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Inhalt

Eine Revolution treibt König Shadhov von Estrovia aus seinem Land. Er flieht nach Amerika. Sein Premierminister war fürsorglich genug, den Staatsschatz mitgehen zu lassen. Allerdings setzt er sich über Nacht mit dem ganzen Geld nach Südamerika ab und lässt den König mittellos in New York zurück. Shadhov erlebt den lauten Trubel der schönen neuen Welt, die sich gerade den Verrücktheiten der Rock'n Roll-Dekade und der Hexenjagd auf unamerikanische Elemente hingibt.

Kritik

Ein König in New York lässt sich ohne Weiteres in eine inoffizielle Trilogie mit den Filmen Moderne Zeiten und Der Große Diktator einordnen: Während ersterer den zeitgenössischen Taylorismus und die Entfremdungsmechanismen des Kapitalismus kritisiert, widmet sich zweiterer der NS-Schreckensherrschaft und formuliert ein brennendes Plädoyer für die Demokratie. In Ein König in New York klagt Charlie Chaplin (Goldrausch) - diesmal nicht in der bekannten Rolle des Tramps - die Kommunistenjagd der McCarthy-Ära, sowie einen  schnelllebigen Lebensstil, der den Blick für das Schöne gänzlich verloren hat, an.  Alle drei widmen sich konkreten gesellschaftlichen Zuständen und weniger einem allgemeinen Weltschmerz, der deutlich öfter aus Chaplins Werken spricht. 

Chaplin spielt den König Shadov, der nach einer Revolution zurück in die USA, genauer nach New York, flieht. Dort blenden ihn vorerst alle Annehmlichkeiten bis sein Premierminister mit seinem Vermögen flieht, wodurch er sich mit der Alltagsrealität des normalen, "kleinen" Mannes konfrontiert sieht. Nachdem seine Versuche, sich in seinem Sinne gesellschaftlich einzubringen, scheitern, landet er letztlich widerwillig in der Werbebranche. Er avanciert zum Medienstar und trifft bei einem Schulbesuch auf Rupert, der von Chaplins Sohn Michael Chaplin (Promise Her Anything) gespielt wird. Es entsteht eine Freundschaft vor einem tragischen Hintergrund: Ruperts Eltern werden als "Kommunisten" beschuldigt und inhaftiert. Shadrov selbst steht auch bald unter Beschuss, nachdem sein Verhältnis zu Rupert klar wird. Ein König in New York entwickelt sich damit zunehmend zur kritischen Mediensatire und prangert die ideologische Aufgeladenheit des Kommunistenhasses (und des Begriffs überhaupt), dessen Atem bis heute reicht, an. 

Wie auch in Moderne Zeiten und Der Große Diktator bietet Chaplin also einem antidemokratischen Zeitgeist die Stirn, der politische Gegner und jene, die nicht ins Maschenlaufwerk passen, diffamiert und kriminalisiert. Dabei fühlt sich das Werk fragmentarisch an, was der Entwicklung der Erzählung bisweilen im Weg steht. Auch inhaltlich wirkt der Film immer wieder konfus, wenn sich seine Gesellschaftskritik stellenweise zu einem Rundumschlug verirrt, der einen festen Fokus vermisst und sich in Chaplins Weltschmerz-Kanon einfügt. Doch können diese kleinen Abstriche nicht den Eindruck trüben, dass dem Großmeister erneut ein humanistisches Bollwerk geglückt ist, das trotz deutlich melancholischerem Ton erneut den Spagat zwischen Tragik und Komik meistert. Trotz markanter Ähnlichkeiten zwischen dem Monarchen und dem Tramp vollzieht die Abkehr von der Kultfigur auch einen humoristischen Wandel: Es sind weniger offensichtliche Slapstick-Elemente, die ihre Komik aus der Nichtbeherrschung des eigenen Körpers ziehen, als humoristische Spitzen, die ihren Reiz aus der Absurdität der Gesellschaft und Medienlandschaft gewinnen, die den Film dominieren.

Fazit

"Ein König in New York" ist ein überzeugendes Spätwerk mit nur geringen Abnutzungseffekten: Zwar ist Chaplins Formel wohl bekannt und einige erzählerische Schwierigkeiten machen sich ebenfalls bemerkbar, doch gelingt es ihm auch hier, einen humanistischen Blick auf die Kommunistenjagd der McCarthy-Ära zu werfen - irgendwo eingesponnen zwischen Mediensatire und melancholischer Kritik an der modernen Gesellschaft.

Autor: Maximilian Knade

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