MB-Kritik

A Good Little Soldier 2026

Drama

Alba Rohrwacher
Vincent Lindon
Sharif Andoura
David Talbot

Inhalt

Die Geschichte folgt Carla, einer leistungsstarken, 43-jährigen Führungskraft, die als neue Personalchefin bei einem großen Versicherungsunternehmen eingestellt wurde. Ihre Aufgabe ist es, das Markenimage in einem Unternehmensumfeld neu aufzubauen, in dem Verletzlichkeit nicht als Stärke gilt.

Kritik

Das pessimistische Fazit Stéphane Brizés (Zwischen uns das Leben) dramaturgischer Rückkehr zu der ihm wohlvertrauten Thematik toxischer Arbeitsstrukturen ist ironische passend für ein Werk, das selbst die patriarchalischen Prinzipien des kritisierten Systems verinnerlicht hat. Alba Rohrwachers (A Common Story) exzellente Darstellung einer Personalmanagerin, deren kontrollierte Professionalität als Ausdruck der Assimilation an eine ausbeuterisches Betriebsklima gewertet wird, wird zum emotionalen Momentum einer schwarzhumorigen Sektion moralischen Wertverlusts zum Zweck betrieblicher Wertsteigerung. Eine Serie analytischer Vignetten illustriert die manipulativen Machtspiele in einer nur nominell progressiven Unternehmenskultur. 

In diesem unerbittlichen Apparat, der diejenigen, die ihn zusammenhalten systematisch zermahlt und ersetzt, hat sich Carla Moretti (Rohrwacher) eine Spitzenposition erkämpft. Im Auftrag ihres neuen Auftraggebers soll sie das Wohl der Angestellten einer führenden Versicherungsgesellschaft überprüfen und gleichzeitig die Erfüllung der Leistungsziele sichern. Es ist eine schier unmögliche Aufgabe in einem Berufsumfeld, das vor privaten Belangen stets absolute Priorität einfordert. Doch weil Burn-Out und Depression nicht zum öffentlichen Image der Firma passen, wird Ausgeglichenheit zu einer zusätzlichen Arbeitsaufgabe. Buchstäbliche Performance ist Teil der professionellen Performance. 

Allseitiger Druck bei gleichzeitiger Abwesenheit positiver Erlebnisse wird zur zynischen Pointe. Bei einer Psycho-Coaching-Runde nach dem schönsten Erlebnis der letzten 24 Stunden, nennt eine Angestellte die kurze Fahrstuhl-Wartezeit. Carlas Vorgesetzter Arnaud Boronat (Vincent Lindon, Che Guevara: The Last Companions) weiß um die desolaten Zustände in dem gläsernen Gefängnis und akzeptiert sie mit machiavellistischem Machismo. Dass Brizé die einzige Frau in einem von Männern geschaffenen und kontrollierten System für ihre moralischen Kompromisse anklagt, perpetuiert die sexistische Doppelmoral der abgebildeten Betriebsstrukturen. Anders als ihre Kollegen wird Carlas Karriere-Kompetenz mit privatem „Versagen“ gleichgesetzt. 

Fazit

Der Titel Stéphane Brizés bissiger Business-Satire definiert die professionelle Reduktion der Hauptfigur zu Kämpferin einer entmenschlichten Maschinerie. Dementsprechend existieren die Angestellten nur in der Firma, deren unterkühlte Sphäre Antoine Héberlés strenge Kameraführung nie verlässt. Alba Rohrwachers Porträt vereint brillant Opfer und Mitverantwortliche des spätkapitalistischen Klimas. Indes wertet das regressive Narrativ die berufliche Effizienz der Protagonistin als Versagen in den vorgeblich „wahren“ weiblichen Qualitäten Mütterlichkeit und Häuslichkeit. Der empathische Gestus der Inszenierung kaschiert deren patriarchalische Dialektik, so wie das kameradschaftliche Vokabular der Personalführung deren rigorose Entscheidungen. 

Autor: Lida Bach
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