5.3

MB-Kritik

Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern 2026

5.3

Sandra Bullock
Nicole Kidman
Joey King
Maisie Williams
Lee Pace
Dianne Wiest
Stockard Channing
Xolo Maridueña
Solly McLeod

Inhalt

Der seit Generationen auf der Familie lastende Liebesfluch bedroht die Owens-Schwestern erneut. Sally Owens (Sandra Bullock) und ihre Schwester Gillian Owens (Nicole Kidman) sehen sich gezwungen, sich der dunklen Macht ein weiteres Mal entgegenzustellen, nachdem die unheilvolle Bürde inzwischen auch Sallys Töchter (Joey King und Maisie Williams) erreicht hat. Entschlossen, den Fluch endgültig zu brechen, setzen die Schwestern alles daran, das Schicksal ihrer Familie zu verändern. Doch je näher sie ihrem Ziel kommen, desto deutlicher zeigt sich, wie tief die tödliche Verstrickung in der Geschichte der Owens verwurzelt ist. Um die nächste Generation zu schützen, müssen Sally und Gillian sich erneut den Geheimnissen ihrer Familie stellen und einen Weg finden, den Fluch ein für alle Mal zu überwinden.

Kritik

28 Jahre nach dem ersten Teil kehren und als Hexenschwestern Sally und Gillian Owens zurück. Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern setzt dabei nicht etwa auf eine neue Idee innerhalb der bekannten Welt, sondern wärmt zentrale Elemente des Vorgängers erneut auf. Der Fluch, der eigentlich Geschichte sein sollte, ist plötzlich wieder da, die Familie muss erneut zusammenrücken und erneut dreht sich alles um Liebe, Verlust und die Frage, wie sich die Owens-Frauen gegen übernatürliche Kräfte behaupten können. Für ein Sequel nach fast drei Jahrzehnten wirkt das erstaunlich einfallslos.

Viel Nostalgie, wenig neue Magie

Dabei hätte die lange Zeitspanne zwischen den Filmen eine echte Chance geboten. Statt die Geschichte des Originals praktisch noch einmal aufzuziehen, hätte Practical Magic 2 die Welt der Owens-Familie weiterentwickeln und den Staffelstab tatsächlich an die nächste Generation übergeben können. und Game of Thrones-Star funktionieren als neue Schwestern bemerkenswert gut. Zwischen den beiden stimmt die Chemie, ihre Figuren wirken miteinander glaubwürdig und gehören zu den wenigen Elementen, bei denen sich tatsächlich das Gefühl einstellt, dass hier etwas Neues entstehen könnte. Umso bedauerlicher ist es, dass der Film dieses Potenzial kaum nutzt.

Denn Practical Magic 2 weiß erstaunlich lange nicht, welcher Generation seine Geschichte eigentlich gehören soll. Zunächst scheint alles auf die Töchter der Familie hinauszulaufen, doch schon bald rücken Bullock und Kidman wieder deutlich stärker ins Zentrum. Eine der jüngeren Figuren verliert nach dem ersten Viertel beinahe vollständig an Bedeutung, während sich die Handlung zunehmend auf Joey King (Ugly - Verlier nicht dein Gesicht) konzentriert. Die eigentliche Weitergabe der Geschichte an die nächste Generation bleibt damit eher Behauptung als konsequent verfolgtes Konzept.

Noch problematischer ist, wie wenig Dringlichkeit das Abenteuer entwickelt. Eine Figur gerät in die Fänge dunkler Magie, verschwindet, wird verfolgt und soll gerettet werden – doch kaum etwas davon vermittelt den Eindruck einer wirklichen Bedrohung. Selbst größere Wendungen besitzen kaum Konsequenzen. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass die Figuren eigentlich unter Zeitdruck stehen müssten, bevor die Handlung dann doch wieder pausiert, um einen Streit auszutragen oder eine Beziehung zu diskutieren. Spannung entsteht so kaum, obwohl der Film seine Gefahren permanent betont.

