Inhalt
Grabräuber und Models treffen in der Wüste Ägyptens auf einen auferstandenen Pharao sowie dessen grimmige Zombie-Garde.
Kritik
Wenn in der Pyramide kein Platz mehr ist, kehren die Mumien in die Wüste zurück… Wieso gibt es eigentlich kaum Horrorfilme, die im Angesicht gewaltiger Pyramiden oder tief im Inneren ägyptischer Grabkammern angesiedelt sind? Dabei wären das exotische Ambiente, die staubige Abgeschiedenheit und natürlich der mystische Hauch der Jahrtausende alten Vergangenheit, der diese steinernen Bauten umgibt, als Grundlage für einen stimmungsvollen Horrorstreifen geradezu wie geschaffen. Und dennoch gibt es nur wenige Genreproduktionen, die sich dieses überaus faszinierende Setting zunutze machen. So wenige, dass man selbst einer „Billigproduktion“ wie Dawn of the Mummy ein gewisses Maß an Dankbarkeit entgegenbringen möchte.
Dawn of the Mummy, der hierzulande unter dem Titel Die Mumie des Pharaos veröffentlicht wurde, stammt aus dem Jahr 1981 und ist unter der Regie von Frank Agrama (Queen Kong) mit einem Budget von schlanken 500.000 USD realisiert worden. Agrama, der auch selbst am Drehbuch mitschrieb, entführt uns in den heißen Wüstensand Ägyptens, wo gierige Grabräuber auf ihrer Suche nach Gold die ewige, mit einem Fluch belegte Ruhestätte eines Pharaos entweihen. Doch damit sind sie nicht allein, denn ein Fotograf und ein paar Fotomodels stolpern auf ihrer Suche nach passenden Fotoshooting-Locations ebenfalls in die antike Grabkammer. Dies führt dazu, dass der mordlüsterne Herrscher aus seinem ewigen Schlaf erwacht, um Jagd auf die ahnungslosen Lebenden zu machen.
Vor diesem Hintergrund darf man dann auch die Frage stellen, ob Mumien eigentlich bloß in Bandagen eingewickelte Zombies sind oder ob sie - ähnlich wie Vampire, Werwölfe, Dämonen etc. - eine eigene Monstergattung bilden. Egal für was man plädieren mag, Dawn of the Mummy lässt abseits der titelgebenden Mumie noch ausgehungerte Zombies von der Leine, die den ägyptischen Herrscher bei dessen mörderischer Rache unterstützen. Warum auch nicht, schließlich waren die wandelnden Toten in den frühen 80ern dank George A. Romeros Dawn of the Dead äußerst beliebt. Und wenn es Zombies unter Kannibalen gibt, muss es natürlich ebenso Zombies unter Mumien geben. Allerdings sollten sich Fans der lebenden Toten nicht zu früh freuen.
Zwar dürfen sich die Wiederauferstandenen in bester Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies-Manier stimmungsvoll aus ihren scheinbar nur wenige Zentimeter unter der sandigen Erdoberfläche liegenden Gräbern pellen, doch über weite Strecken hinweg haben sie – genauso wie der auferstandene Pharao – nur wenig zu tun. Ein Schicksal, das sich die in Lumpen gehüllten Untoten, deren Fratzen durch unspektakuläres, großzügig-grob aufgetragenes dunkles Make-up geprägt sind, mit den ebenfalls alles andere als vielbeschäftigten Lebenden teilen. Die meiste Zeit über stolpern die schablonenhaften Charaktere von einer Szene zur nächsten, schießen Fotos in dem unterirdischen Gemäuer und quasseln jede Menge belangloses Zeug.
Dabei schreit das an Werke wie Jäger des verlorenen Schatzes oder Die Mumie erinnernde Setting regelrecht nach einer Vielzahl an gleichermaßen spannenden wie abenteuerlichen Erlebnissen. Aber ebensolche fehlen bei Dawn of the Mummy leider nahezu gänzlich, was sehr ärgerlich ist. Vor allem, da die gebotenen Kulissen mit Blick auf das knappe Budget in vielen Szenen erstaunlich atmosphärisch ausfallen. Tatsächlich wurden einige der Aufnahmen sogar an Originalschauplätzen in der Umgebung von Kairo bzw. Gizeh gedreht und selbst die Studioszenen (wie die Innenaufnahmen des Pharaonengrabs) können sich sehen lassen. Einen weiteren, wenn auch eher indirekten Pluspunkt stellen manche der schauspielerischen Leistungen dar.
Das meiste davon bewegt sich zwar lediglich auf einem gerade noch akzeptablen bis unspektakulären Niveau, aber einiges ist aufgrund von – nennen wir es einfach übertriebener Ausdrucksstärke – auf eine trashige Art erheiternd und bietet somit durchaus einen gewissen Unterhaltungswert. Zumindest genug, um nicht ins Reich der Träume zu entschwinden. Außerdem belohnt Dawn of the Mummy das Durchhaltevermögen seines Publikums damit, dass die Zombies zum Ende hin nochmal richtig Zähne zeigen dürfen und ein kleines, mit ordentlich getricksten Effekten garniertes Massaker anrichten dürfen. Ob das alles eine Sichtung des Films rechtfertigt, bleibt fraglich. Zumal es sowohl deutlich bessere Zombie-, Mumien- als auch „Wüstenhorror“-Streifen gibt.
Fazit
Wüstensand, Zombies und ein rachsüchtiger Pharao – eine Kombination, die interessant klingen mag, in der von „Dawn of the Mummy“ dargebotenen Form aber meist eher trocken und ereignisarm ausfällt. Da helfen selbst die oft unerwartet stimmigen Kulissen, manch unfreiwillig erheiternde Schauspielleistung sowie der eine oder andere blutige Gore-Effekt wenig. Eingefleischte Genrefans könnten aber trotzdem halbwegs zufrieden sein.
Autor: Constantin Wieckhorst