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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine Familie, die mit psychischen Problemen und Trauer zu kämpfen hat, findet Heilung und Freude auf einer aufmunternden und zugleich berührenden gemeinsamen Reise.

Kritik

Über ein Jahrzehnt Pause haben bei Jay Duplass offenbar einen kreativen Aufstau verursacht, den der für seine eigenwilligen Mumblecore Filme bekannte Indie-Regisseur nun abarbeitet. Nachdem er im vergangenen Jahr mit The Baltimorons eine überraschend feinfühlige RomCom vorlegte, betrachtet er in seinem Sundance Beitrag erneut die schmerzlichen, amüsanten und surrealen Facetten privater Krisen. Verlust und dessen Verdrängung sind dramatisch und dramaturgisch die Eckpunkte der tragikomischen Chronik seelischer Heilung und individueller Trauer. Zweite zeigt sich exemplarisch an der dysfunktionalen Familie des Protagonisten.

Nachdem selbstgewählten Tod seiner Schwester Leah (Kaitlyn Dever, Godzilla x Kong: Supernova) Tod quälen den egozentrischen Magazin-Autoren Aaron Whistler (Cooper Raiff, Cha Cha Real SmoothAlbträume, Aussetzer und Aggressionen. Zwischen dem formalen Prozedere und der Planung einer Beerdigung ringt die vierköpfige Restfamilie mit der Trauer. Vater und Anwalt Robert (David Duchovny, The Sympathizer) drängt sämtlichen seiner Klienten seine Gefühle auf. Mutter Page (Hope Davis, Der phönizische Meisterstreich) ringt zusätzlich mit einem gesundheitlichen Dilemma. Schwester Emily (Lucy Boynton, The Greatest Hitsbleibt äußerlich kühl und drängt ihren immer mehr eskalierenden Bruder, psychologische Unterstützung zu suchen, bevor er Leah folgt. 

Das von Stand-up Comedian Adam Cayton-Holland verfasste Skript basiert auf dessen 2018 erschienener Memoire über sein Ringen mit PTSD nach dem Freitod seiner jüngeren Schwester. Zwar determiniert diese reale Inspiration den Handlungsverlauf, nicht jedoch deren ambivalenten psychologischen und medizinischen Implikationen. Trauer erscheint nicht als natürlich, sondern pathologischer Prozess, den es zu Unterbinden gilt. Wer nicht wie Emily trotz inneren Kummers funktioniert, hat das zu reparieren. Dieser unerbittliche Utilitarismus trifft auch körperliche Krankheiten. Pages eigene klar artikulierte Wünsche erscheinen nachrangig gegenüber einer subtil etablierten moralischen Verpflichtung. 

Nach einem halben Dutzend Shorts und Spielfilmen auf Sundance, hat Jay Duplass dessen Indie-Indizien akkurat internalisiert. Vom Standard-Thema einer liebevollen, aber dysfunktionalen Familie über den alternativen Soundtrack bis zu kauzigem Humor und wehmütigen Retro-Details ist sein Prestige-Drama Musterbeispiel eines vom Hollywood Mainstream ununterscheidbaren Independent-Kinos. Raiffs angestrengte Performance verblasst gegenüber den subtileren Nebenrollen. Beider dramatisches Potenzial übergeht das unausgewogene Drehbuch, das die Hintergründe Leahs Freitods gänzlich ausblendet. Die menschliche Tragödie wird zum dramaturgischen Instrument einer Selbstinszenierung im doppelten Sinn, deren konventioneller Verlauf den Anspruch auf Authentizität unterminiert.

Fazit

Traum-Szenarien und subjektive Einstellungen verleihen Jay Duplass bittersüßem Familiendrama einen magisch-realistischen Touch. Jener verwischt die Grenzen zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Wunschdenken in einer Form, die den therapeutischen Ansatz vorwegnimmt. Wenn schmerzliche Erinnerungen hochkommen, einfach an was Schönes denken! Solche banalen Strategien bagatellisieren psychisches Leid und fördern statt Verarbeitung Verdrängung. Eine adrette Fassade scheint in dem formal und narrativ gleichsam konformistischen Familienalbum wichtiger als die Auseinandersetzung mit Konflikten. Das gilt für die dargestellte Familie genauso wie für die Inszenierung, deren verspielte Phantastik und sentimentales Score allzu anbiedernd ausfallen. 

Kritik: Lida Bach

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