Marsupilami zählt zu den berühmtesten Figuren des frankobelgischen Comics. Das gelb-schwarz gefleckte Fantasiewesen mit seinem überlangen Schwanz wurde einst in den Abenteuern von Spirou & Fantasio eingeführt und avancierte später zum Star einer eigenen Reihe. Die neue Realverfilmung trägt zwar seinen Namen, doch im Mittelpunkt steht er erstaunlich selten. Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller Philippe Lacheau (Nicky Larson: City Hunter) nutzt die Kultfigur vielmehr als Ausgangspunkt für eine temporeiche Klamauk-Komödie, die sich vor allem um ein chaotisches Figurenensemble dreht.
Diese Herangehensweise mag zunächst irritieren, entpuppt sich aber schnell als bewusst gewähltes Konzept. Marsupilami erfüllt über weite Strecken die Rolle eines klassischen MacGuffins – jenes erzählerischen Elements, das die Handlung in Bewegung setzt, ohne selbst dauerhaft im Fokus zu stehen. Statt einer klassischen Abenteuergeschichte entwickelt sich ein irrwitziger Mix aus Verfolgungsjagden, Missverständnissen und absurden Zufällen. Plausibilität spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist allein, dass der nächste komische Einfall möglichst wirkungsvoll vorbereitet wird.
"Marsupilami" setzt auf Tempo, Slapstick und visuelle Komik
Wer feinsinnigen Humor erwartet, wird hier kaum fündig. Lacheau setzt stattdessen auf körperliche Komik, visuelle Gags und bewusst überzeichnete Situationen. Viele Pointen sind ausgesprochen albern, manche sogar herrlich dämlich. Trotzdem entfalten sie überraschend häufig ihre Wirkung, weil sie sauber aufgebaut und mit gutem Timing präsentiert werden. Gerade darin liegt eine der größten Qualitäten des Films: Er verlässt sich nicht darauf, dass allein die Absurdität einer Situation für Lacher sorgt, sondern entwickelt viele Witze konsequent bis zur Pointe.
Dabei beweist Lacheau sein Gespür für Rhythmus. Die Ereignisse überschlagen sich beinahe pausenlos, ohne völlig aus dem Ruder zu laufen. Das Ensemble harmoniert hervorragend und trägt entscheidend dazu bei, dass selbst kleinere Nebenfiguren ihre Momente bekommen. Wer mit grobschlächtigem Humor grundsätzlich nichts anfangen kann, dürfte dennoch kaum warm werden. Freunde pointiert inszenierter Slapstick-Komödien erhalten dagegen zahlreiche gelungene Einfälle, die deutlich sorgfältiger umgesetzt sind, als ihre oft simple Grundidee vermuten lässt.
Viel Spielfreude, aber wenig Nachhall
Erst im letzten Drittel verliert die Komödie etwas an Schwung. Die Geschichte tritt stellenweise auf der Stelle und nicht jede Pointe sitzt noch so treffsicher wie zuvor. Gleichzeitig fehlt den Figuren die nötige Tiefe, um den Film über seine Gags hinaus zu tragen. Sie bleiben funktionale Bestandteile der Handlung, die vor allem dafür da sind, das nächste Chaos auszulösen.
Das sorgt auch dafür, dass der Film nur wenig nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Viele Szenen – sowohl die gelungenen als auch die weniger überzeugenden – verblassen erstaunlich schnell nach dem Abspann. Während der Laufzeit fällt das jedoch kaum ins Gewicht, weil das hohe Erzähltempo und die sichtbare Spielfreude die kleineren Schwächen lange kaschieren.
So erweist sich Marsupilami als überraschend effektive Komödie. Zwar bleibt das titelgebende Wesen eher Mittel zum Zweck als eigentliche Hauptfigur, doch genau daraus entwickelt Lacheau eine energiegeladene Ensemble-Farce, die ihren groben Humor mit viel Ideenreichtum und handwerklicher Präzision präsentiert. Das Ergebnis ist weder besonders raffiniert noch lange nachwirkend, unterhält über weite Strecken aber mit einer ansteckenden Leichtigkeit und einem sicheren Gespür für funktionierenden Klamauk.