Inhalt
Die Apnoetaucher Jacques und Enzo brechen alle Rekorde. Jacques kann am tiefsten tauchen, Enzo kann am längsten unter Wasser bleiben. Zwanzig Jahre später treffen sie als Konkurrenten in derselben subaquatischen Meisterschaft erneut aufeinander. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur am tiefsten zu tauchen, sondern auch über die längste Zeitspanne hinweg. Wer wird das Rennen machen?
Kritik
Die Wissenschaft hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder behauptet, dass es unmöglich sei, dies oder jenes zu erreichen, und es gab immer wieder Menschen, die bewiesen haben, dass es doch möglich ist. Zu solchen Menschen gehörten die Apnoetaucher Jacques Mayol und Enzo Maiorca, die in den sechziger Jahren alle Rekorde gebrochen haben. Jacques Mayol gelang es sogar 1976 als erstem Menschen, ohne Atemgerät in eine Tiefe von mehr als 100 Metern vorzudringen. Das muss man sich erst mal vorstellen: Man nutzt für das Tauchen nur einen einzigen Atemzug und hält während des Tauchens die ganze Zeit die Luft an, über einen Zeitraum von mehr als drei Minuten. Das ist eine unglaubliche Leistung und genau dieser Leistung widmet sich das Drama Im Rausch der Tiefe. Der Film ist zwar fiktional, dennoch lehnt er sich an die Biografien von Jacques Mayol und Enzo Maiorca an und Mayol war sogar als technischer Berater mit an Bord und sorgte für die Authentizität der Tauchszenen.
Der Regisseur Luc Besson (Léon – Der Profi), der früher als Tauchlehrer arbeitete, erfüllte sich mit diesem Film einen Traum und hat selbst einen kurzen Auftritt als Taucher in seinem Film. Diese Verbundenheit mit dem Tauchen erschafft eine weitere Ebene und ermöglicht es, noch tiefer in die Materie einzutauchen, was dazu führt, dass Im Rausch der Tiefe durch seine Wahrhaftigkeit überzeugen kann. Der Film besteht aus vielen wunderschönen Unterwasseraufnahmen, aus Wettkampfsituationen und aus wiederholten Szenen, in denen Jacques (Jean-Marc Barr, Maurice) mit Delphinen schwimmt. Dadurch vermittelt Im Rausch der Tiefe das Gefühl der Freiheit und der Liebe zum Meer und zu seinen Bewohnern. Die Figur von Jacques ist als Tagträumer angelegt. Er ist ein stiller Held, der keine Ahnung hat, wie man mit Frauen umgeht, dafür aber mit Delphinen kommunizieren kann und eine unglaubliche körperliche Präsenz hat. Er ist ein Held, wie er im Buche steht: stark, ausdauernd und freiheitsliebend.
Jean-Marc Barr schafft es mit Präzision und Anmut, die ihm auferlegte Rolle zu spielen. Gemeinsam mit Jean Reno (All Inclusive), dessen Figur erstaunlich komödiantisch angelegt ist, taucht er selbst bis zu einer Tiefe von 40 Metern und für einen Taucher-Neuling ist es an sich schon eine beachtliche Leistung. Außerdem führt es dazu, dass das Geschehen sich noch echter anfühlt, und dieses Geschehen dreht sich vornehmlich, um die Rivalität der beiden Männer untereinander, die es nicht lassen können, sich in einem noch so kleinen Wettstreit zu messen. Ihre Wettstreitsucht nimmt teilweise alberne Züge an und Luc Besson streut gerne hier und da ein paar witzige Momente ein, um den Film insgesamt aufzulockern. Auch eine romantische, etwas einseitige Beziehung darf nicht fehlen. Die Versicherungsvertreterin Johana Baker (Rosanna Aquette, Pulp Fiction) verliebt sich Hals über Kopf in Jacques, gesteht ihm ständig ihre Liebe und will aus irgendeinem Grund sofort Kinder, ein Haus und ein Auto mit ihm. Während er sie mit unbarmherziger Stille straft und ihr den Rücken zukehrt, um mit seinen heiß geliebten Delphinen zu schwimmen, ist sie immer noch Feuer und Flamme für ihn. Was für ein trauriges Zeitzeugnis!
An dieser Stelle muss man beachten, dass der Film aus dem Jahre 1988 ist, aber das Drehbuch dürfte heutzutage allen halbwegs emanzipierten Frauen einen Stich ins Herz versetzen, weil die Figur von Johana anscheinend nichts anderes im Kopf hat, als Kinder zu gebären. Das wirkt sogar für die damalige Zeit etwas zu übertrieben. Im Rausch der Tiefe suggeriert, dass es für die Ladies das Wichtigste in ihrem Leben ist, geschwängert zu werden und sich um das Kind zu kümmern. Dabei ist ihr selbstverständlich von Anfang an klar, dass sie von ihrem Mann keine Hilfe erwarten soll. Was für ein Albtraum! Wenn man diese antifeministische Entgleisung des Drehbuchs völlig außer Acht lässt und sich nur auf die Leistung der Männer konzentriert, dann ist das Drama durchaus ein gelungenes Werk, das sich irgendwo zwischen Unterwasserdoku und Sportfilm einpendelt.
Fazit
Ein wunderbares Unterwasserabenteuer, das die sportlichen Leistungen der echten Apnoetaucher Jacques Mayol und Enzo Maiorca angemessen würdigt und dabei eine ganz besondere Geschichte der Tauch-Besessenheit und Liebe zur Unterwasserwelt erzählt. Das Drama feiert seine männlichen Figuren und reduziert seine weibliche Hauptfigur auf ihre Gebärbereitschaft. Doch wenn man das außer Acht lässt, dann bleibt eine vor sich hin plätschernde Geschichte, die am Ende noch richtig an Fahrt aufnimmt und die Faszination für das Tauchen entfacht.
Autor: Yuliya Mieland