Inhalt
Eigentlich ist es nur eine Formsache: Die Mitgliederversammlung eines Tennisclubs irgendwo in der deutschen Provinz soll als letzten Programmpunkt über die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeiern abstimmen. Normalerweise kein Problem – gäbe es nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Mitglied des Clubs zu finanzieren. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. Eine gut gemeinte Idee, die Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, Gutmenschen und Hardliner frontal aufeinanderstoßen lässt – respektlos und unglaublich komisch. Allen wird schnell klar: Es geht um viel mehr als einen Grill…
Kritik
Für Diskriminierung gibt es augenscheinlich ein Zielpublikum. Nicht nur auf der politischen Bühne, sondern auch der im Theater. Das unterstrichen die Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob mit ihrem von StudioCanal als „eines der respektlosesten“ Theaterstücke gerühmten Werk über ach so amüsanten Ausgrenzung und die vermeintlich albernen Argumente dagegen. Nun liefert Marcus H. Rosenmüller (Pumuckl und das große Missverständnis) die wohl unvermeidliche Kino-Adaption. Die verarbeitet den Bühnenerfolg nach dem Vorbild von Dialog-Komödien wie Alter weißer Mann und der Vorname-Trilogie mit namhaftem Cast.
Letzter ist die einzige Stärke des konservativen Klamauks, der seine politische Position zum zentralen Thema bereits im Titel ankündigt. Gleichberechtigung und das Abbauen von Benachteiligungen erscheinen als umständliche Sonderbehandlung, eine Belastung der als solche betitelten „normalen“ Mehrheit. Jene ist in dem plakativen Szenario, das einen kleinstädtischen Tennisverein als metaphorischen Mikrokosmos darstellt, weiß, cis, materielle privilegiertes Bildungsbürgertum und Elite. Dass Arbeiterklasse oder gar Unterschicht in dieser Filmwelt nicht existieren, ist nicht etwa sozialkritisches Element, sondern Zeugnis der privilegierten Perspektive.
Deren tendenziöse Ausrichtung zeigt sich nicht nur auf Klassenebene. Diskriminierung banalisiert die rudimentäre Handlung, die sich in einem endlosen Streitgespräch erschöpft, von einem alltäglichen, vielfältigen Problem zur fast schon hypothetischen Ausnahme. Wenn dieser Ausnahmefall einmal eintritt, wollen angeblich selbst die Betroffenen eine Änderung des sie umschließenden Status Quo. Selbiger ist in dem Tennis-Verein Hape Kerkelings (Mein Name ist Otto) Langzeit-Vorsitzenden Heribert Vereins-Grillfeste mit einem Grill für Schweinefleisch-Würste. Die kann der muslimische Erol (Fahri Yardım, Delicious) nicht essen. Wird ihm die titelgebende Extrawurst gebraten und wie?
Diese Frage wird Gegenstand einer ermüdenden Kreisdiskussion. Darin erscheint Diskriminierung als vereinzelte, unbeabsichtigte Banalität, die niemanden stört. Außer die im rechts-konservative Sprachgebrauch - oder laut der Synopsis - „Gutmenschen“. Wie Erols Tennispartnerin Melanie (Anja Knauer, Das Signal), der ihr Gatte Torsten ( Christoph Maria Herbst, Ganzer Halber Bruder) nur scheinheilig nacheifert. Rechtsradikale Sprüche seitens des Vereins-Vize Matthias (Friedrich Mücke) gelten als bloße Lappalie, entnervt enthüllt Erol schließlich eigene Ressentiments und heilsamer Herzinfarkt erinnert alle daran, dass es Wichtigeres gibt als Gleichberechtigung, zwischenmenschlichen Respekt und Toleranz.
Fazit
Routiniert solide schauspielerische Leistungen helfen wenig bei Marcus H. Rosenmüllers krampfigem Klamauk. Ressentiments werden nicht aufgezeigt, sondern verharmlost. Intoleranz und Diskriminierung dienen als Amüsement eines davon nicht betroffenen Zielpublikums. Laut der dramaturgischen Dialektik sind Rücksichtnahme, Solidarität und gegenseitige Achtung der Grund für gesellschaftliche Spaltung. Platte Gags wiederholen ermüdend die gleichen bigotten Pointen über Feindseligkeiten und Fremdscham. Die bühnenhafte Eingrenzung des Schauplatzes wird zum inszenatorischen Pendant der ideologischen Ignoranz. Etwas darstellerische Dynamik ist ein kläglicher Ersatz für satirische Schärfe.
Autor: Lida Bach