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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine Radioreporterin reist in eine Kleinstadt in Mittelitalien, wo 1982 eine junge Frau einem Akt willkürlicher Gewalt zum Opfer fiel. Der Journalist spürt den Klängen des Mordes nach und hält die letzten Nachklänge der Erinnerung an das Opfer fest.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„Warum fragen Sie mich all das, 40 Jahre später?“, erwidert eine der Zeuginnen, die Radio-Reporterin Sibilla (Sibilla Scinti Roger) zu einem brutalen Verbrechen in einer italienischen Kleinstadt befragt. Unter sich würden ihre Bekannten nie darüber sprechen und sie kehre kaum noch in das Dorf zurück: „Und wenn doch, dann ist es, als ob es nie passiert wäre.“ Womöglich liegt in dieser Ausführung bereits die Antwort auf die Frage, die über Sibillas geplanter Dokumentation ebenso hängt wie über Riccardo Giacconis semi-dokumentarischem Experimentalfilm. 

Dessen Szenario folgt der von Co-Drehbuchautorin Sibilla Scinti Roger als fiktives Alter Ego verkörperten Protagonistin auf einer akustischen Spurensuche in die soziopathischen Abgründe hinter einer eisernen Fassade gemeinschaftlicher Harmonie. Das Beschädigen jenes kommunalen Konstrukts scheint die Gemeinde, in deren Mitte sich die grausige Tat ereignete, mehr aufzuregen als das eigentliche Verbrechen. Im Jahr 1982, zehn Jahre vor Sibillas Geburt, wurde ihre Tante Gianna von einer Gruppe junger Männer gefoltert und lebendig verbrannt. Ein Akt willkürlichen Sadismus, ohne Anlass oder erkennbares Motiv.

Der Schweigepakt, den die Täter damals schlossen, scheint das ganze Dorf zu folgen. Bis in die Gegenwart bis in die Gegenwart. Omertà lautet der süditalienische Begriff für diese kollektive Apathie angesichts unerklärlicher Gewalt. Deren Echo lauscht das beklemmend echte Konstrukt, inspiriert von realen Mordfällen wie denen Simonetta Lambertis und Antonella Migliorinis. Ohne konkretisierende Bilder wird die Geräuschkulisse zum Marker dessen, was buchstäblich ausgeblendet wird: Ein Belegt des soziologisch und psychisch Verdrängten, der zugleich aufzeigt, dass sich der Schrecken nicht vollständig verdrängen lässt. 

Fazit

Geübt in der bestechend überzeugenden Inszenierung jener dokumentarischen Hybrid-Werke, die im nicht-fiktionalen Kino der Gegenwart die fundamentale Verunsicherung über die Wahrhaftigkeit filmischer Darstellungen zeigen, erstellt Riccardo Giacconi ein hintergründige (Re)Konstruktion der kollektiven Mechanismen, die männliche Gewalt gegen Frauen aus dem öffentlichen Bewusstsein tilgen. Die hypothetische Recherche schafft ein Bewusstsein für die Individualität des Opfers und die passive Komplizenschaft eines sozialen Umfelds. Die editorische Ablehnung des fiktiven Audio-Features als „zu monoton“ wird zur sarkastischen Pointe über die andere Facette der Abstumpfung und die mediale Monetarisierung von True Crime. 

Kritik: Lida Bach

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