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Inhalt

Kommissar Belli ermittelt im Drogenschmuggel Genuas und gerät zwischen die Fronten eines Mafiakrieges. Der Gerechtigkeitsfanatiker geht entschlossen gegen die übermächtigen Gegner vor, was ihn jedoch einen sehr hohen Preis kosten soll…

Kritik

Der Beginn einer bis heute bestehenden, echten Männerfreundschaft. Der erste von insgesamt 11 gemeinsamen Filmen von Regisseur Enzo G. Castellari (Keoma – Das Lied des Todes) und Leinwand-Ikone Franco Nero (Django) ist vermutlich auch ihr Glanzstück. Tote Zeugen singen nicht – hierzulande auch als Strasse ins Jenseits bekannt – ist ein Poliziottesco wie er im Buche steht, multipliziert mit sich selbst. Schroff, ungeschliffen, knüppelhart und mit einer homogenen Mischung aus ernsthafter Thematik wie leicht spleenigen Eigenarten, die Beiträge dieses Sub-Genre – ähnlich dem Giallo – so interessant, einzigartig und eigentlich nur in dem ganz speziellen, engen Zeitrahmen ihrer Hochphase im Idealfall so außergewöhnlich machten. Wenn man nur einen Poliziottesco sehen könnte und verstehen wollte, wie so ein besonderes Exemplar funktioniert, dann sollte die Wahl exakt auf dieses fallen. Trotz oder gerade wegen auch nicht zu leugnenden, aber für den Gesamtkontext kaum relevanter Defizite. Weswegen theoretisch ähnlich gelagerte Meisterwerke wie Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert oder Ermittlungen gegen einen über jeden Zweifel erhabenen Bürger letztlich doch noch nicht dieser Gattung zuzuordnen sind, obwohl dies häufiger getan wird.  

Tote Zeugen singen nicht kennt von Anfang an nur das durchgetretene Gaspedal. Nicht nur wegen der ultra-rasanten Verfolgungsjagd, mit der sein aggressiver Hochdruck-Reißer gleich mal klar macht, worauf man sich die nächsten 90 Minuten einzustellen hat. Fast eine Spaghetti-Version von French Connection – Brennpunkt Brooklyn, an den nicht nur durch den auch hier als Syndikat-Boss auftretende Fernando Rey und dem Showdown-Schauplatz Marseille deutliche Referenzen verwiesen werden. Franco Nero gerät als zornig-griesgrämiger Schnauzbart-Bulle mit latenter Nasenspraysucht zwischen die Fronten eines Bandeskrieges um die Vorherrschaft im Drogenmilieu von Genua und liefert eine wahnsinnig engagierte Leistung kurz vorm Bluthochdruckkollaps ab. Wie ein tollwütiges Nashorn stürmt er mit gesengtem Haupt voran; prügelt, flucht und lässt sich nicht von seinem unverbesserlich Gerechtigkeitsdrang abbringen. Sehr persönliche Verluste sind da zwangsläufig inbegriffen.

Eleganz war noch nie das Steckenpferd des grobkörnigen Handwerkers Enzo G. Castellari und da bildet auch dieser Streifen nicht die Ausnahme von der Regel. Braucht es auch nicht, denn im Ausgleich rotzt er so kompromisslos und sackhart rum, dass er sich damit mühelos an die Spitze des Sub-Genres katapultiert. Ein unfassbar räudiger, dynamischer, dennoch durchaus auch ästhetischer Film, der speziell durch seine hervorragende Kameraarbeit aufzeigt, wieviel echte Klasse hinter der extrem rohen Schale schlummert. Weder zurückhaltend, subtil oder gar tiefgründig, dafür unverschämt ungefiltert, radikal und hitzig-aufgeladen. Der Druck im Kessel ist von Anfang an im roten Bereich und sprengt im letzten Drittel endgültig den Deckel weg. Selbst aus heutiger Sicht noch mit teils schockierenden Gewaltspitzen und Slow-Mo-Shootout im besten 70er-Stil (Sam Peckinpah lässt grüßen) auf den Punkt inszeniert. Irre, was hier teilweise abgeht.

Fazit

Ein wahrer Berserker von einem Film. „Tote Zeugen singen nicht“ ist ein Vorzeige-Poliziottesco der härtesten Gangart, dabei auch noch sau-gut inszeniert und hervorragend besetzt. Italienisches B-Genrekino, wie es sein sollte. Ruppig, dreckig, skrupellos. Ein Muss für Freunde des zünftigen Herren-Film-Abend.  

Autor: Jacko Kunze

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