Das wird durch die Dialoge noch verstärkt. Practical Magic 2 erklärt seine Regeln, seinen Fluch und die jeweiligen Zusammenhänge nicht einmal, sondern immer wieder. Informationen werden wiederholt, Konflikte erneut ausgesprochen und Zusammenhänge nochmals erläutert, als würde der Film seinem Publikum grundsätzlich nicht zutrauen, beim ersten Mal verstanden zu haben, was gerade passiert. Das Abenteuer wird dadurch unnötig gedehnt. Mit einer deutlich strafferen Laufzeit hätte aus dem Material vermutlich ein wesentlich unterhaltsamerer Fantasyfilm werden können.

Schön anzusehen, schwer zu fühlen

Dabei besitzt die Fortsetzung durchaus reizvolle Zutaten. Die Ausstattung, die Häuser, die Kostüme und insbesondere das Umfeld der Hexen funktionieren als nostalgische Rückkehr in diese Welt. Der Kräutergarten und die liebevoll gestalteten Schauplätze vermitteln zumindest zeitweise das richtige Gefühl für einen märchenhaften Hexenfilm. Auch die Beziehung zwischen den Figuren kann gelegentlich Charme entwickeln. Nur findet die Inszenierung keinen Weg, diese Vorzüge mit einem entsprechend packenden Erzählrhythmus zu verbinden.

Stattdessen wirkt vieles überstilisiert und künstlich ausgeleuchtet. Die Bilder sind beinahe zu makellos, die Umgebung wirkt eher wie eine perfekt arrangierte Kulisse als wie eine lebendige Welt. Ausgerechnet ein Film, der von Familie, Magie und emotionalen Bindungen erzählen möchte, bekommt dadurch etwas Unwirkliches. Selbst die Gesichter der beiden Hauptdarstellerinnen tragen zu diesem leicht irritierenden Eindruck bei, ohne dass dies zum eigentlichen Problem des Films wird. Entscheidend ist vielmehr, dass die gesamte Ästhetik irgendwann eher an eine Hochglanz-Werbung als an eine charmante Fantasy-Komödie erinnert.

Auch Regisseurin , früher überzeugend mit Filmen wie Open Hearts oder Nach der Hochzeit, findet keinen überzeugenden Zugriff auf das Material. Ihre Stärken liegen eher im emotionalen und dramatischen Erzählen, während Practical Magic 2 vor allem Leichtigkeit, Witz und einen gewissen Zauber bräuchte. Stattdessen bleibt vieles erstaunlich schwerfällig. Selbst potenzielle Running Gags werden so lange ausgespielt, bis jede Pointe verpufft. Szenen werden wiederholt oder unnötig verlängert, obwohl die Handlung längst verstanden hat, wohin sie möchte.

Practical Magic 2 hätte nach 28 Jahren die Möglichkeit gehabt, die Owens-Familie sinnvoll weiterzuerzählen und aus dem bekannten Fluch etwas Eigenständiges zu machen. Stattdessen wiederholt das Sequel die Grundidee des Originals, verteilt seine Aufmerksamkeit unentschlossen auf alte und neue Figuren und verliert sich in Erklärungen, Nebensächlichkeiten und einem Abenteuer ohne spürbares Risiko. Die vorhandene Welt ist charmant, das neue Schwesterngespann besitzt Potenzial – doch beides reicht nicht aus, um einen Film zu tragen, der sich deutlich länger anfühlt, als er tatsächlich ist.

Fazit

So lustlos und repetitiv erzählt, vom Look and Feel fast schon unheimlich künstlich und zugleich einschläfernd inszeniert. Sorry für alle, die darauf 28 Jahre gewartet haben: "Practical Magic 2" ist kein Zauber, sondern filmische schwarze Magie – eine Fortsetzung, die aus einer eigentlich charmanten Hexenwelt einen zähen Hexenschuss macht.

Autor: Sebastian Groß
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