Inhalt
Eine renommierte iranische Regisseurin verlangt von männlichen Schauspielern, für ihren Film Röcke und Kopftücher zu tragen. Während diese mit der Hitze und den Einschränkungen zu kämpfen haben, nehmen die Spannungen zu, und es regt sich Widerstand gegen ihre Vision.
Kritik
Statt in den Schuhen sind es Ghasideh Golmakanis satirischem Spielfilm-Debüt die Kleider des anderen, oder genauer: der, in denen die Charaktere sich zurechtfinden sollen. Bekleidung und Bedeckung, so wie sie Tradition und Gesetzgebung am iranischen Schauplatz diktieren, erscheinen als emblematisches Instrument patriarchalischer Unterdrückung. Jene inszeniert und implementiert die iranisch-deutsche Regisseurin und Drehbuchautorin unter umgekehrten Bedingungen im Rahmen ihres filmischen und film-im-filmischen Projekts. Dessen Wirkung als edukatives Exempel vor und hinter der Kamera maßgeblicher scheint als die Entwicklung der Handlung und Figuren.
Zweite sind in erster Linie Prototypen, definiert durch ihre gesellschaftlichen Gender sowie die daran geknüpften Privilegien und Restriktionen. Deren äußerlich und aufgrund anhaltender ideologischer Debatten in Golmakanis Herkunfts- und Aufenthaltsland sozial und politisch präsentesten stehen im Fokus der skurrilen Versuchsanordnung. Jene kreist um ein skurril spiegelgleiches Szenario, dessen fiktive Ereignisse durch ihre filmische Inszenierung ein kurioses Element von Cinéma vérité erhält. Als preisgekörnte iranische Filmemacherin Bahar verkörpert Mehrnoosh Satari ein fiktives Alter Ego der Regisseurin, ihrerseits noch nicht renommiert und preisgekrönt.
Einen Grund dafür verrät das stagnative Szenario, das nie über seine plakative Prämisse hinauskommt. Bahar will berühmte Schauspielerinnen-Szenen des iranischen Kinos nachstellen, allerdings mit einem rein männlichen Cast. Der schlüpft in der Hoffnung auf schauspielerisches Renommee und Blick auf die Gage in Frauenkleidern und Hijab. Dass die Kleidung stets offensichtliche Verkleidung bleibt, untergräbt das vorgebliche Hinterfragen patriarchalischer Normen. Das komödiantische Konzept, das ebenso verstaubt ist wie das Narrativ einer durch Rollentausch geweckten Empathie, zementiert die vordergründig kritisierten Gender-Bilder und Bekleidungskonzepte.
Fazit
Freaks Friday mit Gender-Rollen oder Switch mit politischer Politur: Ghasideh Golmakanis selbstreferenzielle Sozialkritik bemüht das abgegriffene Konstrukt eines Tauschs vermeintlich unumstößlicher Rollen für eine gleichsam konformistische und konservative Komik. Die wie von einer 80er-Jahre-RomCom abgeguckte Idee streckt mittels Wiederholung austauschbarer Situationen und Dialoge einen Stoff, der gerade genug Substanz für einen Kurzfilm besitzt, auf über eine Stunde. Deren vorhersehbares Fazit, dass Männer die Frauen auferlegten Verhaltensvorschriften als Zumutung empfinden, ist weder neu noch tiefgründig, und inszenatorisch so konventionell wie formal.