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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

1976. Inmitten von Bergarbeiterprotesten in Chile wird Aldo, ein Aktivist mit Sprengstoffkenntnissen, ins Exil getrieben. Er lässt Frau und Neugeborenes zurück und nimmt Gelegenheitsjobs in Turin an. Das ändert sich, als er Luciana trifft, eine Ärztin mit Verbindungen zu Anarchist/innen. Sie bietet ihm die Chance, seine Familie nachzuholen – wenn er wieder Bomben für revolutionäre Gruppen baut.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Als „Anni di piombo“, oder Jahren des Bleis, blieb die Epoche im Fokus Sergio Castro-San Martíns (Paseo) von Tatsachen inspirierten Biopics in Italiens Geschichte verankert. Je nachdem, aus welchem politischen Blickwinkel man die Zeitspanne von den späten 60er bis in die frühen 80er betrachtete, war es eine Ära staatlicher Unterdrückung oder des politischen Terrorismus, der 1978 in der Ermordung Ministerpräsidenten Aldo Moros gipfelte. Der chilenische Regisseur und Co-Drehbuchautor befasst sich in seiner Düsteren Union von Biopic und Polit-Thriller mit einem ungleich obskuren Todesfall. 

Es ist der des Titelcharakters Aldo Marín, der auf der Flucht vor dem Militärregime im italienischen Exil seine gewaltvolle Vergangenheit hinter sich lassen will. Doch solche Pläne gehen selten gut im Kino, das sich hier an Juan Cristóbal Guarellos biographischem Sachbuch „Aldo Marín, Carne de cañón“ orientiert. Martíns Interpretation des realen Charakters, den Camilo Arancibia mit finsterem Blick als desillusionierten Idealisten spielt, ist ideologisch und impulsiv dessen Gegenbild. Bevor er in Turin an eine Zukunft denken kann, wird Aldo von seiner Vergangenheit eingeholt.

Während der echte Marín Pinochet in die Luft jagen wollte, sehnt sich sein Leinwand-Pendant nach einem friedlichen Leben als Familienvater. Doch eine linksradikale Zelle nötigt den Einzelgänger, sein Talent als Bombenkonstrukteur zu reaktivieren. In der politisch gleichgesinnten Ärztin Luciana (Sara Serraiocco, Weightless), die Frauen mit in Italien damals illegalen Abtreibungen beisteht, findet er eine Vertraute, die dramaturgisch zugleich als Spiegelbild und ethischer Gegenpol dient. Je näher sich beide kommen, desto markanter wird die Distanz zwischen dem verbitterten Pragmatiker und der entschlossenen Aktivistin. 

In entsättigten Braun- und Ocker-Tönen zeichnen Simon Guy Fässlers Kameraaufnahmen eine Epoche erstickender gesellschaftlicher Enge. Jene erstreckte ich bis auf die Farbpalette und matte Lichtgebung der einengenden Einstellungen, die den Charakteren in schmalen Gassen und muffigen Interieurs folgen. Turins von Industrie-Qualm verdeckter Himmel unterstreicht die Aura deprimierender Perpsektivlosigkeit, die Aldos gewalttätige Impulse heimlich nährt. Latente Suspense wächst parallel zur schwindenden Hoffnung des tragischen Anti-Helden. Dessen Schicksal ist mit seiner morbiden Ironie und brutalem Fatalismus wie geschaffen für eine dramatische Aufarbeitung, die der zeitpolitische Rahmen bedrückend aktuell macht. 

Fazit

Mit finsterem Pragmatismus führt Sergio Castro-San Martín seinen unglückseligen Protagonisten zu seinem bekannten Ende. Dessen historische Absehbarkeit nimmt der tristen Union von Zeitbild und Charakterstudie nichts von seiner psychologischen Spannung. Die Frage nach dem Sinn politischen Widerstands und der moralischen Legitimation dessen Mittel schlägt eine Brücke zwischen dem auf wahren Ereignissen basierenden Szenario und einer immer tiefer in Rechts-Reaktionismus versinkenden Gegenwart. Solides Schauspiel kann das Potenzial der Figuren zwar nicht erfüllen, doch das stimmige Szenenbild und der suggestive Soundtrack geben der pessimistischen Parabel atmosphärischen Reiz. 

Kritik: Lida Bach

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