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Quelle: themoviedb.org
Big screenshot 2026 07 06 141012
  • 109 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Marija teilt ihrem Mann Vytas mit, dass sie die Scheidung will – und das nur wenige Stunden vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Ihre Ehekrise spitzt sich dadurch schlagartig zu: Das Paar muss den Trennungsprozess in einer Zeit bewältigen, in der aufgrund des Krieges nichts mehr sicher ist und sich ihr Leben in Vilnius drastisch verändert.

Kritik

Sarkastischen Spott und zeitpolitische Zäsur verknüpft Andrius Blaževičius (Sventasis) zu einer desillusionierten Untersuchung moralischer Maskeraden und in doppeltem Sinn konservativer Kompromisse. Die Bereitschaft, letzte in ethischen und emotionalen Fragen einzugehen steht in verräterischem Kontrast zu Rigidität bürgerlicher Bequemlichkeiten und spießiger Strukturen. Der Versuch deren Auflösung verpufft zur leeren Geste in dem festgefahrenen Familiengefüge des Protagonisten-Paares. Umso verbissener selbige ihre ethische Erhabenheit einer anderweitig beschäftigten Welt zu beweisen versuchen, umso deutlicher offenbart sich der mittelständische Mangel ideeller Souveränität. 

Solche scheint einerseits Motor, andererseits letzte Zuflucht der in dumpfer Routine nebeneinander existierenden Charaktere. Die erfolgreiche Content Creator Marija (Žygimantė Elena Jakštaitė, Johatsu) erstickt im ehelichen Trott mit ihrem apathischen Gatten Vytas (Marius Repšys, Kompromat - Die Macht der Lüge). Der hat seine Karriere als Regisseur gegen ein faules Leben als von Marija finanzierter Hausmann und Vater beider Tochter Dovile (Amelija Adomaityte) eingetauscht. Als sie ihm ihre Scheidungsabsichten verkündet, kollabiert das Fundament seiner alltäglichen Apathie. Kaum sind die Betten getrennt, folgt der nächste Schock.

Russlands Invasion der Ukraine konfrontiert das Paar mit einer ungleich größeren Katastrophe als der privaten, die von den selbstgeschaffenen strukturellen Einschnitten torpediert wird. Vytas verkriecht sich zurück zu seinen Eltern, deren Abdriften auf die feindliche Seite er mit öffentlichen Protest-Inszenierungen zu kompensieren versucht. Unterdessen erleichtert Marija ihr Gewissen durch Aufnahme einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie, die bald ihre wohl sortierte Routine stört. Heimliches Selbstmitleid geht Hand in Hand mit einer möglichst öffentlichkeitswirksamen Selbstinszenierung, bei der altruistische Ansinnen lediglich scheinmoralischen Exhibitionismus kaschieren. 

Fazit

Der gegenwartshistorische Hintergrund Andrius Blaževičius‘ bissiger Beziehungssatire unterstreicht die komplexen Auswirkungen gesellschaftspolitischer Umbrüche und ideologischer Imperative auf intime Konstellationen. Das gesteigerte Bedürfnis nach häuslicher Sicherheit, wenn auch nur im piefigsten Rahmen, wird zum psychologischen Kitt, der wertkonservative Strukturen zusammenhält. Dumpfe Farben und kühles Licht akzentuieren die emotionale Abstumpfung, beengte Kameraeinstellungen die bourgeoise Zwanghaftigkeit. Familiäre Stabilität wird zur fadenscheinigen Fassade einer kalkulierten Inszenierung von Geborgenheit. Mit seiner romantischen Anti-Chemie enthüllt das Darstellenden-Duo gekonnt die zwanghafte Selbstversessenheit eines arrivierten Bildungsbürgertums.

Kritik: Lida Bach

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