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Quelle: themoviedb.org
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  • 120 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Die deutsche Regierung weigert sich, Reparationen für die Besetzung Namibias im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und für den Völkermord an der indigenen Bevölkerung zu zahlen. Stattdessen bietet sie Entwicklungshilfeprogramme an, die von deprimierendem Neokolonialismus und erschreckendem Rassismus geprägt sind und – für alle außer den deutschen Beamten und nostalgischen Touristen sichtbar – als Solidarität getarnt werden.

Kritik

“It’s a system that reproduces itself, because each person born into it has to justify the inequality.”, sagt Jonas Spriestersbach in einem Interview zu seiner zweiten Langfilm-Dokumentation, deren problematische Perspektive das bestätigt - deutlich mehr als die episodischen Vignetten rassistischer Touristen-Touren durch Namibia. Dort wandern deutsche Urlaubende im doppelten Sinn auf den Spuren ihrer Landsleute aus der Kolonialzeit, die an der südlichen Atlantikküste 1883 Lüderitz gründeten. Der mit seinen adretten Art Nouveau Bauten trügerisch harmonisch aussehende Ort ist ein pastellgetünchtes Paradebeispiel neokolonialistischen Selbstgerechtigkeit. 

Frei davon ist davon auch nicht der Regisseur, der den white gaze seiner Figuren perpetuiert, reproduziert und amplifiziert. Die positionellen Parallelen zu der deutschen Touristengruppe, mit der Spriestersbach in Lüderitz kommt, signalisiert auch sein Kommentar bei der Premiere seines Werks im Wettbewerb von Visions du Réel. Als freundlich und hilfsbereit beschreibt er die Leute, die vor der Kamera das Gegenteil scheinen. Der weiße Reiseführer, der ungeniert das N-Wort benutzt und dafür aus der Gruppe Zuspruch erhält, präsentiert eine verlogene Verklärung deutsch-namibischer Kolonialgeschichte.

Mit der hatte Spriestersbach sich nach eigener Aussage zuvor nie auseinandergesetzt. Geeignet, die Schwarze Erfahrung von Diskriminierung und Alltagsrassismus abzubilden, fühlt er sich trotzdem. Derlei Kommentare klingen bezeichnend nach der blasierten Schaulust der Touristen und Selbstgerechtigkeit der deutschstämmigen Anwohnenden. Beider herabwürdigendes Verhalten gegenüber den ökonomisch ausschließlich in Abhängigkeitsverhältnissen gezeigten Schwarzen wird zum sarkastischen Spektakel. Das Kinopublikum darf sich von der kolonialistischen Kaffeefahrt abgrenzen und zugleich amüsieren, wenn Namibier*innen von weißen Arbeitgeberinnen  objektiviert werden oder als menschliche Exponate in „live museums“ begafft.

Fazit

Er verstehe nicht, hier eine Grenze sei, die er nicht überschreiten solle, obwohl er alle anderen Grenzen überschreiten kann, sagt Jonas Spriestersbach beim Q&A zu seinem fragwürdigen Kolonialismus-Kino. Das zeigt mit doppelmoralischer Dialektik auf deutsche „Entwicklungshilfe“ als fadenscheinigen Ausgleich für Kolonialschuld, während es mit der Ausstellung dieser Thematik Festival-Prestige verdient. Das pseudo-kritische Panoptikum neokolonialistischen Narzissmus verrät den gleichen Mangel an Selbstreflexion, den es vorführt, überzeugt von der eigenen humanistischen Hegemonie. Ziel ist nicht Erkenntnis historischer Schuld, sondern die dramaturgische Distanzierung von dieser.

Kritik: Lida Bach

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