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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

England im 14. Jahrhundert wird von den Folgen einer verheerenden Pestwelle, hoher Steuerlast und wachsender sozialer Ungleichheit geprägt. Während sich die Unzufriedenheit über die Herrschaft des jungen Königs Richard II. (Woody Norman) im ganzen Land ausbreitet, schließt sich der einfache Bauer Ploughman (Andrew Garfield) einer Gruppe von Rebellen an. Angeführt werden die Aufständischen von Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell), die zum Widerstand gegen die Krone aufrufen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach London, wo sich der Protest gegen die herrschenden Verhältnisse zunehmend zuspitzt. Die Auseinandersetzungen mit den Machthabern eskalieren schließlich in gewaltsamen Kämpfen. Als die Lage außer Kontrolle zu geraten droht, sieht sich Richard II. zu Verhandlungen gezwungen. Ob der Bauernaufstand seine Forderungen durchsetzen kann, entscheidet sich im weiteren Verlauf der Ereignisse.

Quelle: themoviedb.org

Kritik

Ausgerechnet ein vierzehnjähriger Junge sitzt auf dem englischen Thron. Während König Richard II. mit der Last seiner neuen Verantwortung ringt, zerfällt das Land um ihn herum unter den Folgen der Pest, sozialer Ungleichheit und einer immer rücksichtsloser agierenden Obrigkeit. England im 14. Jahrhundert ist der Schauplatz von The Uprising – Für die Freiheit, der den historischen Bauernaufstand als Ausgangspunkt für ein Drama über Macht, Wut und gesellschaftliche Spannungen nimmt. Dabei geht es weniger um eine akkurate Rekonstruktion der Ereignisse als um die Frage, wie aus Unterdrückung und Verzweiflung eine Bewegung entstehen kann, die sich irgendwann nicht mehr kontrollieren lässt.

Zwischen Elend und Macht

Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung) führt in eine Welt, in der gesellschaftliche Unterschiede kaum drastischer ausfallen könnten. Während die einfache Bevölkerung im Schmutz lebt und sich gegen Hunger, Krankheit und immer neue Forderungen der Obrigkeit behaupten muss, ist der Hof von einer geradezu grotesken Pracht geprägt. Diese Gegensätze werden nicht lediglich als dekorativer Hintergrund verwendet. Sie bestimmen die Perspektive des Films. Der Zorn der Bauern entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus einer permanenten Erfahrung von Demütigung und Machtlosigkeit.

(After the Hunt) verkörpert einen Mann, dessen persönliche Verluste diese allgemeine Verzweiflung noch verschärfen. Er hat seine Familie an die Pest verloren und findet sich schließlich in einem Konflikt wieder, der weit über sein eigenes Schicksal hinausweist. Zunächst erinnert die Geschichte an klassische Aufstandsfilme, in denen ein gebeutelter Einzelner zum Gesicht einer größeren Bewegung wird. Doch The Uprising bleibt nicht bei dieser vertrauten Dramaturgie stehen. Statt die Perspektive ausschließlich auf die Unterdrückten zu konzentrieren, verschiebt der Film seinen Blick immer wieder auf jene, die den Aufstand mit ihrer Politik überhaupt erst heraufbeschwören.

Besonders reizvoll ist dabei der junge König Richard II. (, Come on, Come on). Er erscheint zunächst weniger als souveräner Herrscher denn als überforderter Junge, der an der Verantwortung zerbricht, die ihm aufgebürdet wurde. Gerade diese Schwäche macht seine spätere Entwicklung interessant. Allerdings vollzieht sie sich zu abrupt. Wo zunächst Angst und Unsicherheit dominieren, tritt später beinahe unvermittelt ein neues Selbstbewusstsein an ihre Stelle. Dramaturgisch hätte diese Transformation mehr Zeit verdient. Dennoch entwickelt sich daraus ein wirkungsvolles Gegenüber zum eigentlichen Protagonisten: zwei junge beziehungsweise vom Leben gezeichnete Männer, die auf völlig unterschiedlichen Seiten eines gesellschaftlichen Konflikts stehen.

Der Film profitiert dabei von einem Ensemble (unter anderem und ), das seine Figuren nicht wie historische Schaubilder behandelt. Besonders die Darstellung des höfischen Umfelds besitzt eine eigentümliche Übertreibung, die beinahe ins Groteske kippt. Opulente Kostüme und kunstvolle Frisuren stehen unmittelbar neben Bildern von Menschen, die im Dreck hausen. Dieser visuelle Gegensatz ist plakativ, aber wirkungsvoll. Er macht sichtbar, wie weit sich die Lebenswelten voneinander entfernt haben.

