In einer namenlosen Stadt wird ein Schönheitssalon zu einem Ort des Übergangs, an dem sich die Ausgestoßenen versammeln – gefangen im Zwischenraum von Leben und Tod. Im Mittelpunkt steht das „Individuo“, eine einsame Gestalt, die diesen Ort betreut, ohne Versprechungen zu machen oder Erklärungen zu liefern. Der Film entfaltet sich, während Zeit und Ort ineinanderfließen. Erlebtes, Erinnerungen und Vorstellungen existieren in einer stetigen Bewegung nebeneinander; Sinn entsteht durch Rituale, das Treibenlassen und die Rückkehr. An diesem Ort sind Schönheit und Tod untrennbar miteinander verwoben.
Kritik
Schönheit und Tod verbinden sich in Nathalia Acevedos mystischer Elegie, inspiriert von Mario Bellatins gleichnamigen Roman über die bedrückenden Parallelen in der sozialen Stigmatisierung kranker und queerer Menschen sowie beider Überschneidung und Kulmination während der AIDS-Epidemie. Letzte ist das unverkennbare reale Vorbild der namenlosen Seuche, die am Handlungsschauplatz schwule Männer äußerlich brandmarkt und dahinrafft. Der titelgebende Schönheitssalon wird zum Zufluchtsort der dem Tode geweihten, die der nur als El Individuo (Sam Louwyck) bekannte Protagonist versorgt.
Dass erkrankte Gäste nur in den zum Sterbehaus umfunktionierten Salon aufgenommen werden, wenn sie Männer sind und sichtbar von der rätselhaften Seuche gezeichnet, gibt dem düsteren Raum voller Aquarien eine bizarre Exklusivität. Dennoch wirken die Männer in den schummerigen Räumen, aus deren stickiger Enge Balthazar Labs Kamera in lichte, offene Traumszenen entweicht, wie ein menschliches Gegenstück der Fische Individuos. Während er die Fische vergeblich am Leben zu erhalten versucht, bereitet er seine Gäste lediglich auf den Tod vor.
Unterdessen steigt eindringendes Wasser immer höher in dem metaphorischen Moridero, in dem der junge Juan (Erwan Kepoa) als eine Figur zwischen manifestierten Erinnerung und spiritueller Fieberphantasie erscheint. Traum und Realität fließen ineinander, die Grenze zwischen Geist und Körper beginnt sich aufzulösen und auch die Story zerfällt in symbolisch überhöhte Vignetten. Ästhetik und Allegorik leiten nicht nur den mysteriösen Protagonisten, sondern augenscheinlich auch die Inszenierung mehr als eine klare Zielsetzung. Eine hypnotische Atmosphäre überlagert dramaturgische Desintegration.
Fazit
Als filmische Ode an die morbide Schönheit des in dem schwelgerischen Szenario allgegenwärtigen Verfalls funktioniert Nathalia Acevedos eigenwilliges Langfilm-Debüt besser als Arrangement szenischer Vignetten denn als abgeschlossene Erzählung. Die fragmentierte Handlung rührt an die toxischen Konzepte gesellschaftlicher Gesundheit und infektiöser Individualität, deren unmenschliche Konsequenzen aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden sollen. Doch systemkritische Ansätze bleiben isoliert und vage, genauso wie Referenzen an sterbende Körper als kunsthistorisches Faszinosum. Sam Louwycks androgyne Präsenz wird zum Zentrum einer phantasmagorischen Parabel.
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