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Jim Jarmusch zeigt in minimalistisch-langsamen Bildern die Welt des Auftragkillers Ghost Dog (Forest Whitaker). Es handelt sich um ein (modern ausgelegtes) Remake des Films 'Le Samourai' (1967) von Jean-Pierre Melville.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Er ist der personifizierte Anachronismus: Ghost Dog (Forest Whitaker, „Der letzte König von Schottland“), der Samurai der Moderne, Angehöriger eines ehrenhaften Kriegerstandes, den man in erster Linie im alten Japan anzutreffen glaubt, nicht aber im Hier und Jetzt. Ghost Dog aber ist eine dieser personellen Zwischenstellen, die in der Neuzeit die von Faszination und gleichermaßen Unverständnis geprägten Blicke auf sich ziehen würden; die nicht dem normierten Usus entsprechen, sich der gesellschaftlichen Entfremdung und Abstumpfung anzuschließen, sondern einen klaren Sinn in ihrem durchweg determinierten Leben befolgen: Den Weg des Kriegers, auch Bushido genannt, zu bestreiten. Jim Jarmusch hat sich mit „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ damit einem bis zuletzt philosophischen Sujet verschreiben, welches sich durch einen eindeutigen ideologischen Leitfaden artikuliert, über den Bushido hinaus aber auch viel über den Menschen und seine Entwicklung im Laufe der Zeit verrät. Im Kern des Filmes wartet eine überzeitliche Wahrheit, wenn man so möchte.

Und diese Wahrheit entfaltet sich in „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ in einem so trivialen, schwammigen Ausdruck wie „Manchmal“. Nachdem Ghost Dog in einem Anwesen der lokalen Mafia „aufgeräumt“ hat, stößt er auf seinem Heimweg auf zwei Jäger, die einen Bären erlegt haben und ihr Tun damit rechtfertigen, dass es sich bei diesen Bären schließlich um eine aussterbende Rasse handelt und man sich glücklich zeigen sollte, wenn man einem dieser Tiere über den Weg läuft. Ghost Dog klärt die beiden Männer, nachdem sie einige Kugeln geschluckt haben, darüber auf, dass Bären in früheren Kulturen dem Menschen ebenbürtig waren und es Momente gibt, in denen wir uns auch in der Gegenwart in diesen längst vergangenen Epochen wiederfinden. Was uns „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ damit sagen möchte, ist, dass es im Leben nicht darum geht, sich ständig der Zukunft zu verschreiben, sondern darum, dass es für jede Ethnie von Belang sein muss, sich ihren Wurzeln bewusst zu werden.

Ghost Dog ist dafür das leibhaftige Mahnmal: Er scheint in seinem Gebaren wie aus der Zeit gefallen, aber vor allem aus dem Grund, weil ihm bewusst geworden ist, dass der Geist abgelebten Generationen nicht für immer besteht, man ihn aber ehren kann, aus ihm lernen, seine Fähigkeiten, ob geistig oder physisch, stärken, formen. Dass „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ oftmals wie ein etwas zerfahrenes Mosaik wirkt, liegt an Jim Jarmuschs ambitiösem Übermut, den symphonischen, mit vielerlei Impulsen konnotierten Gedankenstrom in die inhärenten Poesie des Kriegers zu kanalisieren. Da geht es um die multinationale Einkehr, sieht sich eine echte Freundschaft doch dem gesprochenen Wort überdrüssig, genau wie den intergenerationellen Einklang, wenn Ghost Dog in der jungen, bibliophilen Pearline (Camille Winbush, „Eraser“) nicht nur einen unbescholtenen Gesprächspartner findet, sondern auch einen Menschen, dem er seinen Lebensweg in gewisser Weise vererben kann. Und wie unschätzbar ist es da, Traditionen nicht nur zu wahren, sondern sie auch weiterzureichen?

Fazit

„Ghost Dog – Der Weg des Kriegers“ mag vielleicht nicht der beste Jim Jarmusch sein, da hat die Ikone des Independent-Film schon in ihrer Essenz weitaus rhythmisiertere Werke abgeliefert. Einen wirklich sehenswerter Diskurs über die Zwistigkeit und Überschneidung von Tradition und Moderne, über Freundschaft und den – für jeden Menschen anders zu definierenden – Sinn des Lebens hat Jarmusch in diesem philosophischen Gedankenstrom dennoch abgeliefert.

Autor: Pascal Reis

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