Inhalt
Diana ist Prinzessin in einem alten Königreich. Ihr Vater, König Arthur, verbietet Liebe. Als sie sich in Lalo verliebt, verbannt er ihn. Mit einem magischen Armband reist Diana in andere Welten, um ihren Geliebten zu suchen. Als sie erkennt, dass ihr Vater ihre Entscheidungen manipuliert, muss sie sich ihren Ängsten stellen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.
Kritik
Selbst nach acht Jahren und drei weiteren Langfilmen entkommen Joaquín Cociña und Cristóbal León (Los hiperbóreos) nicht dem Schatten ihres herausragenden Kino-Debüts, der Alptraum und Märchen zu einer abgründigen Allegorie chilenischer Geschichte verknüpfte. Gemeinsam sind den Werken nur die ideosynkratischen Manierismen und Motive des chilenischen Regie-Duos. Das vertieft mit jedem Werk sein Faible für creepy Stop-Motion-Animationen, monströse Metamorphosen und grausame Kinderphantasien. Zweite und Dritte sind eine klassische Komponente der Volks- und Kunstmärchen, die ihre bizarre Beziehungsstudie inspirieren.
Charles Perraults 1695 veröffentlichte Erzählung „Eselshaut“, ein süffisantes Sittenporträt seinerseits basierend auf dem Grimms-Märchen „Allerleirauh“, ist ein offenkundiges Vorbild der Geschichte um die 15-jährige Prinzessin Diana (Antonia Giesen, Ema - Sie spielt mit dem Feuer), die sich in den jungen Lalo (Andrew Bargsted, The Chilean) verliebt. Als ihr Vater König Arthus (Francisco Melo, Bitter Gold), der nach dem Tod seiner Gattin Romanzen bei Strafe verboten hat, beider Liaison entdeckt, verbannt er Lalo. Um ihn zu retten, begibt sich Diana auf eine magische Reise in die Moderne.
Das Spiel mit Anachronismen und popkulturellen Parallelen unterstreicht die formale Nähe zu Jacques Demys in Pastell-Farben getauchte, mit Catherine Deneuve starbesetzte und mit zeitgenössischen Akzenten gespickte 1970er Verfilmung Perraults Novelle. Deren beiläufige Legitimation sexueller Gewalt, inzestuöser Begierde und sadistischer Strafen zieht sich durch die unausgegorene Mischung aus Fantasy, Beziehungskomödie, Body Horror und Pandemie-Parabel. Obzwar deren narrative Fragmente sich wiederholt auf die verbindenden Aspekte pervertierter Fürsorge und repressiver Kontrolle berufen, ergeben sie nie ein einheitliches Ganzes.
Fazit
Als allegorisches Intermezzo wirft das in die schauspielerische Rahmenhandlung Joaquín Cociña und Cristóbal Leóns eigenwilliger Fantasy-Fabel verpflanzte Puppentheater wie ein unfertiges Gleichnis autoritärer Fremdkontrolle. Von derlei Rudimenten sozial- und systemkritischen Kommentare wimmelt das morbide Potpourri klassischer Archetypen und zeitgenössischer dramatischer Tropes. Das Resultat ist ein filmischer Flickenteppich, der formale interessanter ist als erzählerisch. Innerhalb der oftmals willkürlichen Wechsel von Genres, Stilformen, Stimmungen, Zeitebenen, Perspektiven und Realitäten wirken die Schauspielenden letztlich so verloren wie das Kinopublikum.
Autor: Lida Bach