Inhalt
Witwer Encek fühlt sich nach dem Tod seiner Frau vor 16 Jahren einsam und verloren; er beschließt, ein letztes gemeinsames Abendessen mit seinen Kindern zu arrangieren. Während der Vorbereitungen schwelgt Encek in Erinnerungen an seine Jugend und die erste Begegnung mit seiner verstorbenen Frau. Doch diese Erinnerungen führen ihn auch zurück zu dem Trauma der Unruhen vom Mai 1998.
Kritik
„Ein hervorragender Plan, um friedlich zu sterben“, lautet der ungleich originelle Originaltitel Ismail Basbeths epischer Liebes- und Lebenschronik. Die rekapituliert sechs Jahrzehnte indonesischer Geschichte in der Biographie des gealterten Hauptcharakters, der mit 76 Jahren endlich mit seiner verstorbenen Gattin vereint sein will. Doch was wäre ein autonomer Abschied ohne einen angemessenen Galgenschmaus? Für dieses letzte Abendmahl, wie es der internationale Verleih-Titel benennt, wünscht sich Encek (Ferry Salim) noch einmal die Gerichte seiner Jugend, die in seinen Gedanken wieder lebendig wird.
Episodische Rückblenden offenbaren Stück für Stück seine harte Kindheit im Waisenhaus und nach der Flucht von dort eine Jugend als Aushilfsarbeiter an einem Street Food Stand. Ein Lichtblick in dieser Existenz am Rande der Gesellschaft sind die gelegentlichen Begegnungen mit der freundlichen Encim (Jessy Davita), deren Vater einen Reis-Shop betreibt. Das gebildete junge Mädchen aus der Mittelschicht scheint für den obdachlosen Analphabeten unerreichbar, doch natürlich erwidert sie seine Zuneigung. Gesellschaftliche und politische Umbrüche stellen die junge Liebe vor immer neue Herausforderungen.
Um die drei gemeinsamen Kinder zu betreuen, muss Encim (erwachsen: Melissa Karim) schweren Herzens den Shop ihres Vaters aufgeben muss. Auch Encek muss sein kulinarisches Interesse zurückstellen, um seine Familie zu versorgen. Trotz familiären Glücks Liebe weicht ihre Unbeschwertheit einer pessimistischen Weltsicht. Der psychologische Wandel bleibt indes ausgeblendet. Hoffnungen und Sehnsüchte des jungen Paares bleiben so schemenhaft wie die politischen Entwicklungen. Süßlich-sentimentale Stimmung und die klar als solche erkennbaren Studiobauten ergänzen einer in ihrer überkonstruierten Künstlichkeit. Eine zuckerige Zeitreise mit ambivalenter Allegorik.
Fazit
Gen Ende der larmoyanten Love Story, die Ismail Basbet im Wettbewerb von Shanghai präsentiert, scheint sich die brave Story endlich eine unerwartete Wendung zu trauen. Doch der eine Twist wird postwendend revidiert. Diese dramaturgische Mutlosigkeit wurzelt augenscheinlich in der nationalgeschichtlichen Emblematik der rührseligen Romanze. Jene fungiert als idealisierte Illustration eines nationalen Aufstiegsmythos, der leidvolle Kapitel zum melodramatischen Momentum stilisiert. Soziale Hierarchien und patriarchalische Zwänge negiert die schauspielerisch solide Soap um ersehnten Tod und unsterbliche Liebe. Hochglanz-Optik, pompöser Soundtrack und dekorative Studio-Sets liefern adrettes kunsthandwerkliches Kommerz-Kino.
Autor: Lida Bach