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Der frisch aus dem Gefängnis entlassene Brite Wilson reist nach Los Angeles, um die Todesumstände seiner gerade auf mysteriöse Weise verstorbenen Tochter aufzuklären. Und nichts kann ihn davon abhalten.

Kritik

Während der chamäleonhafte Steven Soderbergh (Traffic – Macht des Kartells) viel positive Aufmerksamkeit für seinen gleichermaßen aufregenden wie klugen Out of Sight aus dem Jahre 1998 einfahren konnte, verschwand der ein Jahr später entstandene Rachefilm The Limey ohne Umwege in der Versenkung. Konnte der für einen Drehbuch-Oscar nominierte Thriller mit George Clooney und Jennifer Lopez bereits durch ein ungemein ausgefeiltes Storystelling und Soderberghs allseits bekannten Hang zum Achronologischen glänzen, begab sich The Limey auf die Suche nach der einer Wahrheit, die zwischen den Bildern steckt. Die Devise in diesem Fall is eindeutig: Körper vergehen, Bilder bleiben für die Ewigkeit bestehen. Herausgekommen ist dabei vor allem ein Werk, welches die Regeln des Genre-Kinos und die Kontinuität zwischen Zeit und Raum auf den Prüfstand stellt.

Steven Soderbergh appelliert an die überzeitliche Kraft von Bildern. Immer wieder streut er Sequenzen aus Ken Loachs Poor Cow ein, in denen sich ein blutjunger, lachender, liebender Terence Stamp (Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung) vor der Kamera zeigt. Eine Reminiszenz, quasi eine Art Erinnerungsprothese, nicht aus filmischer Perspektive. Dem gegenüber steht nicht nur der eigentliche Film, The Limey, sondern damit auch ein weißhaariger, in die Jahre gekommener Terence Stamp, der sich als Vater auf die Suche nach dem Mörder seiner Tochter macht. Sein halbes Leben hat er hinter Gittern verbracht. Gerade erst ist er wieder auf freiem Fuß und sieht sich schon wieder dazu gezwungen, zur Waffe zu greifen. Das klingt nach Stangenware, oder? Nach obligatorischer, niedertriebiger Vergeltung, besetzt mit Charles Bronson (Der Liquidator).

Mit The Limey allerdings dekonstruiert Steven Soderbergh das Sujet des Revenge-Thrillers und baut auf eine unorthodoxe, geradezu avantgardistische Montagetechnik, die sich der Regisseur bei einem seiner großen Vorbilder, Jean-Luc Godard(Elf Uhr nachts), abgeschaut hat. Dialoge werden vom eigentlichen Geschehen abgespalten, auf verschiedene Zeit- und Handlungsebenen verteilt, was die Wahrnehmung des Zuschauers nicht nur hinterfragt, sondern auch neu konfiguriert. Die Worte, die bisweilen auf gespenstische Art und Weise aus dem Nichts kommen, entstammen nicht zwangsläufig dem gegenwärtigen Moment, sondern gleichermaßen dem Gestern und dem Morgen. Dadurch stimmt Steven Soderbergh einen konzentrierten und experimentellen Diskurs über die Bedeutung von Zeit an. Vor allem darüber, wie schwer man dieser zu leiden hat, wenn man sie verschwendet. Das ist melancholisch, grimmig und – nicht nur technisch - unheimlich interessant.

Fazit

Mit "The Limey" forciert Steven Soderbergh einen spannenden Diskurs über die Bedeutung von Zeit. Dazu nimmt er sich das Konzept eines sehr klassischen Rachethrillers und transzendiert die Regeln des Genres sowie die Kontinuität zwischen Zeit und Raum durch eine geradezu avantgardistische Montagetechnik, die "The Limey" über die Stangenware hebt, die er oberflächlich zu sein scheint. Experimentell, melancholisch, grimmig und – nicht nur technisch – durchaus interessant.

Autor: Pascal Reis

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