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Jill ist etwas übergewichtig und teilt sich die Wohnung mit Jennifer, ihrer attraktiven und sehr freizügigen Mitbewohnerin. Das Model schläft mit Typen, auf die eigentlich die schüchterne Jill steht, zieht Drogen und mobbt ihre Mitbewohnerin wegen ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen. In dieser WG herrschen Oberflächlichkeit, Selbstzweifel und Neid. Ernste gesellschaftliche Probleme, die EXCESS FLESH mit nur wenigen Figuren und verstörenden Bildern auf die Spitze treibt. Und diese Bilder zeigen wie sich die jungen Frauen Essen reinstopfen. Chips, Torte, Braten – klingt lecker, verdirbt den Appetit allerdings für Stunden. EXCESS FLESH ist das Gegenteil von Food-Porn. Das hier ist Food-Splatter! In der WG übernehmen irgendwann die Psychosen, die in Verstümmelung, Zwangsernährung und bizarrer Erotik münden. Dass Essens- und Sexszenen nur noch ein galliges Magengefühl erregen, schafft auch nicht jeder Film.

Kritik

Just remember: Everyone can hear you. And no one cares.

Ein zerrütteter Geist, zerstört durch häusliche Gewalt, unfähige Elternschaft sowie den gesellschaftlich introjizierten Drang nach oberflächlicher Perfektion. Kurz gesagt ist dies wohl die Thematik, welcher sich der Psychohorror „Excess Flesh“ über seine 103 Minuten annimmt und welche er auf möglichst laute und plakative Art anklagen will. So setzt der Film die leicht übergewichtige Jill in eine Wohngemeinschaft mit dem körperlich perfekten, aber moralisch oberflächlichen Model Jennifer, bis Jill schließlich, nach mehreren Enttäuschungen, die Kontrolle über sich verliert und Jennifer zum Ziel ihrer Wut erwählt. „Excess Flesh“ wurde im Vorfeld so als einer der widerlichsten und schwersten Filme der letzten Zeit angekündigt, sodass auf dem Fantasy Filmfest in Frankfurt gar Warnungen vor der Sichtung ausgesprochen wurden. Das Endprodukt ist ein Film, der einem Wutausbruch, einem Blick in den Wahnsinn gleicht und welcher mit diesem Mittel auf soziale Missstände nicht nur aufmerksamen machen möchte, sondern sie dem Zuschauer sowohl inhaltlich als auch visuell um die Ohren schlagen will. Mit teils beachtlichem Erfolg. Endgültig funktionieren will „Excess Flesh“ in seinem Bestreben dann aber leider doch nicht.

Es ist kein Geheimnis, dass sich „Excess Flesh“ in seiner Thematik bei Filmen wie „American Psycho“ bedient, gar am Ende die gleiche Message übertragen will, diese aber mehr aus weiblicher, als männlicher Sicht darstellt. Die Herangehensweise ist dennoch gänzlich unterschiedlich: „Excess Flesh“ minimalisiert seinen Rahmen (zum Großteil) auf die Wände der Frauen-WG und visualisiert sein Anliegen durch den exzessiven Umgang mit Essen jeglicher Art. Der Film klagt also den Konsum durch übermäßigen Konsum an, was überraschend gut funktioniert, schafft es der Film doch den eigentlich so profunden und positiven Aspekt des Essens komplett ins Gegenteil umzukehren, ihn zu zerstören und zu etwas Widerlichem zu formen. Technisch ist das alles erstaunlich stark inszeniert. Vor allem die Soundkulisse des Films soll hier hervorgehoben werden, ist sie in all ihrer Boshaftigkeit und Eindringlichkeit schlichtweg genial: Hier wird eine Mischung aus Elektro und Chören sowie ein Sammelsurium aus verzerrten Geräuschen, Kratzern und anderen alltäglichen Dingen auf das Publikum abgefeuert, welche den emotionalen Transfer des Wahnsinns auf den Zuschauer in mitreißender und überzeugender Manier vollführt. Da muss man den Verantwortlichen wirklich ein großes Lob aussprechen. Ebenso wie den Darstellerinnen Bethany Orr ("Girlfriend") und Mary Loveless ("Wrong Cops"), die hier vollends in ihren Rollen aufgehen und wirklich intensive Leistungen abliefern.

