Inhalt
Die heimliche Beziehung zwischen Lea und Rocco nimmt eine düstere Wendung, als Lea wie besessen versucht, sich in sein tägliches Leben zu drängen.
Kritik
Spätestens seit Eine verhängnisvolle Affäre weiß man, dass Filme, in denen es um Untreue geht, nicht nur für Gänsehaut sorgen können, sondern den einen oder anderen im echten Leben davon abhalten könnten, Ehebruch zu begehen. Alle diese Filme haben eines gemeinsam: Sie zeigen zunächst den Alltag des zukünftigen Übeltäters, inszenieren kurz darauf das Treffen mit dem Liebhaber und die darauffolgende Verliebtheitsphase, setzen mit der Reuephase fort, die irgendwann mal unweigerlich zu einem Wendepunkt führt. Auf einmal ist die Affäre gar nicht mehr so schön, weil sie sich plötzlich zu sehr in das eigene Leben einmischt. Während man bei solchen Filmen wie Eine verhängnisvolle Affäre und Untreu die Leidenschaft und die Gefühle, die überkochen, komplett nachempfinden kann, entpuppt sich Eine stürmische Affäre leider als gar nicht mal so stürmisch. Die Protagonisten treffen sich und haben miteinander eine Affäre, die mehr oder weniger nur angedeutet wird. Sie liegen im Bett und reden über ihre Partner. Dabei sind die Vibes, die sie aussenden, eher wie von zwei guten Freunden, die sich aus irgendeinem Grund gemeinsam im Bett entspannen.
Der Film überlässt leider zu viel der Fantasie. Selbstverständlich muss man keine expliziten Szenen zeigen, um eine Affäre darzustellen, aber ein wenig mehr Leidenschaft hätte hier definitiv nicht geschadet. Insgesamt bleibt die Reaktion der meisten Figuren in vielen Szenen ziemlich verhalten, was offensichtlich gewollt ist. Die Frage ist nur, warum man sich eigentlich für diesen Weg entscheidet. Abgesehen von der Hauptfigur Lea (Pilar Fogliati, Ich hasse Weihnachten) scheinen alle anderen Protagonisten erstaunlich ruhig zu sein, vollkommen egal, ob sie betrogen werden oder nicht. Die Irrungen und Wirrungen der einzelnen Beziehungen werden hier ziemlich pragmatisch dargestellt, was die emotionale Reife der meisten Figuren unterstreicht, den Film aber dadurch viel weniger spannend macht. Trotzdem bleibt Eine stürmische Affäre konsequent und behält das Konzept des Redens bei. Es wird über alles ausgiebig gesprochen, aber man wird im Endeffekt sogar überrascht. Das entschädigt zumindest für die langen Phasen, in denen die Figuren an ihren Beziehungen arbeiten.
Insgesamt ist Eine stürmische Affäre viel zu entspannt, zumindest in Anbetracht der Untreue-Thematik. Der Film gewinnt erst später etwas an Intensität und entfaltet sich in gewisser Weise. Die Figuren sind weitestgehend sympathisch, doch auch selbstgerecht zugleich, und die Handlung zielt eher auf den entspannten Umgang mit der Untreue. Wer diese lockere, weniger aufregende Herangehensweise mag, wird hier definitiv fündig. Die Fans von dramatischen Auftritten und wilder Leidenschaft bleiben jedoch auf der Strecke. Für sie wird der Film einfach nicht fesselnd genug sein. Es muss natürlich nicht jeder Film mitreißend sein und es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass man für sich eine wertvolle Lektion aus diesem Film mitnimmt oder eben nicht.
Fazit
„Eine Stürmische Affäre“ liefert eher einen pragmatischen Blick auf die Irrungen und Wirrungen der Beziehungen. Weitestgehend unaufgeregt erzählt der Film die Geschichte der Untreue mit allen ihren Konsequenzen, die gar nicht so dramatisch ausfallen, wie man es sich bei einer Affäre vorstellen könnte.
Autor: Yuliya Mieland