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Kurz vor der Premiere des Opernstücks Macbeth wird die Hauptdarstellerin angefahren. Die unerfahrene Zweitbesetzung Beth bekommt ihre große Chance und meistert sie mit Bravour. Ihr Durchbruch fordert Opfer, denn nun sucht ein Killer das Ensemble heim und zwingt den jungen Star, ihn bei seinen Taten zuzusehen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„Ich kann dich umbringen, wo ich will und wann ich will!“

Der letzte, wichtige Vorhang für Dario Argento („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) und den Giallo, vorgetragen auf der ganz großen Bühne, als wenn er es geahnt hätte. Mit „Opera“ setzte sich Argento ein Denkmal und sein bedeutendste Meisterstück nach „Suspiria“, bevor das Genre des Giallo und er selbst langsam aber sicher in Vergessenheit verschwanden. Umso erschreckender, dass er bei seinem Comeback 1993 mit „Trauma“ ein Trauerspiel ablieferte, dessen Tendenz er nur noch mit wenigen Arbeiten leicht auffangen konnte (u.a. „Das Stendhal Syndrom“), den Tiefpunkt erreichte er mit seinem letzten Auswurf „Dracula 3D“. „Opera“ ist nicht nur ein brillantes Stück Genrekino, es ist Argentos klügster Film, ungemein reflektiert und ein Kniefall vor seinem großen Idol Alfred Hitchcock („Psycho"), der sicher am Ende Beifall geklatscht hätte. Was für jeden noch so guten Argento gar nicht das Maß der Dinge wäre.

Von der Ouvertüre bis zu seinem sensationellen Finale dreht sich bei Argentos Giallo-Spätwerk alles um das Sehen und Zusehen, das zufällige und gezwungene, was einem das Leben kosten kann oder zum Zentrum der Begierde macht. Lange bevor sich Argento mit seiner merkwürdigen Version von „Das Phantom der Oper“ an dem klassischen Material verhob, inszeniert er hier seine wesentlich interessantere Variation. Sein Giallo-typisch gesichtsloses Phantom steht in einer zunächst unerklärlich-obsessiven Abhängigkeit zu der reizenden Zweitbesetzung von Verdi‘s „Macbeth“, der verfluchten Oper. Das plötzlich ins Rampenlicht gesetzte Mauerblümchen wird über Nacht zum gefeierten Star und gleichzeitig zum unfreiwilligen Voyeur bestialischer Morde. Jeder Wimpernschlag vergießt Blut, das Zusehen wird zum Zwang, während ungewollte Zeugen über die phallische Klinge springen. Das Auge und seine Variationen ist Dreh- und Angelpunkt bei Argento, aus jeder Perspektive. Durch die der alleswissenden und zu späten Ermittlern berufenden - da mit einem Elefantengedächtnis gesegneten – Raben, dem Blick durch das blutverschmierte Fernglas, den Türspion (mit fatalen Folgen), den durch die unaufhaltsam kreisende Kamera, die den Zuschauer abwechselnd zu Täter und Zeugen macht, mit einem sich bewegenden Blick auf das Geschehen.

Mal durch die Gitter eines Lüftungsschachts, dann durch die vor die Augen geklebten Klingen, die Sicht ist identisch, die Ausgangslage nicht. Sehen und gesehen werden, ein perverses, sadistisches Hantieren mit dem Publikum und seinen Figuren, darin geht Argento süffisant auf. Und ganz nebenbei ist er seinem geistigen Mentor Alfred Hitchcock wie dem oft vergessenen, hier aber offensichtlich zitierten „Psycho“-Vorläufer „Augen der Angst - Peeping Tom“von Michael Powell so nah wie nie zuvor. Das Grundthema der Visualisierung des Grauens, eingefangen durch das jeweilige, zur Verfügung stehenden „Auge“, ist mehr als ein Verbeugung, es ist eine Weiterentwicklung auf hohem Niveau. Gleichzeitig huldigt Argento damit dem Hitchcock-Powell-Suspense, dem (mit)selbstkreierten Genre, aber auch der Oper, dem italienischen Kulturgut schlechthin. „Opera“ ist ein Kunstwerk, das in Anspielungen und geschaffenen Sequenzen schwelgt, die Geschichte dabei nur ganz leicht nach hinten schiebt. Es lebt in erster Linie von seinen Momenten – wenn das Argento-Rot sich auf dem pechschwarzen Gefieder der geduldigen Raben bricht - , oder einer unfassbar vorgetragenen Sequenz in der Wohnung der Protagonistin, wofür selbst Hitchcock Argento wohl…sagen wir mal ganz jugendfrei… die Füße geküsst hätte. Das läutet einen Schlussakt ein, sagenhaft, berauschend.

„Opera“ ist Hommage, Meisterstück wie Meta-Spielerei zugleich. Allein die Rolle des Regisseurs als Horrorfilmer, der eine Oper inszenieren will und von der Presse verlacht wird, spricht für die Ironie von Dario Argento, die er später immer mal wieder einfließen lassen wollte (siehe „Das Phantom der Oper“), dann aber nur peinlich rüberkam. Ganz anders hier, es fügt sich in ein cleveres Muster zwischen Klassiker und ungewohnt brachialer Härte ein, die die FSK heute ab 16 Jahren freigibt. Da war wohl U-30-Abend, auch wenn nur wenige Szenen (dafür dann richtig) ans Eingemachte gehen, allein die Thematik ist schon deftig. Egal, das wollen wir als mündige Zuschauer doch. Besonders bei so lange verbannten Meisterwerken.

Fazit

Nach „Suspiria“ ist „Opera“ das Masterpiece von Dario Argento, gleichzeitig sein letztes, echte Ausrufezeichen. Ohne es beabsichtigt zu haben verabschiedet sich einer der Meister des europäischen Genrekinos mit einem Knall von der großen Bühne. Naja, wenn, dann bitte so. Das Ende einer Ära, für Argento und den Giallo.

Autor: Jacko Kunze

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