6.8

MB-Kritik

Tokyo Gore Police 2008

Action, Sci-Fi, Comedy, Horror – USA, Japan

6.8

Eihi Shiina
Itsuji Itao
Yukihide Benny
Jiji Bû
Ikuko Sawada
Cay Izumi
Mame Yamada
Ayano Yamamoto
Akane Akanezawa
Tsugumi Nagasawa
Maiko Asano
Daisuke Matsuki
Naofumi Murata
Takashi Shimizu
Oppe Ma
Sion Sono

Inhalt

Japan in einer nicht allzu fernen Zukunft: Um dem Verbrechen schlagkräftig Einhalt zu gebieten, wurde die Polizei privatisiert. Die Tokyo Police Corporation geht mit aller Härte gegen jede Form des Unrechts vor und kennt nahezu keine Grenzen bei der Pflichtausübung. Doch eine Bande von Superschurken, genannt "Die Ingenieure", stellt die Polizei vor unlösbare Aufgaben. Mit Hilfe von Genmanipulation sind die Verbrecher in der Lage, sich durch Mutationen zu fast unbesiegbaren Kampfmaschinen hochzurüsten. Nur die junge Polizistin Ruka scheint dieser Bedrohung gewachsen zu sein. Doch sie hat nicht nur das Gesetz vor Augen, wenn sie auf ihre unbarmherzige Mutantenjagd geht, denn der Anführer der Gen-Gangster hat ihren Vater auf dem Gewissen. Doch um Rache an ihm zu nehmen, muss sich Ruka erst durch ganze Gangsterhorden metzeln. Ein Weg, den sie all zu gerne in Kauf nimmt...

Kritik

Der Splatterfilm als Kunstform ist vermutlich nie so richtig im Mainstream angekommen. Sicherlich ist es schwer, hinter all den Hektolitern an Blutfontänen und abgetrennten Gliedmaßen oder herausgerissenen Organen einen gewissen Sinn für Kunst zu erkennen, zumal viele Vertreter dieses Subgenres auch sichtbar darum bemüht sind, wirklich nur primitivste Erwartungen zu bedienen und auf billigem Amateur-Niveau anzusiedeln sind. Trotzdem gibt es immer wieder Splatterfilme, die auch eine breitere Zuschauerschaft für sich begeistern können. Werke wie "Braindead" oder "Tanz der Teufel" sind längst keine Geheimtipps mehr und haben ihren Platz im popkulturellen Gedächtnis ebenso gefunden wie seichte Mainstream-Komödien. Wer allerdings immer abstrusere, immer extremere und kaum zu fassende Exemplare des experimentellen Splatterfilms finden möchte, für den lohnt sich der regelmäßige Blick auf den japanischen Filmsektor. 

Regisseur  ("Supîkâman: The Boo ") hat mit seinem "Tokyo Gore Police" solch ein erstaunliches Werk der Extreme geschaffen, das bereits bei seinem Erscheinen einiges an Aufmerksamkeit generiert hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft für viele als Kultfilm und Referenz für abgedrehte Splatterfilme herhalten darf. Nishimura zeichnet das Bild einer nicht näher definierten Zukunftsvision, in der die Polizei privatisiert wurde und mit härtesten Mitteln für das Wohl der Gesellschaft kämpft. Ihre härtesten Gegner stellen sogenannte "Ingenieure" dar. Eine neue Art Superverbrecher, die aufgrund einer sonderbaren Body-Modification über die Fähigkeit verfügen, dort Waffen nachwachsen zu lassen, wo ihnen ein Körperteil abgetrennt wird. Diese bereits äußerst spezielle Ausgangslage einer dystopischen Science-Fiction-Welt bildet den Spielplatz für ein orgiastisches Splatter-Fest, wie man es selten zuvor erleben durfte. Um "Tokyo Gore Police" vollständig genießen zu können, ist eine Vorliebe für andersartige, extrem brutale und völlig überzogene Filme ein unbedingtes Muss. Der Regisseur treibt den Blutzoll dabei direkt in der Eröffungssequenz in astronomische Höhen und gibt die Marschrichtung vor, in die sich der Film über seine gesamte Laufzeit hinweg bewegt. 

Neben seinen regelrecht comichaft überzogenen Gewaltszenen ist der Streifen eine wahre Freakshow, bei der aufgrund der Eigenschaften der "Ingenieure" ein wahnwitziges sowie ekelerregendes Kreaturen-Design nach dem anderen aufgefahren wird. Sehr leicht ließen sich an dieser Stelle denkwürdige Beispiele aus dem Film schildern, doch die soll jeder für sich selbst entdecken, sobald der Entschluss feststeht, sich diesen Film anzusehen. Nur soviel: Um das Wesen von "Tokyo Gore Police" einigermaßen in Worte zu fassen, könnte man sagen, der Splattergrad von "Braindead" trifft auf den exzessiven Stil von Takashi Miike trifft auf den surreal-ekelhaften Body-Horror eines David Cronenberg.  Doch der Film reiht nicht einfach nur schwindelerregend brutale und bizarr überspitzte Setpieces aneinander, sondern interessiert sich darüber hinaus überraschenderweise auch zumindest in Ansätzen für Figuren und Handlung. Immer wieder werden einige Werbespots dazwischen geschnitten, die in ihrer beißend grotesken Übertreibung für satirischen Charakter sorgen und gewisse Anflüge einer schrillen Mediensatire zum Ausdruck bringen. Außerdem konnte man mit  ("Audition") eine etwas bekanntere Darstellerin für die Hauptfigur der Polizistin Ruka verpflichten, der ein persönlicher wie tragischer Hintergrund angedichtet wird, der im finalen Drittel noch stärker an Relevanz gewinnt. Hier versucht der Film tatsächlich, tiefgründigere Facetten für seine Charaktere zu streuen und Rollenbilder zu drehen oder zu kippen. Nichtsdestotrotz wird der eingeschlagene Kurs nie grob verlassen und so heißt es dann auch am Ende: "More gore coming soon". Aber wie soll das hier noch getoppt werden?

Fazit

"Tokyo Gore Police" wirft mit derart vielen kranken Ideen und originellen Einfällen um sich, dass der Inhalt vielleicht sogar für drei Filme gereicht hätte. Trotz der Anflüge von beißender Mediensatire und etwas tiefgehender Charakterisierung ist der Film aber in erster Linie eine wahnwitzige, ultrabrutale und kaum zu erfassende Splatter-Achterbahnfahrt, ein Vergnügungspark der bizarren Mutationen, grauenvollen Eskalationen und trashigen Ausreißer. Für Fans von Takashi Miike, David Cronenberg und generell vollkommen geisteskranken Extremfilmen!

Autor: Patrick Reinbott
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