Inhalt
Ein Geisterschiff nimmt eine Gruppe Schiffbrüchiger an Bord, um sie dann einen nach dem anderen umzubringen.
Kritik
Eigentlich heißt es gemeinhin ja, dass eine Schifffahrt lustig und schön sei. Nur scheint dies niemand den Verantwortlichen hinter Death Ship mitgeteilt zu haben. Denn was sich dort auf hoher See ereignet, ist alles andere als vergnüglich – weder für die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs noch für uns als Publikum. Inszeniert wurde die aus dem Jahr 1980 stammende Produktion vom zweifachen Emmy-Gewinner Alvin Rakoff (Say Hello to Yesterday), der hier seinen ersten und einzigen Ausflug ins Horrorgenre wagte. Herausgekommen ist eine maritime Spukgeschichte, in der ein unbemanntes Schiff wie von Geisterhand gesteuert die Meere durchkreuzt – immer auf der Suche nach anderen Schiffen, die es rammen, versenken und deren schiffbrüchige Passagiere es anschließend an Bord nehmen kann um… ja wozu eigentlich?!
Womit wir dann auch schon bei einem von zwei zentralen Problemen des Films wären: seiner inneren Logik. Was genau treibt dieses Geisterschiff an? Ist es Rache – und wenn ja, wer rächt sich, und wofür? Eine klare Antwort bleibt Death Ship jedenfalls schuldig. Zwar lassen sich durchaus Deutungsmöglichkeiten finden, jedoch will keine davon so recht Sinn ergeben. Ebenso rätselhaft ist, warum das „Todesschiff“ die im Wasser treibenden Passagiere eines in den ersten Filmminuten gerammten und dadurch versenkten Luxuskreuzers überhaupt an Bord lässt. Schließlich hätte der Mangel an Trinkwasser vermutlich ohnehin den sicheren Tod bedeutet. Fragen über Fragen, von denen es noch einige mehr gibt und die man sich vor allem deswegen zu stellen beginnt, weil Death Ship – und da wären wir bei dem zweiten, noch viel gravierenderen Problem – erschreckend wenig Sogwirkung besitzt.
Zugegeben, die Kulissen sowie das Setting als solches lassen Stimmung aufkommen. Das liegt daran, dass die meisten Szenen auf einem „echten“ (eigentlich zum Abwracken vorgesehenen) Schiff gedreht wurden, was dem Ganzen eine authentische Atmosphäre verleiht – auch wenn man es mit dem Einsatz von Spinnweben stellenweise etwas zu gut gemeint hat. Außerdem sind Horrorfilme, die auf Schiffen angesiedelt sind, verhältnismäßig selten, was Rakoffs Streifen beinahe zu so etwas wie einer Rarität innerhalb des Genres macht. Allerdings vermag dies nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Death Ship die meiste Zeit über lediglich wie ein Segelschiff bei Flaute vor sich hindümpelt. Dabei fängt Rakoffs Werk zunächst gar nicht so verkehrt an. Immerhin vergehen kaum 20 Minuten, bis man dort ist, wo man sein möchte: an Bord des Geisterschiffs.
Nur verliert die Handlung zwischen dem Erkunden des Schiffs sowie dem Sinnieren darüber, was hier eigentlich los ist, alsbald schon spürbar an Fahrt. Doch anstatt diesem Umstand durch eingestreute Überraschungen oder kreative Einfälle entgegenzuwirken, fährt Rakoff wenig auf, um sein Publikum bei der Stange zu halten. Gewiss, ab und zu segnet irgendjemand das Zeitliche, aber selbst diese Momente entlocken einem kaum mehr als ein müdes Schulterzucken. Zum einen, weil die Tode – abgesehen von einer Duschszene – weder blutig noch sonderlich einfallsreich ausfallen. Und zum anderen, weil einem die Figuren aufgrund ihrer äußerst dünnen Charakterisierung in Verbindung mit „lediglich“ routiniert agierenden Darsteller*innen schlicht egal sind.
Besonders ernüchternd ist dabei die Leistung des Oscar-Gewinners George Kennedy (Der Unbeugsame), der als mürrischer Kapitän gemessen an seinen Fähigkeiten eine besonders blasse Performance abliefert. Erschwerend hinzu kommen kleinere inszenatorische Schlampereien in Form von Anschlussfehlern oder im Hintergrund stehenden Kameraleuten, der kostensparende Einsatz von recyceltem Bildmaterial (entliehen aus The Last Voyage), willkürlich platzierte Zeitlupeneffekte sowie ein eher unauffälliger, bestenfalls als zweckmäßig zu beschreibender Score. All dies fügt sich zu einem leider doch sehr schwachen Gesamteindruck zusammen, weshalb Death Ship allenfalls für jene interessant sein dürfte, die sich – aus welchen Gründen auch immer – sämtliche auf Schiffen spielenden Horrorfilme zu Gemüte führen wollen. Aber immerhin: Das Filmplakat ist ein echter Blickfang.
Fazit
„Death Ship“ ist ein uninspirierter Hochsee-Grusler, der sein an sich überaus reizvolles Setting vor allem durch lethargisches Erzähltempo, blasse Figuren und fehlende Logik gekonnt selbst torpediert. Neben den atmosphärischen Kulissen ist es lediglich das schaurig-schöne Filmplakat, das vollends zu überzeugen weiß. Unterm Strich ist "Death Ship" jedoch eher Zeitverschwendung.
Autor: Constantin Wieckhorst