges Leben, das sich auch zwischen den Dialogzeilen bemerkbar machte. Carolina Caroline präsentiert seine Hauptfiguren dagegen häufig eher, als dass er sie tatsächlich kennenlernt.

Das gilt gleichermaßen für Inszenierung und Look. Rehmeier findet durchaus Bilder, die den leicht schrägen Ton der Geschichte unterstreichen, doch daraus entwickelt sich kein eigenständiger visueller Sog. Vieles sieht gefällig aus, ohne sich nachhaltig einzuprägen. Gerade bei einem Film, der so stark von der Beziehung seines zentralen Paares leben möchte, ist das ein Problem: Wenn weder Figuren noch Umgebung genügend Widerstand erzeugen, fehlt der Geschichte schnell der Reibungspunkt.

Wenn die Dramaturgie auf Schienen läuft

Noch schwerer wiegt allerdings die fehlende Fallhöhe. Rehmeier braucht viel zu lange, um tatsächlich etwas von Belang ins Spiel zu bringen. Bis dahin darf man Oliver und Caroline dabei zusehen, wie sich ihre Liebes- und Gaunergeschichte ziemlich genau so entwickelt, wie man es bereits erwartet. Überraschungen bleiben rar, Konflikte wirken eher wie Stationen auf einer vorgezeichneten Route. Das ist nicht unbedingt missglückt, aber eben erstaunlich fade.

Besonders deutlich wird das, sobald Caroline auf eine Figur trifft, die für sie von größerer Bedeutung ist. Plötzlich dreht der Film die emotionale Lautstärke hoch, als müsse er dem Publikum mit Nachdruck mitteilen, dass dieser Moment jetzt bitte berühren soll. Die Dramaturgie wirkt dann derart konsequent auf Gefühl getrimmt, dass die Steigerung beinahe karikatureske Züge annimmt. Anstatt Emotionen aus den Figuren und ihrer Situation heraus entstehen zu lassen, werden sie sichtbar angeschoben. Das nimmt selbst den eigentlich tragischen Momenten einen Teil ihrer Wirkung.

Adam Rehmeier besitzt schließlich eine vermutlich eine der interessantesten Regie-Vitas der vergangenen Jahrzehnte. Angefangen beim kompromisslosen Sicko The Bunny Game bis hin zur wundervollen Komödie Dinner in America - A Punk Love Story hat er immer wieder gezeigt, dass er sehr unterschiedliche Tonlagen beherrscht. Gerade deshalb wirkt Carolina Caroline ernüchternd konventionell. Der Film serviert Altbekanntes in einer Form, die man von vielen anderen Filmen bereits kennt.

Carolina Caroline ist damit keineswegs ein Totalausfall. Gallner und Weaving tragen ihren Teil dazu bei, dass man dem Paar grundsätzlich gerne zusieht, und auch handwerklich gibt es wenig, woran man sich wirklich stoßen müsste. Nur braucht eine Geschichte über zwei Menschen, die gemeinsam Regeln brechen, mehr als hübsche Oberflächen und vorhersehbare Gefühlsmarkierungen. Rehmeiers Film wirkt eher aufgewärmt als hitzig. Und bei diesem Klima will weder auf der Leinwand noch davor echte Leidenschaft entstehen.

Fazit

Kyle Gallner und Samara Weaving sind sehenswert, doch Rehmeiers Bonnie-und-Clyde-Variation bleibt an der Oberfläche und folgt brav ausgetretenen Pfaden. Während die Hauptfiguren aus dem Mief der Routine ausbrechen wollen, macht es sich der Film selbst genau darin erstaunlich gemütlich.

Autor: Sebastian Groß
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