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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In einem Backsteinhaus inmitten einer Favela in Rio schreit Sueli, schimpft und tröstet. Als Matriarchin einer lautstarken Grossfamilie wacht sie, unbeeindruckt von den Schüssen, die den Rhythmus ihres Alltags bestimmen, über ihre Kinder und Enkelkinder. In der Umgebung häufen sich die plötzlichen Todesfälle, die Kinder werden erwachsen, und das Haus verändert sich ständig durch endlose Reparaturen. Doch Sueli hält die Stellung.

Kritik

Bevor der Abspann Emma Boccanfusos persönlichen Porträts läuft, wendet sich die Regisseurin noch einmal direkt an ein Mitglied der brasilianischen Großfamilie, deren Alltag sie mit der Kamera über mehrere Jahre begleitet. Sie buchstabiert einer der Enkelinnen ihrer resoluten Protagonistin den Namen des brasilianisch-französischen Sängers Adriano Bico, dessen polizeikritischer Song die Credits begleitet. Die szenische Pointe unterstreicht die Vertrautheit in der Hausgemeinschaft, deren kleine Dramen und tägliche Herausforderungen in einer Favela Rio de Janeiros die Handlung bestimmen.

Zugleich zeigt diese aktive Integration der Familienmitglieder in den dokumentarischen Entstehungsprozess dessen Transparenz und ideosynkratische Dynamik. Die Gegenwart der Regisseurin ist der zentralen Persönlichkeit Sueli, ihren Kindern und Enkelkindern spürbar bewusst, doch verliert im Laufe der Überschneidung observativer und partizipatorischer Dokumentation an Bedeutung. In Chapéu Mangueira, beschäftigen die resolute Matriarchin existenzielle Faktoren. Das Viertel am Rande der Hauptstadt mit der Copacabana in Sichtweite und den von der Straße wiederholenden Schüssen liegt zwischen zwei lokalen Klischeekonzepten.

Im Bewusstsein deren Überpräsentation beschränkt sich das Szenario auf die Wohnung, deren Fenster nur einen begrenzten Blick auf die Gasse darunter geben. Gelegentliche Stromausfälle und die Geräusche der Bandenkriminalität gehören ebenso zu ihrer Routine wie die Sorge um die zwei Generationen an Nachkommen. Für jene bedeutet das Heim zugleich Geborgenheit und Einschränkung, in denen sich die Normalisierung von Gewalt und Tod bedrückend beiläufig manifestiert. Dennoch bewahrt das intime Gruppenbild eine emotionale Leichtigkeit als Gegengewicht zur titelgebenden Melancholie.

Fazit

So schwer zu umschreiben wie das Gefühl von Verlustschmerz und anhaltender Trauer, das zugleich Trost und Solidarität vermittelt, ist die eigenwillige Atmosphäre Emma Bucconfusos dokumentarischer Langzeitstudie. Natürlich ausgeleuchtete Handkamera-Aufnahmen, die bei Stromausfällen mit den Figuren in Dunkelheit verharren, schaffen eine unprätentiöse Authentizität. Synonym von Freiheit und den nur akustisch wahrnehmbaren Schießereien, ist das Draußen der Gegenpol zum klaustrophobischen Drinnen. Beide stehen auch für biographische und emotionale Aspekte; verborgene Gefühle und äußere Handlungen, unsichere Zukunft und raue Gegenwart. 

Kritik: Lida Bach

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