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In einem letzten Gegenschlag gegen Terrorismus und Verbrechen plant die US-Regierung, ein Signal auszustrahlen, dass es den Menschen unmöglich macht, rechtswidrige Handlungen durchzuführen. Graham Bricke (Édgar Ramírez), ein mäßig erfolgreicher Berufsverbrecher, schließt sich mit dem berühmten Gangsterabkömmling Kevin Cash (Michael Pitt) und der Untergrundhackerin Shelby Dupree (Anna Brewster) zusammen, um den größten Coup des Jahrhunderts durchzuführen – und damit das letzte Verbrechen in der Geschichte der USA, bevor das Signal aktiviert wird.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Was ist es nicht für eine schicke Ausgangslage: Ein Signal wird dafür sorgen, dass es keine Kriminalität mehr in den Vereinigten Staaten gibt. Noch eine Woche und die Regierung setzt das System in Kraft. Der Unterwelt bleiben also noch eine Woche, um die ganz großen Dinger durchzuziehen, denn ist das API (American Peace Initiative) erst einmal aktiviert, muss ein neuer, legaler Job her, um das Konto zu füllen. Für einen Genre-Film eine prima Punkt, um einen mitreißenden Film zu beginnen und wenn's noch etwas exklusiver und intelligenter werden soll, kann ja auch die interessante Frage behandelt werden, wie moralisch vertretbar solch ein Einschnitt in die persönliche Freiheit ist. Tja, oder man macht es wie Netflix und produziert The Last Days of American Crime, einen tumben, unaufregenden, ineffizienten und einfach nur furchtbar langweiligen Action-Heistmovie.

Doch ein klein wenig Lob muss ausgesprochen werden, denn machte der französische Regisseur seinen Namen in den letzten Jahren mit Filmen wie Colombiana und 96 Hours - Taken 3 zum Sinnbild hektischer, unübersichtlicher Action, so beweist er hier, dass er es anscheinend doch kann Action mit der Kamera so einzufangen, dass der Zuschauer im groben die Übersicht behält. Das soll nicht heißen, dass die wohl kostengünstig in Südafrika gedrehte Netflix-Produktion große, explosive wie kinetische Momente zu bieten hat. Ganz im Gegenteil: Die Prügeleien, Verfolgungsjagden und Schießereien von The Last Days of American Crime sind zum einen recht rar, zum anderen allerhöchstens auf dem Niveau von mittelmäßiger bis solider Hausmannskost. Aber hey, das ist definitiv ein Fortschritt für Monsieur Megaton.

Unpassend zur Bezeichnung Fortschritt sind indes die Figuren. Hauptdarsteller (Joy - Alles außer gewöhnlich)konnte bereits beweisen, was in ihm steckt, aber hier versucht er so verbissen auf cool und hartzumachen, dass seine Rolle des Graham Bricke immer irgendwie zwischen Parodie und Selbstzweck changiert. Er ist nicht der Einzige! Das Gleiche lässt sich auch über (Funny Games U.S.) sagen. Ein toller Darsteller, der hier aber nur das Einmaleins der soziopathischen Abziehfigur verkörpert. Dazu passend darf Model und Schauspielerin (Star Wars: Das Erwachen der Macht) als Femme Fatale herumstolzieren, die natürlich nicht so eiskalt ist, wie sie tut. Anders ausgedrückt: Die Charaktere des Films, damit sind auch kleinste Nebenrollen gemeint, sind billige Klischees. Billiger ist es eigentlich nur, mit wie viel Stolz das Script einem bereits früh absehbare Twists verkaufen will. Von einigen Logikfragen wollen wir hier gar nicht erst anfangen.

Das Schlimmste an The Last Days of American Crime ist aber, dass es den Machern nicht gelingt den fast zweieinhalb Stunden langen Film mit Inhalten zu füllen. Stattdessen wird die mickrige Geschichte elendig ausgewalzt. Wäre halb so wild, wenn es andere Qualitäten gäbe, wie etwa das Worldbuilding. Aber dafür tut der Film zu wenig! Zu Beginn hochnotpeinliche Off-Kommentare einzuspielen und ein bisschen Straßengewalt zu zeigen, macht noch keine greifbare, authentische Welt und das immer wieder auf die verbleibende Zeit, bis zur Einschaltung des Signals, hingewiesen wird, macht einfach viel zu deutlich, dass es sich bei dieser Prämisse eigentlich nur um einen Countdown handelt und nein, der Spannung zuträglich sind die Verweise auf die Restzeit nicht. Warum? Weil die Figuren nie entsprechend reagieren. Bornierte Coolness triumphiert durchgängig bei The Last Days of American Crime. Das zerrt am Nervenkostüm, genau wie die Dialoge.

Wobei das Wörtchen Dialoge zu weit gegriffen ist. Wenn sich nämich in diesem Film zwei Menschen unterhalten, dann kommt aus ihren Mündern im Grunde nur Exposition. Leider erklären sie dabei aber nicht, die wirklich interessanten Fragen, die nach der Sichtung hängen bleiben, wie z. B. diese hier: Welchen Sinn hatte die Figur von District 9-Darsteller eigentlich? Eine Antwort darauf zu finden scheint machbar, ob diese aber befriedigend ist, darf im höchsten Maße bezweifelt werden. Eine andere Frage, die der Film quasi aufwirft, ist diese hier: Sollte Netflix seinen Filmschaffenden stets freie Hand lassen, bei der Entfaltung ihrer kreativen Visionen? Wer hier mit Ja antwortet, hat wohl The Last Days of American Crime nicht gesehen.

Fazit

Von den öden Figuren, bis hin zur viel zu langen Laufzeit über das Desinteresse an der eigenen, vielversprechenden Ausgangslage: Bei „The Last Days of American Crime“ stimmt fast gar nichts und das, was funktioniert ist auch nicht mehr als schulterzuckendes Mittelmaß.

Autor: Sebastian Groß

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