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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Ingeborg und Adam sind visionäre Handchirurg:innen, verbunden durch Liebe, Kontrolle und unwiderstehliche Obsessionen. Sie stiehlt zwanghaft Gegenstände; er sehnt sich danach, selbst einer zu werden. Als ein Unfall die geheimnisvolle Gaia in ihr Leben bringt, nehmen unerwartete Begierden Form an

Kritik

In einer vorgeblichen Ära gesellschaftlicher Gleichberechtigung und zelebrierter Diversität werden äußerlich wahrnehmbare Mobilitätshilfen zum begehrten und begehrenswert machenden Accessoire. Dem titelgebenden Lust-, Status,- und Kunstobjekt Ann Orens filmischer Fetisch-Phantasie. Die präsentiert sichtbare körperliche Beeinträchtigungen als paraphile Projektionsfläche, ein neurotisch-narzisstisches Konstrukt, selbstverschuldet oder gar willentlich herbeigeführt. War es in ihrem Debüt-Werk Piaffe die Grenze zwischen Mensch und Tier, die eine unwahrscheinliche Metamorphose verwischte, ist es in ihrem zweiten Spielfilm die zwischen Individuum und Gegenstand. Als Gegenentwurf zur absoluten Assimilation Anomalie zum Accessoire. 

Die Implikationen dieser Prämisse sind weitreichender, als die Drehbuchautorin und Regisseurin auf der Pressekonferenz in Locarno, wo ihr Werk im Wettbewerb Premiere feiert, anerkennen möchte, und deutlich komplexer als der flache Plot. Selbiger ist im doppelten Sinn objektivierend und oberflächlich. Juan Sarmiento G. strenge Kamerabilder fixieren Audrey Hernus akribisches Produktionsdesign in edlen Tableaus. Deren kühle Ästhetik katalysiert die angerissenen Motive von Perfektionismus und Selbstoptimierung. Die bestimmen auf jeder Ebene den Alltag des privilegierten Protagonisten-Duos Adam (Louis Hofmann) und Ingeborg (Aenne Schwarz).

Privat und beruflich harmonieren die kleptomanische Handchirurgin und ihr devoter Partner tadellos. Jeder Handgriff ihrer augenscheinlich bis ins Detail eingespielten Routine wirkt durchdacht, selbst ihre ungewöhnlichen sexuellen Spleens. Wie bereits in Piaffe schwelgt die unterentwickelte Handlung in den libidinösen Ritualen und Geste, für die das stilisierte Szenario bisweilen lediglich eine Bühne scheinen. Eine Verletzung bei einem ihrer zwanghaften Diebstähle führt Ingeborg zum Kunsthandwerker des Jacques Lacan referenzierenden Design-Geschäfts „Objet a“. Er erhält ihre Arbeitsfähigkeit mit einer prothetisch Privatanfertigung, um deren fetischistischen Reiz sie Adam beneidet. 

Seine Eifersucht steigert Ingeborgs wachsende Nähe zu Patientin Gaia (Simone Bucio aus Piaffe), die ihr seit dem Unfall assistiert und ihre eigenen Kinks ins sexuelle Spiel bringt. Das zeitweise Handicap wird zur paradoxen Vollendung des gesundheitlichen und ästhetischen Perfektionismus der Hauptfiguren: die ultimative Körpermodifikation, ergänzt und ausgestellt durch mechanische Hilfsmittel. Was für Menschen mit Behinderung Notwendigkeit ist, bagatellisiert Oren zum Mode-Accessoire mit Trend-Potenzial. Dieses Konstrukt bedient die wachsende ableistische und misogyne Narrative, die Behinderung und chronische Krankheit zur (insbesondere weiblichen) Neurose reduzieren. 

Die historische Negierung, Banalisierung und Psychopathologisierung physischer Leiden bei Frauen, an die das manierierte Sittenstück anknüpft, werden wenig überraschend nie erwähnt. Während der soziale, materielle, akademistische und professionelle Status der beiden zelebriert wird, stehen Behinderungen in Analogie zu Kriminalität und Katastrophen, die das Paar anturnen. Psychologische Tiefe ersetzen gezielte Ekeleffekte und Provokationen, die biedere Haltung hinter der Maske erotischer Wagnisse enthüllen. Alltagsdiskriminierung und logistische Einschränkungen passen nicht ins visuell und schauspielerisch verfeinerte Bild von Handicaps als dekadenter Laune, die nicht nur erotisch hofiert wird. 

Fazit

Der Wandel von Optik und Stilistik im Schlussteil erweitert die problematischen Implikationen Ann Orens intellektualistischer Beziehungsgroteske um das Bild physischer Beeinträchtigung als städtisches Symptom und Kontrast zur freien Natur. So stehen die ableistischen Suggestionen im Kontrast zum konzentrierten Schauspiel und kongenialer Ausstattung. Katalogartige Interieurs und Kostüme erscheinen in starren Einstellungen als materialistischer Käfig, den erst eine körperliche Fraktur symbolisch aufbrechen kann. Die Ausgangssituation bietet zwar reichlich dramaturgisches Potenzial, doch bleibt ein ins Leere laufender Vorwand für ein ob seines latenten Reaktionismus letztlich frustrierendes Kink-Kino. 

Kritik: Lida Bach

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