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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In einer nahen Zukunft arbeitet Otone Komoto als Architektin. Sie ist mit Kensuke Komoto verheiratet, der ein Bauunternehmen leitet. Das Ehepaar beschließt, einen humanoiden Roboter wie einen Sohn bei sich aufzunehmen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

“Ich will mich mit Schwierigkeiten auseinandersetzen, ich will keine schnellen Lösungen.”, sagt Otone (Haruka Ayase, Honnouji hoteru) in s märchenhafter Meditation über die Technologisierung von Trauer und Tod. Für schwierige Gefühle steht in seinem bittersüßen Beitrags zu Cannes Wettbewerb eine solche schnelle Linderung bereit. Verstorbenen nachempfundene Androiden übertünchen in der futuristischen Filmrealität den Verlustschmerz Hinterbliebener. Diese beunruhigend wirklichkeitsnahe Option nutzen scheinbar besonders trauernden Eltern. Auch Otone und ihr pragmatischer Gatten Kensuke (Daigo, Last One Standing), deren kleiner Sohn Kakeru (Rimu Kuwaki) bei einem Unfall starb.

Eine Firma mit dem mehrdeutigen Namen ReBirth liefert per Drone die Roboter-Replikation, die Otone nach Anleitung zusammensetzt und startet. Derlei Referenzen an Steven Spielbergs A.I. bleiben jedoch eine verspielte Ausnahme in ihrer allegorischen Abbildung der Technologisierung von Sehnsüchten und Erinnerungen. Jene verkörpert Kakeru ebenso wie ein Ideal familiärer Vollkommenheit im doppelten Sinn. Paradoxerweise macht gerade diese Projektion elterlicher Erwartungen und Sehnsüchte Kakeru ähnlicher den menschlichen Kindern aus der Umgebung, mit denen er sich ebenso anfreundet wie mit anderen Androiden-Kindern.

Deren achtlose Behandlung seitens ihrer Quasi-Eltern initiiert einen solidarischen Bund unter den mechanischen und menschlichen Kindern des suburbanen Settings. Dessen Proximität von Hightech und Naturnähe spiegelt subtil die familiäre Konstellation, deren Wandel durch neue Technologien archaische Rollenbilder heraufbeschwört. Eltern sind zugleich Eigentümer*innen, die ihren Nachwuchs abschalten und ausrangieren können. Androiden-Kinder gelten nicht als Individuen, sondern existieren in einem rigiden Regelwerk. Als Gegenentwurf dazu basteln Kakeru und seine Kinder-Clique an einer eigenen Utopie ohne Erwachsene, irgendwo zwischen “Peter Pan” und Robin Hood. 

Monetarisierung und Mechanisierung von Trauer seitens ReBirth, der Preis des Hightech-Trosts und technologische Trauerbewältigung als großbürgerliches Privileg, die technokratische Invasion der intimsten und verletzlichsten Gefühlsebenen, die Lebens-Laufzeit des künstlichen Kakeru und womöglich bevorstehende erneute Trennung, die eigene emotionale Kapazität seines Programms, all dies bleibt unklar in einer Handlung, die mehr in Phantastik verwurzelt ist als in wissenschaftlichen Möglichkeiten. Aspekte klassischer Science-Fiction-Stoffe von “Frankenstein” über “Solaris” bis hin zu modernen Märchen-Motiven aus “Pinocchio” und “Der kleine Prinz” bleiben flüchtige Akzente in einer allzu naiven Elegie. 

Fazit

Vielzahl gewichtiger Themen lastet schwer auf der filigranen Handlung, die in kleinen Alltagsmomenten Hirokazu Kore-edas charakteristische sentimentale Sensibilität und soziologische Sensitivität findet. Doch die philosophische und psychologische Weite der ineinander greifenden Fragen - nach der Definition von Menschlichkeit, den Persönlichkeitsrechten der Toten, der unscharfen Grenze zwischen Heilung und Betäubung, der Kommerzialisierung privater Tragödien - sprengt letztlich den kleinen Rahmen des familiären Dramas. Gewohnt überzeugendes Schauspiel und zurückhaltende Bildsprache verleihen der ruhigen Inszenierung eine rare zwischenmenschliche Zartheit, doch die gesellschaftskritische Substanz bleibt ebenso karg wie das dramatische Momentum. 

Kritik: Lida Bach

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