{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Inhalt

John ist Stricher, es ist Weihnachten und er wird 21. Als Geschenk an sich selber hat er vor, sich einen Tag lang in einem Luxushotel zu verwöhnen. Das Geld dafür hat er einem Drogendealer abgenommen. Nun schläft er im Park - und jemand klaut seine Sneaker, in denen das Geld steckt. Also muss er schnellsten wieder anschaffen gehen. Doch es ist es wie verhext: jedes Mal wenn er ein bisschen Kohle verdient hat, verliert er es auf die eine oder andere Art und Weise. "Ich bin kein Stricher, ich bin Entertainer", sagt Donner, der Neue auf dem Strich, den seine Eltern wegen seiner Homosexualität zuhause rausgeworfen haben. Er hat sich in John verliebt und überredet ihn, zusammen mit ihm nach Branson zu gehen, wo sie beide als Aufpasser in einem Themenpark arbeiten können. Doch es kommt alles ganz anders. John kümmert sich um einen letzten Freier, um das Geld fürs Busticket zu verdienen ... mit verhängnisvollen Konsequenzen.

Kritik

Statt „Die Stricher von L.A.“ könnte ein deutscher Untertitel auch „Ein ganz normaler Tag in L.A.“ heißen. Der 1996 erschiene Independent-Film „Johns“ bedient sich einer realen, gerne aber in der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendeten Thematik der sozialen Verlierer. John (David Arquette, „Scream“) und Donner (Lukas Haas, „The Ryan White Story”) sind Stricher, männliche Prostituierte in den Außenbezirken von Los Angelas, Kalifornien. Ihren kläglichen Lohn verdienen sie mit Kreativen aus Hollywood und Vorort-Yuppies, ein Ausweg scheint nicht in Sicht.

Einem ähnlichen Thema nahm sich Gus Van Sant fünf Jahre zuvor an und inszenierte mit „My Own Private Idaho“ einen Film, an dem im Genre des Jugenddramas in Verbindung mit Prostitution nur schwerlich vorbeizukommen ist. Entsprechend müssen sich alle nachkommenden Produktionen mit diesem messen lassen. Hier zieht „Johns“ von Writer/Director Scott Silver (Screenwriter von „8 Mile“) zwar den Kürzeren, bietet aber genug Potenzial um eigenständig zu funktionieren.

Es ist Weihnachten in L.A. Die Außenbezirke der Metropole sind in der Hand von (Klein-)Kriminellen und Strichern. Wer hier zu bestimmten Uhrzeiten vorbeikommt, weiß meist, was er will. Zwei kleine Rädchen in diesem Getriebe sind John und Donner, selbst sehen sie sich nicht als Stricher, sondern als „Entertainer“. Sie bieten für eine auszumachende Summe sexuelle Dienstleistungen, gehen dabei aber das Wagnis ein, mit fremden Menschen in ein Auto zu steigen. Dass dies nicht gerade ungefährlich ist, zeigt der Film schon zu Beginn. Ein Freier möchte während voller Fahrt einen geblasen bekommen und verursacht einen Verkehrsunfall. Dem nicht genug, bekommt John noch ein Messer ins Bein gerammt. John hat morgen, am Weihnachtstag, Geburtstag, er wird 21. Sein größter Wunsch ist es, eine Nacht in einem noblen Hotel zu verbringen. Die dafür erforderlichen 300 Dollar stiehlt er von Drogendealern, was ihm im Verlauf des verhängnisvollen 24. Dezember noch zu schaffen machen soll.

In seinen knapp bemessenen 96 Minuten Film bebildert Silver die volle Bandbreite einer Existenz mehr oder minder auf der Straße. Es zählen Ver- und Misstrauen, Freundschaft, gegenseitige Unterstützung, aber auch Angst, Verzweiflung und Resignation. Dabei gibt sich der Film immer wieder Metaphern hin, die der Charakterzeichnung dienen sollen. Unser John, nur einer der uns an diesem Tag begegnenden titelgebenden Johns, ist der Messias. Zumindest wird er als solcher inszeniert, denn der Geburtstag an Weihnachten ist nicht zufällig gesetzt und auch dornenkranzartige Verletzungen werden ihm im Verlauf der Handlung verpasst. Geschunden und geschlagen steht  er sinnbildblich für eine Gesellschaft, die für den Nächsten nicht besonders viel übrig zu haben scheint. John ist das Produkt der Pervertiertheit seiner Freier und steht in finanzieller Abhängigkeit zu diesen. Doch auch er ist nicht frei von Schuld und Sünde und eignet sich damit eher schlecht als Messias, sündenfrei ans Kreuz genagelt zu werden.

Doch wie auch die beiden Hauptcharaktere nicht wissen, was das Leben jetzt (noch) für die bereit hält, so weiß auch Silver nichts so recht mit seinen Figuren anzufangen. Scheinbar ziellos inszeniert er seine Figuren und das soziale Umfeld am Santa Monica Boulevard. Letztendlich scheint er vom eingangs erwähnten Van Sant Film kopieren zu müssen, in dem er seine Charaktere auf eine gedankliche Reise ins gelobte Land nach Camelot, einem historischen Freundzeitpark in Missouri, schickt. Doch der Weg scheint ihnen schon auf den ersten Metern weg vom Boulevard mit Steinen gepflastert.

Fazit

Ein etwas übermetaphorisierter Film, der zu oft nichts aus seinen Charakteren zu machen weiß. Letztendlich ein weiterer Beitrag für das Genre, man kann und sollte Silver aber auch eine gewissen Selbst- und Eigenständigkeit zugestehen, die sich in gelungenen Bildkompositionen niederschlägt.

Autor: Magnus Knoll

Wird geladen...

×