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Die Dämonologen Ed und Lorraine Warren sind fest entschlossen, Annabelle daran zu hindern, weiteren Schaden anzurichten, und nehmen die besessene Puppe zu sich nach Hause, wo sie sie in einem verriegelten Artefaktenraum einschließen – „sicher“ untergebracht hinter heiligem Glas, das zusätzlich von einem Priester geweiht wurde. Aber eine unheilige Nacht voller Terror steht ihnen bevor, als Annabelle die bösen Geister des Raumes erweckt, die nun alle ein Ziel haben: Judy, die zehnjährige Tochter der Warrens, und ihre Freunde.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Das Conjuring-Universum wächst weiter. Annabelle Comes Home, der mittlerweile dritte Spin-off-Kinofilm um das Gruselpüppchen aus dem Bestand des Dämonenjägerpärchens Ed und Lorraine Warren, ist der nächste, eilig nachgereichte Eintrag in dieses "cinematic universe", das kontemporäre (Horror-)Sehgewohnheiten - es muss im Minutentakt knallen und alles ist miteinander verbunden - im entscheidenden Ausmaß geprägt hat. Gerade in Anbetracht dieses Franchise-Wahns ist es beinahe spannend, wie selbstgenügsam und unbekümmert fantastisch sich dieser dritte Annabelle-Teil gibt. Man denke an R.L. Stines weltbekannte Gänsehaut-Reihe, an deren ikonisch illustrierten Buch- und Hörspielcover das grinsende Puppengesicht sowieso seit jeher erinnert. Die Protagonisten der Geschichte sind im Kindes- und Teenager-Alter, der heimgesuchte Handlungsraum mit dem Anwesen der Familie Warren klar abgesteckt.

Der im Puppenporzellan beheimatete Dämon nimmt auch im dritten Teil nie konkret Gestalt an, sondern entfesselt stattdessen lieber einen wüsten Budenzauber. Der abgeriegelte Raum im Haus der Warrens, der bis unter die Decke mit dämonischen Artefakten vollgestopft ist, bietet dahingehend eigentlich genug Möglichkeiten. Regie-Debütant Gary Dauberman reizt aber lediglich gängige Bilder, Plot-Mechaniken und Inszenierungsstrategien der Vorgängerfilme bis zur Schmerzgrenze aus. Minutenlang müssen wir den Teenagern dabei zusehen, wie sie mit schreckverzerrten Gesichtern durch das dunkle, verwinkelte Haus schleichen, bis der nächste Knalleffekt über sie hereinbricht. Dauberman fährt eine Armada an Kreaturen auf - einen gehörnten Teufelsdämon, eine Frau im blutbespritzten Hochzeitskleid, sogar einen zähnefletschenden Werwolf - und trotzdem ist sein Film sterbenslangweilig.

Das mag unter anderem daran liegen, dass im Mainstream-Horrorkino scheinbar kaum noch Wert darauf gelegt wird, für so einen Teufelstanz halbwegs interessante Bilder zu finden. Ein buntes Nachtlicht, das das Zimmer der kleinen Judy Warren im Sekundentakt in unterschiedliche Farben taucht, sorgt für  den einzigen visuell einfallsreichen Moment des Films, der einen Jump-Scare zur Abwechslung nicht über die Ton- sondern tatsächlich die Bild-Ebene erwirkt (und das mit verspielter Freude). Davor bewahren, dass das Gruselhaus zum Schauplatz einer lärmenden Actionsause wird (oder wie kürzlich bei The Nun zu beobachten: zum Horrorfilm, der einer Actiondramaturgie folgt), tut vermutlich das im Vergleich zu den Conjuring-Filmen bescheidene Budget. Der Werwolf etwa darf meistens nur schattenhaft an der Kamera vorbeiziehen oder off-screen bedrohlich knurren.

Der Versuch, den Spuk emotional zu erden, scheitert derweil am ähnlich bescheidenen Schauspiel der Jungdarsteller. Als Siegerin geht am Ende ausgerechnet nur die Jüngste aus dem Bunde hervor: Mckenna Grace schlägt sich wacker als Warren-Töchterchen, und ihr gehört auch der beste Gag des Films. Das-Beste-Freundinnen-Gespann, bestehend aus Mary (Madison Iseman) und Daniela (Katie Sarife), sorgt dagegen nur für erschöpftes Kopfschütteln. In der Tradition dämlicher Horrorfilmprotagonisten muss Daniela in der ersten Filmhälfte allerlei absurde Entscheidungen treffen, um den Horror in Gang zu bringen. Dabei diktiert ihr das Drehbuch einen dermaßen eigensüchtigen, vor allem aber unverschämten Infantilismus, dass es schwer fällt, überhaupt noch Sympathien für sie aufzubringen, wenn der Film am Ende die emotionale Toter-Vater-Karte spielen möchte.

Eine Ahnung davon, wie vergnüglich Annabelle Comes Home hätte sein können, stellt sich erst im Finale ein, wenn Dauberman mit Schmuddelzooms und Besessenenhorror zu arbeiten beginnt. Schlussendlich ist es dann sogar noch der Analogfilm, der von den Kindern als entscheidende Waffe zur Dämonenbezwingung instrumentalisiert wird. Zum Flackern und Rattern eines Filmprojektors werden dem Warren-Häuschen die bösen Geister ausgetrieben, über den wunderschönen Retro-Abspann trällert dann "Dancing in the Moonlight" von King Harvest. Hätte der Film sich bereits früher selbst zur nostalgischen Revue-Show bekannt, uns die albernen Teenager-Liebeswirren und quälend repetitiven Bummeleien durch das labyrinthische Haus erspart, vielleicht hätte man dann schlussendlich doch noch Gnade walten lassen können. So bleibt letztendlich nichts anderes übrig, als den Film zu verdammen - mitsamt dem Horrorkino, das er repräsentiert. 

Fazit

Eine Geisterbahnfahrt voller lahmer Knall- und Nebeleffekte, bei der man die Strippen sieht und Scharniere quietschen hört. Auch der dritte "Annabelle"-Kinofilm ist nur ein fauler Budenzauber, in dem die titelgebende Horrorpuppe nie mehr als eine nutzlose Randnotiz sein darf.

Autor: Nikolas Friedrich

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