8.5

MB-Kritik

Nightborn 2026

Horror, Drama, Thriller

8.5

Rupert Grint
Seidi Haarla
Pamela Tola
Pirkko Saisio
Rebecca Lacey
John Thomson

Inhalt

Mit dem Traum von einer glücklichen Familie im Kopf ziehen Saga und ihr britischer Ehemann Jon in das abgelegene Haus tief in den finnischen Wäldern, in dem Saga während ihrer Kindheit viel Zeit verbracht hat. Doch als ihr Baby auf die Welt kommt, weiß Saga sofort, dass etwas nicht stimmt. Daran ändern auch alle Beschwichtigungen aus ihrem Umfeld nichts. 

Kritik

Monströser Nachwuchs, der auch bei der Mutterfigur beunruhigende Veränderungen hervorruft, ist augenscheinlich ein Lieblingsthema Hanna Bergholms. Nach ihrem vielversprechenden Spielfilm-Debüt Hatching bleibt die finnische Regisseurin nicht nur ihrem Faible für groteskes Genre-Kino treu, sondern auch ihrem Sinn für psychosomatische Parabeln aus einer dezidiert weiblichen Perspektive. Horror und Humor überlagern einander in ihrer symbolreichen Schauer-Sage über die düstere Seite von Mutterschaft. Über jene macht sich die verträumte Finnin Saga (Seida Haarla, Estonia) ähnlich viele Illusionen wie ihr britischer Ehemann Jon (Rupert Grint, Ebenezer: A Christmas Carol). 

Beide wünsche sich mehrere Kinder, die Saga im Haus ihrer verstorbenen Großmutter aufziehen will. Nu Metallschrott im Garten trennt den modrigen Holzbau, der organisch mit der Natur verwachsen scheint, von den umliegenden Wäldern. Dort macht das junge Paar sein den Originaltitel (übersetzt etwa: Kind der Nacht) gebendes Baby. Was könnte romantischer ein als bedrohlich anthropomorphe knorrige Baumstämme? Derlei zwischen Galgenhumor und Grusel changierenden Szenen verleihen dem buchstäblich bissigen Horror-Märchen seinen eigenwilligen Charme. Ein paar Splatter-Spritzer machen die Geburt zu einem realistischen Gegenentwurf zu verklärten Idealen. 

Dichte Lanugo-Behaarung und Krallenfinger verunsichern Saga, die in ihrem alten neuen Heim mit den Geburtsverletzungen, physischen Veränderungen und psychischer Belastung ringt. Während Ärzte und Verwandte das ständig quengelnde Schreibaby als ganz normal bezeichnen, überzeugt dessen Nachtaktivität, Aggressivität und Appetit auf Kuhblut statt Muttermilch überzeugen die psychisch labile Protagonistin vom Gegenteil. Was das Baby ist - Waldtroll, Werwolf oder Manifestation einer postnatalen Depression - bleibt ebenso schemenhaft wie Sagas wahre Persona. Bergholms abrupter Umschwung in ihrer Interpretation der Mutter-Kind-Beziehung konterkariert die sardonische Symbolik des immer aberwitzigeren Szenarios.

Weit entfernt von der Originalität von Hatching, wirkt dessen derivative Story wie ein Crossover sBorder und Shelley  mit einer Prise Rosemary‘s Baby. Pietari Peltolas mystische Kameraaufnahmen hüllen die malerische Waldlandschaft in mystischen Zauber, dem stets etwas leise Bedrohliches innewohnt. Erdige Braun- und Grüntöne machen Kari Kankaanpääs stimmungsvolle Settings zu einer Erweiterung der umliegenden Natur. Jene ruft Saga immer lauter zu sich; eine archaische Analogie, die feministisch ausgelegt werden kann, aber auch repressiv in ihrer Darstellung von Mutterschaft als Urtrieb. Gags und Grauen liegen auch hier nah beieinander.

Fazit

Folk Horror und Body Horror, die beide ein Revival feiern, verknüpft Hanna Bergholm wirkungsvoll in ihrem wirrem, doch nichtsdestotrotz äußert unterhaltsamen Schauerstück. Das überzeugt mehr durch Schauspiel und Atmosphäre als Dramaturgie. Nebenfiguren werden auf halber Strecke komplett vergessen und im unebenen Plot bleiben narrative Widersprüche. Die gravierendsten sind Motivation und Wünsche der Protagonistin, die zwischen zwei gegensätzlichen Weiblichkeitskonzepten zerrissen bleibt. Maske und altmodische Puppentrick-Effekte schaffen dafür plastische Effekte, deren sozialkritischen Subtext sardonischer Witz verstärkt. Ein visuell bestechendes Monster-Mutterschafts-Drama mit blutrünstigen Lachern - wenn auch teils unbeabsichtigt. 

Autor: Lida Bach
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