Die Inszenierung des Film kann dann nicht gänzlich mit der Genialität der Soundkulisse mithalten, ist aber ebenfalls sehr interessant und ansprechend geraten. Regisseur Patrick Kennelly lässt sich hier immer wieder etwas Besonderes einfallen, in „Excess Flesh“ stecken in visueller und inszenatorischer Hinsicht eine Handvoll frische Ideen, von denen im Endprodukt dann aber doch nicht alle gelungen aufgehen wollen. So ist der Einsatz von Egoperspektiven sowie schiefen Kamerawinkeln durchaus mitreißend, gerade der überbordende Einsatz der Zeitlupe langweilt im Laufe der Filmdauer aber immens, wodurch die eigentliche Intention der Slow-Motion untergraben wird. Diese Intention des Films, die Anklage der Objektivierung von Frauen durch den medial eingeflößten Drang nach Perfektion sowie die Oberflächlichkeit mit der die Außenwelt den Problemen des Einzelnen begegnet, macht „Excess Flesh“ dann auch an allen Ecken und Enden überdeutlich. Dieser Film ist in keinster Weise subtil, das will er gar nicht sein, er will dem Zuschauer mit seiner drastischen Art eher unbeugsam den Wahnsinn der heutigen Welt vorführen, ihn zelebrieren und letztlich ad absurdum führen. Dies versucht der Film durch eine wirre, aber im Endeffekt absolut sinnige Erzählung sowie  dem angesprochenen übermäßigen Konsum und der essensfixierten Folter von Jennifer.

Es wäre also gar nicht so daneben, „Excess Flesh“ einen Food-Torture-Porn zu nennen, der Intention des Films würde dies aber nicht ganz gerecht werden. „Excess Flesh“ labt sich nämlich nicht ohne Hintergedanken, nicht ohne erhobenen Zeigefinger an diesen Szenen, sondern will damit eine durch und durch beachtenswerte Botschaft übertragen. Funktionieren will das trotzdem nicht immer. Denn obwohl sich der Film ganz absichtlich der Plakativität, der Wut und dem Rotz verschreibt, hätte man sich hier und da schon ein paar subtilere Momente gewünscht. Somit zieht sich der Film nämlich ein ums andere Mal selbst ins Lächerliche. Das liegt auch daran, dass "Excess Flesh" sich über seine Laufzeit als Mysterium zu inszenieren versucht, um dem Zuschauer am Ende den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Das wache Auge kann sich den Ausgang des Films allerdings spätestens nach der Hälfte zusammenreimen, was die letztendliche Wirkung mindert. Für das vollkommene Gelingen von „Excess Flesh“ muss man in diesem Film geradezu versinken, mit den Darstellern leiden, sich winden und letztlich winselnd am Boden liegen bleiben. Aufgrund der genannten Probleme, funktioniert dies aber nur teilweise.

Die größte Überraschung, die „Excess Flesh“ also bereithält, ist eine fehlende Härte. Denn trotz aller Warnungen, hätte dieser Film einfach noch ein Stück böser, ein Stück intensiver, ein Stück gnadenloser sein müssen, um seiner Intention wirklich gerecht zu werden. Am Ende bleiben ein paar großartige, faszinierende Momente, die vor allem audiovisuell begeistern können. Doch denen steht auch eine Reihe an übermäßig plakativen und durchschaubaren Momenten gegenüber, die die Botschaft des Films auf einfallslose Art untergraben. Ein sehr interessantes Projekt ist Patrick Kennelly und Drehbuchautorin Sigrid Gilmer hier dennoch gelungen, weswegen Genrefans durchaus einen Blick riskieren sollten.

Fazit

Ein böser, anklagender und lauter Blick in den Wahnsinn, in einen zerrissenen und von der Außenwelt zerstörten Geist, der durch Folter, übermäßigen Konsum und soziale Abschottung gegen die Missstände der Welt angehen möchte. Auch „Excess Flesh“ hat diese Intention, will in lauter, plakativer und gnadenloser Manier auf den Zuschauer einprügeln, ihn in Grund und Boden stampfen und wimmernd in der Ecke liegen lassen. Das funktioniert teils großartig, vor allem wenn die interessante Inszenierung sowie die großartige Soundkulisse des Films eine faszinierende Symbiose eingehen. Doch am Ende hätte „Excess Flesh“ einfach noch ein bisschen intensiver und böser sein müssen, so entfaltet sich die Intention des Films doch überdeutlich, wirklich mitgerissen wird der Zuschauer davon aber nur selten.

Autor: Thomas Söcker

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