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Inhalt

Anfang des 20. Jahrhunderts: Die junge Celie (Whoopi Goldberg) wird von ihrem Vater vergewaltigt und geschwängert. Ihre Kinder werden verkauft und sie muss den herrischen Witwer Albert (Danny Glover), den sie nur "Mister" nennen darf, heiraten und auf dessen Kinder aufpassen. Celies einziger Rückhalt ist ihre Schwester. Als diese von Albert herausgeschmissen wird, verspricht sie Celie, ihr immer Briefe zu schreiben. Die Jahre vergehen, doch nie kommt ein Brief ihrer geliebten Schwester an. Celie ahnt nicht, dass Albert ihr diese schon seit Jahren vorenthält und sie versteckt. Eines Tages tritt die Bluessängerin Shug (Margaret Avery) in ihr Leben. Diese hilft Celie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, um sich gegen ihren Mann zu wehren.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Seine Mission lautet Menschlichkeit, und das Instrument, um diese in die Köpfe der Welt zu hämmern, ist die Tiefe der Leinwand. Man kann sagen, was man möchte, doch Steven Spielberg (Der Soldat James Ryan) zählt zu den größten Humanisten der massenkompatiblen Kinolandschaft. Das Problem an seinem unbändigen Glauben an das Gute im Menschen, ist, dass er sich oftmals die falschen Projektionsflächen aussucht, um an genau diesen zu appellieren. Oder anders gesagt: Er verwendet die falschen Mittel, um seine barmherzigen Überzeugungen zu propagieren. Die Farbe Lila steht für diesen Umstand quasi exemplarisch in Steven Spielbergs umfangreichen Schaffen. Nachdem sich der heutige Milliardär mit Der weiße Hai, E.T. - Der Außerirdische und Jäger des verlorenen Schatzes bereits unsterblich machen konnte, sollte 1985 eine entscheidende Kurkorrektur folgen.

Mit Die Farbe Lila nämlich schien Steven Spielberg in einem Sujet angekommen, in dem er sich und seine Ägide nicht mehr dem reinen Eskapismus verschreiben konnte. Mit Die Farbe Lila musste der Anspruch an den historischen wie politischen Kontext erfüllt werden: Der verträumte Blick traft auf Augen, die ihre Lider im Angesicht der Verheerungen der Realität nicht mehr zu schließen wagten. Angesiedelt in den Südstaaten des frühen 20. Jahrhunderts, adaptiert Spielberg Alice Walkers mit dem Pulitzer-Preis honorierte Vorlage vor allem als Heilsgeschichte der afroamerikanischen Celie (Whoopi Goldberg, Ghost - Nachricht von Sam). In Jugendtagen von ihrem Vater vergewaltigt, der ihre Kinder daraufhin verkaufte, landet sie irgendwann auf der Farm des gewalttätigen Albert (Danny Glover, Lethal Wepaon-Franchise). Ebenfalls wie Vieh an den besten Bieter verscherbelt.

Da Spielberg, wie erwähnt, Die Farbe Lila primär als schillernde Heilsgeschichte definiert, ist der Gesichtspunkt der Narration von Beginn an überdeutlich: Celies Erlösung. Obgleich es außer Frage steht, dass Spielberg sein handwerkliches Verständnis über eine üppige Laufzeit von 150 Minuten quasi durchgehend zum Ausdruck bringt (besonders einprägsam: das Blumenfeld als individuelles Refugium, um Kraft zu tanken und Freiheit zu fühlen), fehlt dem Film die erzählerische Präzision dahingehend, das Geschehen in seiner existentiellen Schwere greifbar zu machen. All die Marter, die Celie über sich ergehen lassen muss, scheinen im nächsten Moment durch einen (göttlichen) Freudenmoment relativiert zu werden. Steven Spielberg möchte seine Figuren niemals ernsthaft leiden sehen, was seine Herzensgüte akzentuiert, die, nach wie vor, gewichtige Thematik von Die Farbe Lila aber vorbehaltlos verkürzt und simplifiziert.

Auf ähnliche Weise sollte auch Schindlers Liste acht Jahre später scheitern: Steven Spielberg ist ein herausragender Regisseur, und doch fehlt ihm in seinen filmische Ausflügen in zeitgeschichtliche Kapitel immer wieder das Feingespür dahingehend, dem Gegenstand seiner Erzählung inszenatorisch gerecht zu werden. Die Farbe Lila hat mehr von seiner vorherigen Wirklichkeitsflucht, als von einem Kino, welches sich wirklich an einer historischen respektive politischen Motivation weidet. Dementsprechend überschaubar intensiviert fällt der Umgang mit der Tatsache aus, dass die Qualen der Schwarzen mit der Abschaffung der Sklaverei keinesfalls aus der Welt geschafft wurden (Stichwort: patriarchale Machtstrukturen). Dementsprechend halbgar dringt Steven Spielberg in den feministischen Gehalt der Vorlage ein und liefert stattdessen vor allem stereotype Charakterskizzen. Die Farbe Lila ist harmonieheischende Überwältigung im Großformat. Nicht zum Diskurs freigegeben.

Fazit

Es wäre zu harsch ausgedrückt, würde man "Die Farbe Lila" als einen schlechten Film bezeichnen. Dafür ist er handwerklich zu begnadet gestaltet und die inhaltlichen Anliegen verweisen in eine richtige, versöhnliche Richtung. Problematisch ist nur, wie unabdingbar Steven Spielberg den Film als Heilsgeschichte begreifen möchte und sich harmonieheischend durch die Vita der schwarzen Hauptfigur laviert. Überdimensionale Gesten stehen hier im Vordergrund, Tränen der Rührung haben Vorrang vor der Reflexion. Wer gefühlsbetontes Kino im Großformat mag, der ist hier an der richtigen Adresse. Wer der Überzeugung erliegt, dass eine derartige Überwältigungsrhetorik bei "Die Farbe Lila" deplatziert ist, der sollte einen weiträumigen Bogen um den Film machen.

Autor: Pascal Reis

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