{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Bei den turbulenten Dreharbeiten zu einer Medea-Verfilmung im Senegal flüchtet sich Maja in eine Affäre mit ihrem Co-Star Nourou. Monate später treffen sie sich bei der Premiere des Films in Berlin. Alte Gefühle flammen auf, aber ein rassistischer Vorfall belastet ihr Wiedersehen.

  • 5m9ibkb2rtyivyg3toesme7p5py
  • Ephjeqcnj9p9h80l5idu7alpud2
  • B4m84bgap2q8ezqmvfjdvweacqn
  • Icc4nzk4bz2iclbl0jxjewh6v22
  • Umt1jxyihzuricx2ypijbtfuelc
  • Mv7b58eyxucvqxampjtkmekj41a
  • 2qtapc364g8fljccejnc9uw7itd
Quelle: themoviedb.org

Kritik

Das Wort Gavagai stammt aus einem sprachphilosophischen Gedankenexperiment des amerikanischen Philosophen Willard Van Orman Quine. Ein Forscher sieht einen Hasen hoppeln, eine einheimische Person ruft Gavagai. Es wäre für den Forscher naheliegend davon auszugehen, dass das Wort Hase bedeutet. Allerdings kann es genau so gut auch schnell, unser Abendessen oder auf zur Jagd heißen. Der Philosoph will damit verdeutlichen, dass jede Übersetzung auf unsicheren Füßen steht und ein gewisser Interpretationsspielraum besteht. Ulrich Köhler überträgt dieses Konzept auf seinen Film. Auch in Gavagai geht es um kulturelle Barrieren, um die Unmöglichkeit einer eindeutigen Kommunikation. Das Beginnt mit der Sprache, überträgt sich auf Gesten und endet nicht zuletzt in Bildern und Zeichen. Dass der Regisseur am Ende selbst keine Klarheit findet, scheint beinahe alternativlos.

Der Film beginnt im Senegal. Es herrscht gereizte Stimmung am Set einer modernen Medea-Verfilmung. Die fiktive Regisseurin Caroline Lescot (Nathalie Richard) brüllt und schimpft, Medea-Darstellerin Maja (Maren Eggert) schreit zurück. Später glätten sich die Wogen und Maja flüchtet sich in eine Affäre mit ihrem Schauspielkollegen Nourou (Jean-Christophe Folly). Einige Monate darauf feiert der Film seine Premiere auf der Berlinale, bei Nourous Ankunft im Hotel kommt es zu einem rassistischen Übergriff durch das Wachpersonal. Maja interveniert, Nourou ist das unangenehm. Ob Köhler letztlich ein Charakterdrama mit emotional greifbaren Figuren oder doch eine zeitgeistige Gesellschaftssatire zeigen will, bleibt unklar. Irgendwo dazwischen erzählt Gavagai von moderner Einsamkeit und der Herausforderung einander wirklich zu verstehen. Dadurch, dass alle Figuren auch als Symbol fungieren und sinnbildlich für eine Rolle in der Gesellschaft stehen, scheitert Köhler jedoch an dem Spagat, beide Ebenen in Einklang miteinander zu bringen.

Gavagai spielt mit Erwartungen. Manchmal intelligent, manchmal tappt er selbst in die Klischeefalle. In einer zentralen Szene zur Hälfte des Films werden seine Themen nochmal explizit verbalisiert. In einer Pressekonferenz zur anstehenden Premiere der Medea-Adaption werden Regisseurin und Team von anwesenden Journalist*innen ins identitätspolitische Kreuzverhör genommen. Von White Savior ist dann die Rede, von Caroline als alter weißer Frau und von der Grenzüberschreitung, die dadurch entsteht, die Vorzeichen bei Medea einfach umzudrehen. Also all das, was ohnehin klar war und auf andere Ebene bereits verhandelt wurde. Nourou, obgleich in Europa geboren, wird aufgrund seiner familiären Herkunft als Diversitätstoken vorgeschoben. Ulrich Köhler will viel. Einiges davon gelingt, anderes wiederum weniger. Es mangelt Gavagai nicht an Ambition, sondern vielmehr an Entschlossenheit. Der Versuch die Wirklich zu spiegeln, verkommt in seiner Konstruiertheit. Es ist löblich, wie sich der Film einem eindeutigen Zugriff verwehrt, sich windet und Fragen evoziert. Auch wenn diese nicht so leicht beantwortet werden können, hätte er es zumindest versuchen können.

Fazit

Es ist ein großer Vorzug von Köhlers Film, dass er keine einfachen, moralinsauren Antworten für seine überaus komplexe Thematik findet. Viele Fährten verlaufen im Sand, Handlungsstränge werden aufgemacht und wieder fallengelassen. Nicht alle sind gleichermaßen produktiv und vielleicht wäre es besser gewesen, die sehr vollgepackten 89 Minuten des Films stärker in eine Richtung zu entwickeln. So bleibt die Uneindeutigkeit gleichzeitig die größte Stärke und Schwäche eines interessanten, aber stellenweise unausgereiften Werks.

Kritik: Dominic Hochholzer

Wird geladen...

×