Eine Zeit lang wirkte es so, als könnte man sich vor neuen Star Wars-Filmen im Kino gar nicht mehr retten. Dann kam Der Aufstieg Skywalkers … und Corona. Jetzt, 2026, ist der letzte Star Wars-Film auf der großen Leinwand bereits 7 Jahre her. Ein Ende der Star Wars-Übersättigung bedeutete diese Zwangspause aber nicht. Insgesamt 9 große Star Wars-Serien erschienen zwischenzeitlich auf dem hauseigenen Streaming-Service Disney Plus. Den Startschuss gab die erste Staffel von The Mandalorian, die sich vom gewohnten Star Wars-Canon entferne und statt Skywalker und Lichtschwert lieber die zwielichtigen Ecken des Universums fokussierte. Heute, im Jahr 2026, soll genau auf diese Weise eine neue Star Wars-Offensive im Kino gestartet werden. Nächstes Jahr erwartet uns Star Wars: Starfighter mit Ryan Gosling, jetzt versucht The Mandalorian and Grogu die Zuschauer wieder in eine weit entfernte Galaxis zu locken.
Und das passiert – ebenso wie zum Serienstart 2019 – angenehm unaufgeregt und simpel. Keine Skywalkers, keine Jedi, wenig Referenzen oder narrative Umwege, um weitere Franchises zu etablieren – nicht einmal eine Post Credit-Sequenz hat es in den fertigen Film geschafft. Stattdessen kann The Mandalorian and Grogu es sich in dem bereits etablierten Bett der ersten Staffeln gemütlich machen, ohne endlos zu erklären, wer die Hauptfiguren sind und wie die Welt funktioniert. In anderen Filmen mag eine solche Simplizität langweilen, im überfrachteten Star Wars-Franchise sorgt sie für eine angenehme Frische. Selbst Personen, die The Mandalorian nie gesehen haben, werden sich hier schnell zurechtfinden – eine gewisse Affinität für Star Wars vorausgesetzt. Manchmal reicht es eben doch, einfach eine kleine, aber feine Abenteuergeschichte zu erzählen.
Tatsächlich fühlt sich The Mandalorian and Grogu, der eine geplante vierte Staffel ersetzt, ein bisschen so an, als hätte man 2 Episoden der Serie zusammengenäht – nur mit mehr Action, etwas größeren Set-Pieces und jeder Menge CGI-Glibberaliens. Jon Favreau (Iron Man) und sein Team geben sich alle Mühe auch den Fans, die sich einen fulminanten Restart ins Star Wars-Universum wünschen, etwas zu bieten. Seien es Verfolgungsjagden in neonbeleuchteten Städten, Feuergefechte in luftigen Höhen oder tiefen Slums oder Faust- und Schwertkämpfe in außerirdischen Arenen, The Mandalorian and Grogu läuft den Spagat zwischen Nebenquestgefühl und Blockbuster meist gelungen. Auch wenn die Action mit Blick auf die simple Rahmenhandlung, in der Mando und Grogu den Sohn von Jabba The Hut (gesprochen von The Bear-Star Jeremy Allen White) retten müssen, in ihrer Taktung hier und da etwas übers Ziel hinausschießt und sich gerade im Mittelteil des Films etwas Übersättigung einstellt.
Aber das sind Ausnahmen. In seiner zweiten Hälfte gelingt es The Mandaloran and Grogu sogar sich hier und da etwas zu bremsen und seine Hauptfiguren zu fokussieren. Geht die erste Hälfte des Films noch sehr nach vorne und bietet einen sympathischen Mix aus Western- und Neo-Noirelementen, fährt die zweite Hälfte deutlich runter, gibt Mando und Grogu Raum zum Atmen und ihre Beziehung zu vertiefen. Das nimmt dann keine tiefgründigen Züge an und bleibt stehts an der gewohnten Star Wars-Oberfläche, zeigt aber erneut, dass es den Machern hier wichtiger ist ein rundes Filmerlebnis zu produzieren, anstatt den Fans alle fünf Minuten einen (leeren) Grund zum Jubeln zu spendieren.
Pedro Pascal (Eddington) spricht (in der Rüstung stecken über 90% des Films der Schauspieler Brendan Wayne und der Stuntman Lateef Crowder dos Santos) seinen Mandalorianer dabei gewohnt charmant, hinzu kommen ein paar nette Cameos in weiteren Voice-Over-Rollen. Und ja, das sind primär Voice-Over, da The Mandalorian and Grogu auf eine überraschende Vielzahl von computeranimierten Wesen setzt und den Ansatz praktischer Effekte im Vergleich zur Vergangenheit eher reduziert. Klar, die Puppenspielertricks, gepaart mit smartem CGI, machen bei Hauptfigur Grogu erneut einiges her– viele andere Charaktere fügen sich optisch aber so gar nicht in das Gesamtbild des Films ein und erzeugen, um es platt zu sagen, in vielen Momenten eine recht hässliche Bildsprache.
Neben der leicht überstrapazierten Laufzeit und einem nicht immer optimal balancierten Pacing, ist das wohl der größte Kritikpunkt an diesem Film, rüttelt der Einsatz von CGI nämlich immer wieder an der sonst recht wirksamen Atmosphäre. Immerhin der Soundtrack von Ludwig Göransson (Blood & Sinners) weiß zu begeistern und sorgt sogar in ein, zwei Momenten für echte Gänsehaut. Auch das ist bei Star Wars ja eher eine Seltenheit geworden.