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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine Tür öffnen. Eine Krise bewältigen. Einen Vorfallbericht verfassen. An Frankreichs Akademie für Justizvollzugsbeamte lernen Hunderte von Männern und Frauen, Gefängniswärter zu werden. Ihre Worte beginnen, die Institution widerzuspiegeln. Ihre Bewegungen werden präziser. Was einst unsicher wirkte, wird zur Routine.

Kritik

„By showing us what happens behind closed doors, and with a clever use of what remains off-screen, Guillaume Massart (…) creates a self-contained institutional setting that forces us to confront the Kafkaesque machinery of repressive bureaucracy“ So jedenfalls heißt es in der offiziellen Beschreibung der Cannes Nebensektion ACID. Dort premiert die didaktische Doku des französischen Regisseurs, der „exposes the mechanisms that shape surveillance, transforming men and women into disheartened wardens.“ mit dem angeblichen Ziel „to highlight the chilling dysfunctions of our institutions“. 

Es ist eine milde formuliert verwunderliche Interpretation eines Werks, das eine Klasse angehender Aufseher*innen bei der Ausbildung an der École nationale d’administration pénitentiaire begleitet. Das protokollarische Porträt der staatlichen Schulung zukünftigen Gefängnispersonals dokumentiert mit konzentriertem Kamerablick nahezu jedes Modul des Unterrichts. Der reicht vom sicheren Öffnen von Zellentüren bis zum situativen Abwägen, wann und wie weit Vorschriften überschritten werden können. Die regulierte Routine eines Berufs im Dienste staatlichen Zwangs und institutionalisierter Gewalt erscheint als hochkomplexe Gewissensaufgabe nach humanistischen Prinzipien. 

Hinter der manipulativen Maske der Neutralität zeigt die taktische Inszenierung eine beunruhigende ideologische Indikation. Entgegen der Inhaltsangabe erscheint die Professionalisierung als gleichsam praxisnaher und menschlicher Prozess nach klaren ethischen Richtlinien. Direkte Gewalt darf nur das letzte Mittel sein, kleine Brüche des Regelwerks werden sogar ausdrücklich befürwortet, um Eskalation - und Bürokratie - zu vermeiden. Aufwand und Umfang der Ausbildung, die unter anderem ausführliche Diskussionen, Simulationen, praktische Übungen und Experten-Schulungen beinhaltet suggeriert eine aufrichtige Absicht des Staates, Gefangene - wie es ein Ausbilder benennt - zu rehabilitieren. 

Formale Nüchternheit sowie die Abwesenheit kommentierender Elemente behaupten eine unparteiische Sicht, die geschickt die unterschwellige Idealisierung und Legitimierung des Haft-Apparats lanciert. Dass sich keine einzige problematische Situation unter die strengen Kompositionen von Gemeinschaftssinn, Gewissenhaftigkeit und Gesetzestreue mischt, verrät bereits eine unterschwellige Haltung. Der verschobene Fokus auf die vermeintlich sorgfältige Vorbereitung jener, die exekutive Gewalt und staatliche Autorität in Zukunft aufrechterhalten, vermeidet und untergräbt Kritik am eigentlichen System. Selbiges erscheint so engagiert und reflektiert wie diejenigen, die es vor der Kamera repräsentieren. 

Fazit

So wie die Auszubildenden sich bereitwillig in die Vorgaben des abgebildeten Systems einfügen, motiviert Guillaume Massarts unilateraler Report auch das Kino-Publikum zur Akzeptanz und Affirmation des französischen Haftapparats. Jenes erscheint als Produkt profilierter Fachkompetenz, fundierter Erfahrung, intensiver Vorbereitung und beständiger Abwägung zum Wohle aller Involvierten. Wohlgemerkt ohne einen einzigen Blick hinter  Gitter. Gefangenschaft wird wie Gewalt zum abwesenden Abstrakta, deren Selbstverschuldung seitens der Inhaftierten zum Mantra. Als perspektivisches Pendant und thematischer Fortführung Massarts Dokumentarfilms „La Liberté“ bleibt das konformistische Konzept gefangen in Rechtsstaat-Romantisieren. 

Kritik: Lida Bach

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