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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Ema und Gastón sind künstlerische Freigeister einer Tanzkompanie. Ihr Leben wird von einem Tag auf den anderen aus den Angeln gerissen, als ihr kleiner Adoptivsohn Polo Emas Schwester schwer verletzt. Impulsiv und radikal wie sie ist, entscheidet sich Ema, das Kind wieder fortzugeben, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Plötzlich steht die junge Tänzerin im Kreuzfeuer der Kritik. Ihr Partner, die Kollegen, das Jugendamt – alle verurteilen ihre Entscheidung als eigenmächtig und herzlos. Was nun folgt, steht auf keinem Blatt der Welt geschrieben: Statt zu leiden, stürzt sich die selbstbewusste Ema ins Leben. Zusammen mit ihrer Mädchen-Gang legt sie die Welt um sich herum in Flammen. Reggaeton, der Tanz der Straße und der Jugend, ist dabei ihr Ventil. Liebe, Familie, Kunst – Ema sprengt alle Koordinaten. Sie experimentiert, überschreitet Grenzen, verführt Männer und Frauen – um am Ende alle Fäden des Schicksals selbst in der Hand zu halten.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Vor vier Jahren nahm sich der chilenische Filmemacher Pablo Larrain (No!) mit Jackie bereits einem gar taumelnden Sturz in die Emanzipation an. Sein Jackie-Kennedy-Porträt, eine First Lady, die vor allem Mysterium im blutverschmierten Kostüm blieb, verstand sich als unkonventionelles, behutsames Nachempfinden eines seelischen Trümmerhaufens, der niemals an die Öffentlichkeit getragen wurde. Was den Film so grandios gestaltet hat, war die Verwendung des historischen Rahmens, der hier aber in Form von Verschiebungen, Aussparungen und Spekulationen ausgefüllt wurde. Kein Biopic, sondern die tragische Geschichte einer Frau, die gezwungen wurde, sich selbst als Kunstfigur zu vermarkten. Ema, das neue Werk von Pablo Larrain, ist ein vollkommen anderer Film, lässt den Vergleich mit Jackie aber durchaus zu, prüft Larrain doch erneut die Leidensfähigkeit des weiblichen Geschlechts.

Dreh- und Angelpunkt ist in diesem Fall die titelgebende Tänzerin Ema (Mariana Di Girolamo, Hotel Zentai), die sich nicht nur von ihrem Lebensgefährten Gastón (Gael García Bernal, Mozart in the Jungle) getrennt hat. Viel schwerer wiegt der Umstand, dass sich Ema und Gastón kurz zuvor dafür entschieden haben, ihren gemeinsamen Adoptivsohn Polo zurückzugeben. Was bleibt, ist die Verdichtung von sozialem Druck, Depression und Verzweiflung, der Ema durch die chilenische Hafenstadt Valparaiso treibt. Was an dieser Stelle inhaltlich in seinem melodramatischen Gestus bereits ein Stück weit althergebracht anmutet, hält den Film letztlich davon ab, wirklich mitreißend zu sein. Pablo Larrain löst seinen neusten Streich zum ersten Mal von jedem geschichtlichen Kontext und führt den Zuschauer zusammen mit einer absolut grandios aufspielenden Mariana Di Girolama in einen privaten, hermetisch abgeriegelten Mikrokosmos.

Dass die Handlung von Ema größtenteils von jedem gesellschaftspolitischen Überbau ausgenommen ist, führt natürlich eigentlich erst einmal zu dem Vorteil, das Private nicht immer zwangsläufig im Politisch ausfindig machen zu wollen. Allerdings ist genau diese Devise die große Stäke im Schaffen von Pablo Larrain. Mit der Generation, die Ema hier versinnbildlicht, sprich, halb so alt wie Larrain, weiß der zweifelsohne hochtalentierte Regisseur offenkundig nicht wirklich etwas anzufangen. Daraus entsteht ein immer deutlicher klaffendes Ungleichgewicht zwischen Narration und Stilistik, bleiben die Konflikte, so diffizil sie auf den ersten Blick auch erscheinen möchte, hier vor allem austauschbar. Es ist allein dem unglaublichen Charisma Mariana Di Girolamas zu verdanken, dass das Drama in Ema nicht gänzlich in sich zusammenbricht. Ihre Leinwandpräsenz ist schlichtweg paralysierend.

Ema ist aber nicht nur wegen Mariana Di Girolama sehenswert, die man sich am liebsten als Hauptdarstellerin des nächsten Pedro Almodovars (Zerrissene Umarmung) wünscht. Die exzellente Kameraarbeit von Sergio Armstrong darf sich ebenfalls als denkwürdig bezeichnen lassen und macht die inkohärente Aneinanderreihung von Ereignissen, die Pablo Larrain niemals zu einem dramatischen Ganzen verbinden kann, bisweilen vergessen. In seinen eindrucksvollsten Momenten ist Ema ein energetischer Bildersturm, der die Tanzeinlagen nutzt, um den Menschen allein an seinen Bewegungen zu erforschen. Das Tänzerische entwickelt sich hier jedoch immer weiter und wird mit einer entfesselten Sexualität in einen gar rauschartigen Einklang gebracht, der gegen Ende zu einer mehrminütigen Montage führt, die schlicht und ergreifend von unglaublicher Wirkungsmacht gezeichnet ist. Man wünscht sich, dass sich Pablo Larrain hier mehr darauf konzentriert hätte, einen freidrehenden Stimmungsfilm zu machen.

Fazit

Mit "Ema" liefert Pablo Larrain nach dem grandiosen "Jackie" leider keinen weiteren Geniestreich ab. Als Drama funktioniert der Film letztlich nicht, weil Larrain merklich keinen Zugang zu der Generation findet, die er hier behandelt. Dadurch verkommt "Ema" gerne zur reinen Abfolge von Ereignissen. Sehenswert wird das Ganze aber nicht nur durch die exzellente Mariana Di Girolama, die eine gar paralyisierende Leinwandpräsenz entfesselt. Auch die famose Kameraarbeit schafft es, den Film in einen rauschartigen Zustand zu versetzen, die die inhaltlichen Mängel ein Stück weit in Vergessenheit geraten lässt.

Autor: Pascal Reis

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