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Quelle: themoviedb.org
Big the ink stained hand and the missing thumb

Inhalt

Die Geschichte folgt Santosh und Rajji, die in Nordindien Mautgebühren auf Autobahnen kassieren und von einem glücklichen Leben an einem neuen Ort träumen, bis eine plötzliche Tragödie ihr Leben völlig auf den Kopf stellt.

Kritik

Der abgelegene Zollposten im ländlichen Indien, an dem das desolate Protagonisten-Paar Yashasvi Juyals symbolreichen Spielfilmdebüts Mautgebühren einfordern, steht sinnbildlich sowohl für die systemischen Grenzen um ihre karge Existenz, als auch eine metaphysische Grenze zwischen Diesseits Welt und Jenseits. Während erstere schier unüberwindbar bleiben, erweist sich zweiter als erstaunlich durchlässig. Das erkennen die pragmatische Rajji (Bhumika Dube) und ihr optimistischer Partner Santosh (Dheeraj Kumar), als ein fataler Unfall ihre Wege zu trennen droht. Doch das Band ihrer Liebe widersteht selbst dem Tod.

Letzter hängt zu Beginn wie ein tragisches Urteil über den Liebenden, deren Tage Warten und Wunschträumen verzehren. Zeit und deren subjektive Paradoxa sind ein Schlüsselelement der allegorischen Inszenierung. Deren bewusste Langsamkeit und nervöse Ruhe formalisiert den sozialstrukturellen Stillstand der Figuren, deren Jugendjahre zerrinnen, währen die Arbeitsstunden an der Mautstelle sich endlos dahinziehen. Dipesh Manrals statische Kamera und beengte Einstellungen unterstreichen ihre ökonomische Einschränkung, denen schwerer zu entrinnen ist als dem Tod. Der ist als Teil des natürlichen Kreislaufs weniger beängstigend als Einsamkeit.

In der idyllischen Landschaft wirkt das schäbige Zollhäuschen wie kümmerliches Relikt und zugleich bedrückendes Symbol Santoshs und Rajjis sozialen und strukturellen Status: ein ewiger Schwebezustand, in dessen Offenheit er Möglichkeiten sieht und sie Leere. Untermalt von Nishant Ramtekes melancholischem Soundtrack weicht die sozialrealistische Sachlichkeit einer anderweltlichen Aura, in der Traum, Erinnerung und spukhafte Vision einander überlagern. Ein Hauch lakonischen Humors erleichtert das sozialkritische Szenario, das in das intime Drama geschickt Genre-Referenzen webt. Der alltägliche Existenzkampf erreicht die Protagonisten selbst im Jenseits - genau wie ihre Liebe. 

Fazit

Satte, dunkle Farben und grobkörnige Kamerabilder verleihen Yashasvi Juyals surrealer Story von Liebe, Tod und wirtschaftlicher Bedrängnis eine haptische Optik, die den gewichtigen Themenkomplex von Vergänglichkeit und Desintegration erdet. Kumar und Dube verleihen ihrem Figuren-Paar eine unprätentiöse romantische Chemie, geleitet von intuitiver Vertrautheit. Die Realität selbst besteht nur aus Fragmenten individueller Erinnerungen. Verschwinden deren Träger*innen, lösen sich auch Orte auf. Umgekehrt erschaffen intensive Erinnerungen physische Wahrheiten. Geistergeschichte und Sozialdrama verschmelzen organisch zu einer märchenhaften Romanze, deren symbolistischer Überbau ebenso erschöpfend wie reizvoll ist. 

Kritik: Lida Bach

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