7.0

MB-Kritik

Crime 101 2026

Drama, Crime, Thriller

7.0

Chris Hemsworth
Halle Berry
Mark Ruffalo
Barry Keoghan
Monica Barbaro
Corey Hawkins
Jennifer Jason Leigh
Nick Nolte
Tate Donovan
Devon Bostick
Paul Adelstein
Matthew Del Negro
Deborah Hedwall
Drew Powell
Babak Tafti
Payman Maadi

Inhalt

Davis (Hemsworth) ist ein schwer fassbarer Dieb, dessen hochriskante Raubüberfälle die Polizei vor ein Rätsel stellen. Während er gerade seinen bisher größten Coup plant – in der Hoffnung, dass es sein letzter sein wird –, trifft er auf die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Berry), und wird gezwungen mit ihr zusammenarbeiten. Darüber hinaus wird er mit Orman (Keoghan) konfrontiert, ein rivalisierender Dieb, dessen Methoden weitaus beunruhigender sind als die von Davis. Als der millionenschwere Raubüberfall näher rückt, kommt der unerbittliche Detective Lt. Lubesnik (Ruffalo) der ganzen Operation auf die Spur und erhöht damit das Risiko noch weiter. Die Grenzen zwischen Jäger und Gejagten beginnen zu verschwimmen. Bald sind alle gezwungen, sich mit den Folgen ihrer jeweiligen Entscheidungen auseinanderzusetzen – und mit der Erkenntnis, dass es kein Zurück mehr gibt. 

Kritik

Nach seinen dokumentarischen Arbeiten und dem Überraschungserfolg American Animals (2016), bei dem Barry Keoghan (Saltburn) erstmals unter seiner Regie zu sehen war, meldet sich Bart Layton mit Crime 101 zurück. Die Verfilmung von Don Winslows gleichnamiger Novelle erzählt die Geschichte eines erfahrenen Profi-Diebs (, Furiosa: A Mad Max Saga), der von einem vom Leben gezeichneten, aber hartnäckigen Cop (, Mickey 17) gejagt wird. Vergleiche mit Klassikern wie Heat (1995) oder Vier im roten Kreis (1970) liegen nahe, doch in dieser Liga spielt Layton nicht. Trotzdem gelingt ihm ein runder Film, der durch seine durchdachte Inszenierung überzeugt. Anstelle der oft übertrieben maskulinen Attitüde moderner Heist-Filme, wie sie etwa in Criminal Squad (2018) zu finden ist, setzt Layton auf eine nüchterne, aber stimmige Erzählweise, die Figuren und Handlung gleichermaßen ernst nimmt.

Einsamkeit als unsichtbarer Antagonist

Besonders bemerkenswert ist die Balance zwischen Spannung und menschlicher Tiefe. Crime 101 erlaubt ungewöhnlich viel Optimismus für ein Genre, das sonst von Misstrauen und Zwielichtigkeit lebt. Die Figuren tragen alle eine gewisse Einsamkeit mit sich, die subtil inszeniert wird, ohne die Handlung zu dominieren. Es sind Momente, in denen nicht Geld oder Schmuck im Mittelpunkt stehen, sondern das Bedürfnis, aus der Isolation auszubrechen. Diese emotionale Komplexität macht den Film zugänglich und gleichzeitig nachdenklich. Layton gelingt es, die inneren Konflikte seiner Figuren organisch in die Geschichte einzubetten, sodass sie niemals aufgesetzt wirken.

Die Stärke des Films liegt zu einem großen Teil im Ensemble. Während einige bekannte Gesichter auftauchen – darunter  und – profitieren vor allem die Hauptfiguren von einer eigenständigen Anziehungskraft. Barry Keoghan sticht dabei besonders hervor: Seine Figur agiert einerseits impulsiv und brachial, offenbart aber immer wieder verletzliche Nuancen, die sie menschlich und greifbar machen. Diese feine Balance zwischen Härte und Fragilität zieht sich durch den gesamten Cast und verleiht dem Film eine glaubwürdige Tiefe.

Eskalation: ja, Spektakel: eher nein

Crime 101 beeindruckt weniger durch spektakuläre Action, sondern durch erzählerische Präzision. Layton erzählt selbstsicher und respektvoll, ohne den Zuschauer zu bevormunden. Die Motivationen der Figuren, darunter auch Oscar-Preisträgerin  (John Wick: Kapitel 3) in einer ihrer besseren Rollen seit Jahren, werden nachvollziehbar dargelegt, Wiederholungen von Plotpunkten werden vermieden, und der Film fordert aktiv die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Spannung entsteht nicht aus ständiger Eskalation, sondern aus sorgfältig aufgebauten Konflikten, die sowohl psychologisch als auch narrativ überzeugen. In dieser Hinsicht ist der Film elegisch, aber niemals langweilig – er setzt auf nachhaltige Wirkung statt auf kurzfristige Sensation.

Die visuelle Gestaltung unterstützt diese Herangehensweise optimal. Eine ruhige, aber kraftvolle Kameraführung, kombiniert mit einem stimmigen Score, verleiht der Inszenierung eine hochwertige, unaufgeregte Ästhetik. Gedreht wurde nahezu ausschließlich in und um Los Angeles, was Crime 101 ein authentisches, urbanes Flair verleiht und die düstere Stimmung der Geschichte glaubwürdig transportiert.

Für Actionfans dürfte Crime 101 allerdings weniger geeignet sein. Szenen mit Schusswechseln oder Verfolgungsjagden kommen zwar vor, bleiben aber punktuell und dienen mehr der Charakterentwicklung als dem Adrenalinschub. Layton verzichtet auf überbordendes Spektakel und setzt stattdessen auf Spannung, die sich aus Situationen und zwischenmenschlichen Dynamiken ergibt. Wer Erwartungshaltungen wie bei einem typischen Heist-Blockbuster hat, könnte enttäuscht sein.

Ruhe, Präzision und Gespür für Details

Die Stärken des Films liegen in seiner Klarheit und seinem Gespür für Details. Jede Szene wirkt durchdacht, jede Figur besitzt Gewicht, und die Kombination aus Stil und Substanz ist durchgehend spürbar. Crime 101 überzeugt durch seine beinah unaufgeregte Art, ohne dabei beliebig zu wirken, und zeigt, dass ein Gangster-Film nicht immer laut, hektisch oder überladen sein muss. Das Zusammenspiel aus Schauspiel, Inszenierung und Atmosphäre macht den Film zu einem sehenswerten Vertreter seines Genres, der mit Ruhe und Präzision eine Geschichte erzählt.

Fazit

Mit starker Besetzung und Ästhetik bietet "Crime 101" einen gelungenen Blick auf das Leben zwischen Gesetz und Verbrechen. Der Film nimmt sein Publikum ernst, erklärt nicht alles bis ins Detail, sondern zeigt Motivation und Schlüsselmomente, statt sie durch Exposition zu überfrachten. Wer auf Action wartet, wird allerdings enttäuscht: Spannung entsteht hier durch Eskalation, nicht durch Spektakel.

Autor: Sebastian Groß
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