Mutter und Sohn machten sich auf den Weg gen Westen und machten unterwegs Halt in Diners, Motels und an heißen Quellen.
Kritik
“God does not count against you time spent in hot water.”, verrät Dale Dickey (Widow's Bay) als eine der kuriosen Charaktertypen, denen das Mutter-Sohn-Gespann im Zentrum Ramzi Bashours autobiographisch gefärbten Spielfilm-Debüts auf ihrer Fahrt durch das Herzland der USA begegnen. Was nach einem Sinnspruch über erhoffte Nachsicht des Schicksals in einer schwierigen Lage klingt, ist tatsächlich wörtlich gemeint. Das erklärt der in Riad geborene und in Beirut aufgewachsene Regisseur und Drehbuchautor beim Screening seines auf Sundance uraufgeführten Road Movies in Karlovy Vary.
Das physische Abtauchen in einen beheizten Whirlpool oder eine heiße Quelle gewinnt laut des obskuren Sinnspruchs, der den Titel und die dazu passende Szene inspirierte, ein paar Minuten ab. Diese naive Direktheit und der in dem Satz gebündelte verträumte Positivismus sind symptomatisch für Optimismus und Oberflächlichkeit der filmischen Familientour. Deren dramatische Struktur ist so altbewährt wie die darin angerissenen Fragen nach privater und kultureller Zugehörigkeit sowie das oftmals paradoxe Verhältnis von Nähe und Distanz auf räumlicher, emotionaler und traditioneller Ebene.
Um ihren lethargischen Sohn Daniel (Daniel Zolghadri, If I Had Legs I’d Kick You) vor dem Schulabbruch zu bewahren, fährt die libanesischstämmige Arabisch-Dozentin Layla (Lubna Azabal, Die Akte Maldoror) mit ihm von Indiana nach Colorado. Dort soll der aufgrund einer Verletzung fluguntaugliche Sohn bei seinem entfremdeten Vater die Highschool beenden. Das kammerspielartige Setting des Autos und beengter Motel-Zimmer bringt das einander unter der gegensätzlichen Hülle erwartungsgemäß ähnliche Duo einander mit jedem Kilometer näher. Dass eine zu überwindende Kluft oder ein zu heilender Riss nie existiert, senkt weiter die dramatische Fallhöhe der ebenso feinfühligen wie flüchtigen Reise.
Fazit
Interessanter als die aus vertrauten narrativen Versatzstücken des US-Indie-Kinos zusammengesetzte Handlung sind die Figuren Ramzi Bashours humorvollen Road Trips ist deren kultureller Kontext. Als Sprachprofessorin vermittelt Layla einen Teil ihrer Kultur, der ihrem erwachsenen Sohn fremd ist. Umgekehrt ist sie nicht vollends heimisch in der US-Kultur, die Daniel prägt. Die persönliche Verbindung zu den Motiven von großen und kleinen Migrationen verleiht dem unspektakulären Plot eine emotionale Authentizität, die das nuancierte Schauspiel Azabals und Zolghadris verstärkt. Generationsübergreifende Differenzen spiegeln die seelische Zerrissenheit der Diaspora mit warmherziger Resonanz.
Es liegen noch keinerlei Meinungen und Kritiken für diesen Film vor. Sei der Erste und schreib deine Meinung zu Hot Water auf.
Jetzt deine Kritik verfassen