Inhalt
Ein Psychothriller, der sich entfaltet, als Ryu Sun-woo – ein Sohn, der seit dem Verschwinden eines Schulbusses während eines Ausflugs vor neun Jahren für tot gehalten wurde – auf wundersame Weise lebend zu seiner trauernden Mutter Ryu So-young zurückkehrt.
Kritik
Mystery-Drama, Psycho-Thriller, Serienkiller-Thriller und Kidnapping-Krimi drängeln sich in Yeon Sang-Hos (Colony) jüngstem Genre-Werk, und als ob das noch nicht genug wäre, alle im Doppelformat. Dass genanntes Quartett an Prämissen, von denen jeder einzelne einen eigenen Film motivieren könnte, thematisch einigermaßen ineinandergreift, war dem koreanischen Regisseur und Drehbuchautor augenscheinlich zu simpel. Daher toppt das verworrene Geflecht an Handlungssträngen noch ein futuristisches AI-Element und ein ganzes Arsenal daran geknüpfter moralphilosophischer Diskussionen. Nicht, dass daran zuvor ein Mangel geherrscht hätte.
Individuelle Gewissensbisse, soziale Verantwortung, Schuld und Selbstinteresse ziehen sich als Geflecht roter Fäden durch das Geschehen. Sein Übermaß an diffiziler Themen steht in bizarrem Kontrast zu deren dramaturgischer und psychologischer Unterentwicklung. Bereits das Etablieren der narrativen Ankerpunkte untergräbt deren reichhaltig Potenzial bezüglich Suspense und Schocks. Am deutlichsten zeigt dies das Ausgangsszenario, das eine Horror-Version von Sweet Hereafter heraufbeschwört. Ein Schulbus mit 12 Kindern verschwindet spurlos. Nur die Leiche der Lehrerin und des Busfahrers werden gefunden.
Doch das düstere Szenario verwässert Yeon zu einer Handvoll Bilder und eiligen Off-Erzählung. Selbige eilt in den ersten Minuten durch die sporadisch illustrierte Schulbus-Story, die lediglich den Anstoß zur Haupthandlung liefert. Vier Kinderleichen wurden gefunden, der Rest blieb vermisst. Darunter der kleine Sun-woo, dessen alleinerziehende Mutter Ryu So-young (Kim Hyun-joo) vor Verzweiflung ihr Leben beenden will. Eine AI-Firma mit dem aberwitzig suspekten Namen „Transhuman“ verspricht, Ryu und den übrigen betroffenen Eltern Trost in Gestalt AI-generierter Cyber-Doubles ihrer Kinder.
Für all die ethischen Debatten um solch ein Projekt ist keine Zeit, der eigentliche Plot hat kam angefangen. Während die anderen Eltern die Cyber-Copy-Kids nach und nach ausrangieren, wird Ryu abhängig von dem virtuellen Sun-woo, der acht Jahre später fester Bestandteil ihres Leben ist. Diese Scheinrealität erschüttert die Rückkehr ihres mittlerweile erwachsenen echten Sohnes. Der soziopathische junge Mann (Bae Hyun-sung, Resident Playbook) entpuppt sich obendrein als Serienkiller, der den kleinen Nachbarjungen entführt und Ryu entscheiden lässt, wen sie retten will.
Fazit
Von Miltons gleichnamigem Gedicht könnte Yeon Sang-hos Genre-Galerie kaum weiter entfernt seien. Stattdessen bezieht sich der Titel auf die AI-Welt, bevölkert mit digitalen Wiedergängern ermordeter Kinder. Deren einseitig idealisierte Darstellung ist nur einer der ideologisch problematischen Verkettungen abstruser Wendungen. Selbst wenn man alle hinnimmt, funktioniert das krude Konglomerat weder als Thriller-Unterhaltung, noch Horror-Hypothese. Abseits der grotesken Grundpfeiler der zwischen Sentimentalität und Sensationalismus pendelnden Story sind Inszenierung und Ausstattung ermüdend generisch. Statt dramaturgischer Komplexität bleibt höchstens unfreiwillige Komik.