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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Ein gefeierter Regisseur trifft sich wieder mit seiner entfremdeten Tochter – einer erfolglosen Schauspielerin –, um gemeinsam einen Film zu drehen; dabei stellen sie sich ihrer angespannten Beziehung sowie ungelösten Problemen aus der Vergangenheit, die keiner von beiden direkt ansprechen möchte.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Von außen betrachtet scheinen die Parallelen zwischen Rodrigo Sorogoyens (Wie wilde Tiere) defensivem Drama über eine vorbelastete Vater-Tochter-Beziehung und Joachim Triers filmischer Verarbeitung des gleichen Themas eklatant. Beide Werke behandeln die vorbelastete Beziehung eines prominenten Vaters und Regisseurs mit seiner entfremdeten Tochter, die ihrerseits Schauspielerin ist. In beider Plot katalysiert die nie aufgearbeiteten Konflikte des ungleichen Protagonisten-Paares ein Film-Projekt, der die Tochter unter die Regie des Vaters stellt. Beide haben einen Platz im Wettbewerb von Cannes und einen Stardarsteller in der Rolle des Vaters. 

Dessen Charakterisierung und schauspielerische Interpretation zieht jedoch eine rigorose Trennlinie zwischen den Interpretationen der Thematik. Javier Bardems, Dune: Part ThreeStar-Regisseur und Enfant terrible Esteban Martínez basiert seine chauvinistische Megalomanie auf eben jenem Konstrukt des männlichen Genies, den Triers Werk zementiert. Wie viel Ironie hinter dieser ostentativen Opposition steckt, ist unklar, doch die Handlung entwickelt sich um desillusionierten Dekonstrukt des kreativen Ideals. Dessen Widersprüche etabliert die gewagte Eröffnungsszene, die in über 15 Minuten die Unterhaltung Martínez mit seiner Tochter Emilia (Victoria Luengo, Bitteres Fest) beim ersten Wiedersehen darstellt. 

Sind die formalen Floskeln ausgetauscht, fällt das Gespräch auf gemeinsame Erlebnisse in Emilias Kindheit, die beide komplett gegensätzlich erinnern. Ein Kinobesuch endete damit, dass Martínez high und betrunken einen Fremden attackierte und seine Tochter nachts allein nach Hause lief. In einer Mischung aus Selbstbetrug und Scheinheiligkeit leugnet Martínez die Eskalation und die Drogen, denen er mittlerweile abgeschworen hat. Doch dass er nun Mineralwasser trinkt, ändert nichts an seinem Narzissmus, dessen psychologische Fallstricke sich während der Dreharbeiten nicht nur gegenüber Emilia offenbaren. 

Tatsächlich scheint der geläuterte Gestus Teil einer manipulativen Maskerade, mittels der er sein eigenes Bild in Medien und seinem Umfeld steuert. Der autoritäre Protagonist inszeniert sich selbst ebenso durchdacht wie seinen Film-im-Film; ein Historiendrama über den Sahrawi-Aufstand während des Westsahara-Kriegs, der das unterliegende Motiv der Rebellion gegen etablierte traditionalistische Machtstrukturen reflektiert. Wiederholt kommentieren die Dialoge, dass Verhalten wie Martínez legendäre Eskalationen, die ihn ebenso bekannt machten wie seine Filme, heute nicht mehr akzeptabel sei. Die Begeisterung, mit der jüngere Crew-Mitglieder davon erzählen, suggeriert anderes. 

Fazit

Mit dem instinktiven Gespür für schwelende Konflikte, dass er in seinem vergangenen Cannes-Beitrag The Beasts demonstrierte, seziert Rodrigo Sorogoyen die künstlerische Ausgabe toxischer Männlichkeit, die sich parallel auf beruflicher und privater Ebene entfaltet. Getragen von Javier Bardems organischem Porträt eines zwischen Grandiosität und Gewissensbissen schwankenden Filmemachers, entsteht eine komplementäre Analyse der fließenden Grenzen von Konstrukt, Rekonstruktion und Revision der Vergangenheit. Formale Akzente in Schwarz-Weiß implizieren den doppelten Boden der hintersinnigen Story, deren spürbare Faszination mit megalomanischer Maskulinität ihre Kritik daran untergräbt. 

Kritik: Lida Bach

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