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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Neben der als so kompromisslos geltenden Persönlichkeit Carla Lonzi gibt es viel über ihr Privatleben zu berichten, das ebenso faszinierend wie widersprüchlich war. Da sind ihre Zärtlichkeit und emotionale Zerbrechlichkeit, ihre Abhängigkeit von ihrem Partner und damit von einem Mann; ihre ambivalenten Gefühle gegenüber der Mutterschaft; und die angespannten Beziehungen zu anderen Frauen in der Praxis des kollektiven Harikiri, der sogenannten „Bewusstseinsbildung“.

Kritik

Auf paradoxe Weise scheint die didaktische Zwiespältigkeit Francesca Archibugis zeithistorischen Porträts fast angemessen für eine Figur, deren Leben und Wirken von widersprüchlichen Positionen, rigorosen Richtungswechseln und streitbaren Grundsätzen bestimmt war. Carla Lonzi war eine italienische Kunstkritikerin und Literaturtheoretikerin, bis sie das gesamte Gebiet abrupt verwarf. Ihren populär-kulturelle und akademistischen Status nutzte sie als Sprungbrett für eine Karriere als feministische Aktivistin, bekannt für ihre kompromisslose Haltung und Tendenz zu Führungsanspruch, während sie öffentlich zu gleichberechtigtem Gemeinschaftsgeist aufrief. 

Dass die Regisseurin und Drehbuchautorin die kunstkritische Laufbahn der Protagonistin als Randnotiz zu deren feministischem Engagement behandelt, wirkt somit bereits wie eine Ausrichtung nach der biographischen Perspektive, aus der sich Lonzi selbst gern betrachtet sah. Und Selbstbespiegelung war augenscheinlich ein entscheidender Motor ihres Schaffens, das Feminismus, Kunsttheorie und Gesellschaftskritik fast ausschließlich aus ihrem eigenen Erleben interpretierte. Ihre individuelle Erfahrung betrachtete sie als universell, ungeachtet der Einflüsse von Klasse, ethnischem Hintergrund, körperlicher Ability, ökonomischem Status und akademischem Grad.

Obwohl ihr Ego Epizentrum ihres Schaffens war, ist Selbstbespiegelung eben nicht Selbstreflexion. Wenn ehemalige Wegbegleiterinnen zitieren, wie Lonzi von ihrem Tagebuch gleich einer feministischen Bibel spricht, behandelt die Inszenierung dies als selbstverständlich. Immer lautere Kritik aus den eigenen Reihen macht Lonzi zur tragischen Figur, ohne auf ihre Gültigkeit überprüft zu werden. Ihre Positionierung gegen Kunstkritik als patriarchalisch, bourgeois, didaktisch und klassistisch wird idealisiert, ohne zu untersuchen, wie sie als bürgerliche Akademikerin mit absolutistischen Grundsätzen selbst dazu beitrug. 

Fazit

Ein reichhaltiger Fundus an Archivmaterial, privaten Fotos, Schriften, Tonaufnahmen, Tagebuchaufzeichnungen und Filmmaterial verleiht Francesca Archibugis ikonischer Doku mediale und optische Vielschichtigkeit. Auf inhaltlicher Ebene fehlt derlei Differenzierung, trotz spürbarere Bemühungen, die Titelheldin als facettenreiche Figur greifbar zu machen. Gespräche mit Wegbegleiter*innen, Zeitgenoss*innen und Verwandten erwecken immerhin einen Eindruck der inneren Widersprüche und Taktiken Lonzis. Ihre Bedeutung für den gegenwärtigen Feminismus hervorzuheben wirkt indes so forciert wie die Umdeutung von Kalkül und Überlegenheitsgestus zu Verletzlichkeit und Brillanz. 

Kritik: Lida Bach

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