MB-Kritik

Her Private Hell 2026

Inhalt

Ein hypnotischer, entfesselter Thriller mit einer originellen Geschichte, der jede Menge Glamour, Sex und Gewalt verspricht.

Kritik

Dass Nicolas Winding Refns erster Kinofilm nach zehnjähriger Pause im Titel - und in gewisser Weise auch inhaltlich - die Hölle heraufbeschwört, scheint nur passend. Immerhin war der dänische Regisseur nach eigener Aussage auf der Pressekonferenz zu seinem jüngsten Werk, das in Cannes außer Konkurrenz im Wettbewerb debütiert, für 25 Minuten tot. Wie genau das geht, ist nicht ganz klar, aber hat etwas mitgebracht. Immerhin begleitete das Erlebnis die Epiphanie seiner “Gabe”. Jetzt dreht er als Gottes Gesandter mit dem Verlangen “to make movies like I had never made movies before”.  

Zumindest letztes weckt Hoffnungen auf einen innovativen Filmkosmos abseits des ästhetisierten Sexismus von The Neon Demon. Doch genau dessen manierierten Motiv-Kosmos regiert von materialistischer Megalomanie, Machismo und Misogynie evoziert die futuristische Fantasy-Kulisse. Gläserne Art-Deco-Bauten und bizarrer Skulpturen bilden eine surreale Stadt-Silhouette, in der ewige Nacht zu herrschen scheint. In einem Luxushotel über der Wolkendecke eines ominösen Nebels, den die rezitativen Dialoge als vage Bedrohung definieren, begegnet die mondäne Schauspielerin Elle (Sophie Thatcher, MaXXXine) der ehrgeizigen Hunter (Kristine FrosethOh Canada).

Sie hält Hans Christian Andersen für eine Euro-Popband und verkörpert die Mischung aus Naivität und Ehrgeiz eines wandelnden College-Girl Porno-Klischees. Während Femme fatale Elle sie zu ihrer gleichaltrigen Stiefmutter Dominique (Havana Rose Liu, Lurker) führt, erzählt sie von ihrem Vater. Der stets in Schwarz gekleidete Johnny Thunders (Dougray Scott, Exterritorial) wirkt wie latent bedrohliches Alter Ego des Leather Man. Klingt wie der Türsteher einer Gay Bar, ist aber ein Giallo-inspirierter Serienkiller, der in dem Luxus-Labyrinth blutige Jagd macht. 

Alle Frauen sind statueske Schönheiten mit maskenhafter Mine, die funkelnde Vintage-Kostüme an- oder ablegen und pseudo-tiefgründige Phrasen aufsagen. Kokette Kammerzofen assistieren dabei und sticheln mit Nadeln für einen Hauch SM inmitten glamouröser Geschmacklosigkeit. Darin sind Männer der aktive Gegenpol der hohlen, hilflosen und seltsam starren Weiblichkeit: düstere Krieger wie Private K (Charles Melton, Warfare), der in dem Orkus aus Dekadenz und angedeuteter Degeneration seine Tochter sucht und den Leibhaftigen findet. Sex und Tod regieren die schillernde Szenerie der fassadenhaften Fetisch-Fashion-Show. 

Fazit

Jede Einstellung Nicolas Winding Refns redundanter Rückkehr auf die große Leinwand scheint Teil einer aufwendige arrangierten Foto-Strecke für ein überteuertes Männer-Magazin. Minimalistisch sind in dieser stilisierten Schaurahmen einzig Charakterisierung, Atmosphäre und Plot. Kostüme und Ausstattung dominieren museale Settings, in denen blutrünstige Gewaltakte mit erotisierter Ekstase wechseln. Die namhaften Darstellerinnen haben nichts zu tun, außer blasierte Posen einzunehmen und verführerisch „Daddy“ zu seufzen. Ein Inferno larmoyanter Langweile triff auf eine sexistische Style-Orgie, voll schwülstiger Sentenzen und pseudo-künstlerischer Prätention. 

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.