Das Epos, das keines sein will

Seine begrenzten finanziellen Möglichkeiten kann The Uprising allerdings nicht vollständig verbergen - vor allem wenn mal wieder digitale Hintergründe sich über die Leinwand erstrecken. Gerade bei einem Stoff, der nach großen Menschenmengen, weitläufigen Schlachtfeldern und historischen Stadtbildern verlangt, wird die Inszenierung gelegentlich zur Kunst des Verbergens. Die Kamera bleibt häufig dicht an den Figuren, größere Auseinandersetzungen werden stark fragmentiert. So entsteht zwar Dynamik, zugleich lässt sich erahnen, dass die behauptete Größe des Geschehens mit relativ überschaubaren Mitteln erzeugt wurde. Hinzu kommen einige digitale Effekte, deren künstlicher Charakter deutlich hervortritt.

Das ist bedauerlich, aber keineswegs fatal. Denn The Uprising entwickelt seine Wirkung ohnehin weniger über spektakuläre Massenszenen als über die Atmosphäre und die innere Spannung des Konflikts. Wer einen wuchtigen historischen Actionfilm erwartet, dürfte deshalb ernüchtert reagieren. Die Gewalt ist vorhanden und bisweilen von unangenehmer Direktheit, doch sie wird nicht zum eigentlichen Schauwert erhoben. Viel interessanter ist die Frage, was Menschen aus ihrer Wut machen, sobald die Ordnung, gegen die sie sich auflehnen, ins Wanken gerät.

Genau hier wird der Film überraschend ambivalent. Die Aufständischen kämpfen gegen Ausbeutung und Willkür, doch ihre moralische Überlegenheit hält nicht lange stand. Aus berechtigtem Zorn kann blinde Gewalt werden, aus Widerstand ein Mob, der plündert, brandschatzt und sich schließlich auch gegen Menschen richtet, die mit dem ursprünglichen Anliegen kaum etwas zu tun haben. Der Film spart diese hässlichen Seiten des Aufstands nicht aus. Damit verweigert er sich einer bequemen Heldenerzählung, in der die Unterdrückten automatisch auf der richtigen Seite stehen.

Gleichzeitig bemüht sich die Geschichte darum, selbst für ihre radikaleren Figuren einen emotionalen Zugang zu finden. Die ehemalige Nonne Alyce (, Last Night in Soho) etwa wirkt zunächst wie eine fanatisierte Anhängerin des Predigers John Ball (, All of Us Strangers). Erst nach und nach wird deutlich, welche Erfahrungen hinter ihrer Verbitterung stehen. Das macht ihre Haltung nicht automatisch richtig, aber verständlicher. Und genau darin liegt eine der interessanteren Qualitäten des Films: Er versucht, Wut nicht zu entschuldigen, sondern ihre Entstehung zu begreifen.

Historie als Ausgangspunkt, nicht als Dogma

Deshalb sollte The Uprising auch nicht mit dem Anspruch betrachtet werden, eine verlässliche Geschichtsstunde zu liefern. Die historischen Ereignisse dienen als Gerüst, auf dem der Film sein eigenes Drama errichtet. Das funktioniert, solange man bereit ist, diese Freiheit zu akzeptieren. Er will nicht rekonstruieren, sondern dramatisieren; nicht jede Einzelheit erklären, sondern eine Vorstellung davon vermitteln, wie sich eine solche gesellschaftliche Eruption angefühlt haben könnte.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Film seinen Konflikt nicht mit einer eindeutigen moralischen Schlussfolgerung beendet. Stattdessen wartet in den letzten Minuten eine Wendung, die dem Geschehen rückwirkend eine zusätzliche Dimension verleiht. Sie wirkt beinahe wie der Auftakt zu einer Origin Story und steht historisch nicht unbedingt auf sicherem Boden. Dramaturgisch funktioniert sie dennoch, weil sie nach einem vergleichsweise klassischen Historienfilm plötzlich einen unerwarteten Gedankenraum öffnet.

The Uprising – Für die Freiheit erweist sich als ein bemerkenswert fähiger Unterhaltungsfilm. Seine historische Genauigkeit ist zweitrangig, seine Schauwerte sind durch das Budget begrenzt und manche Entwicklungen hätten eine sorgfältigere Vorbereitung verdient. Dafür besitzt er eine klare Vorstellung davon, welche Geschichte er erzählen möchte. Er zeigt nicht nur Unterdrückung und Widerstand, sondern interessiert sich für den Moment, in dem aus berechtigter Empörung etwas Unkontrollierbares entsteht. Das macht ihn weder zum großen Historienepos noch zur tiefschürfenden Geschichtsstunde. Aber zu einem Film, der seine rund zwei Stunden trägt, gelegentlich überrascht und vor allem eines schafft: Er lässt die Vergangenheit weniger fern erscheinen, als sie zunächst wirkt.

Fazit

Zwischen dreckigem Mittelalter, politischer Intrige und entfesselter Wut entfaltet sich ein Historienfilm, der nicht jede erzählerische Unebenheit kaschieren kann. Dafür überzeugt er mit Ambivalenz und einem starken Ensemble.

Kritik: Sebastian Groß

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