Inhalt
Nach 37 Jahren färben sich die Grachten von Amsterdam erneut blutrot. Tara Lee, eine junge, ehrgeizige Ermittlerin der Amsterdamer Polizei, wird mit einer Reihe grausamer Vorfälle rund um die Kanäle konfrontiert. Sie bittet den pensionierten Visser um Hilfe, der einst einen Serienmörder fasste, der die Grachten in Angst und Schrecken versetzte. Gemeinsam sehen sie sich einem Gegner gegenüber, der übermenschliche Kräfte zu besitzen scheint.
Kritik
Dick Maas gehört zu jenen Filmemachern, die das europäische Genre-Kino lange geprägt haben, ohne jemals vollständig im Mainstream aufzugehen. Der niederländische Regisseur machte sich seit den 1980er-Jahren einen Namen als Spezialist für publikumsnahe Thriller und schwarze Komödien, die handwerkliches Können mit einer unverkennbaren Handschrift verbanden. Besonders international sichtbar wurde Maas durch seine anarchische Erfolgsreihe Flodder, deren Mischung aus sozialer Satire und respektlosem Humor weit über die Niederlande hinaus Kultstatus erreichte. Auch mit dem ursprünglichen Verfluchtes Amsterdam (1988) bewies er einst Gespür für Spannung, Atmosphäre und eine klare, effektive Genre-Dramaturgie.
Mit Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam kehrt Maas nun zu einem seiner bekanntesten Stoffe zurück. Der Film versteht sich als direkte Fortsetzung des Klassikers und versucht zugleich, dessen Mythos zu erweitern. Schon der Untertitel deutet die Richtung an: Ein düsterer Thriller, der die Grachten der niederländischen Hauptstadt erneut zum Schauplatz eines Serienmörders macht. Die treffende Bezeichnung eines „Grachten Giallo“ wirkt dabei zunächst erstaunlich passend. Tatsächlich besitzt die Idee, italienische Thriller-Ästhetik mit niederländischer Kulisse zu verbinden, einen gewissen Charme. Die nächtlichen Kanäle, spiegelnden Wasserflächen und engen Straßenzüge bieten weiterhin eine atmosphärisch reizvolle Grundlage. Leider bleibt es bei dieser vielversprechenden Ausgangslage.
Nostalgie ohne Spannung
Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam ist letztlich – ähnlich wie die jüngeren Arbeiten von Maas (etwa Prey - Beutejagd von 2016) – nicht mehr als müdes, erstaunlich ambitionsloses Genre-Kino. Der Film wirkt weniger wie eine notwendige Fortsetzung als vielmehr wie ein nostalgischer Rückgriff auf vergangene Erfolge, ohne deren Energie oder erzählerische Klarheit zu erreichen. Statt einer fokussierten Thrillerhandlung rückt zunehmend die Geschichte eines Mannes in den Mittelpunkt, der sich von seiner Umwelt abgehängt fühlt und die Verantwortung für seine Situation konsequent bei anderen sucht. Diese Perspektive hätte psychologische Tiefe entwickeln können, bleibt jedoch oberflächlich und repetitiv.
Das Drehbuch verliert sich dabei in Selbstmitleid und erklärenden Dialogen, statt Spannung organisch entstehen zu lassen. Huub Stapel (Knockin' On Heaven's Door), einst prägende Figur des Originals, kehrt zwar als Hauptdarsteller zurück, wirkt jedoch auffallend lustlos. Seine Präsenz vermittelt selten Dringlichkeit oder emotionale Beteiligung; viele Szenen scheinen lediglich abgespult zu werden. Das Script unterstützt diesen Eindruck, da es kaum kinotaugliche Dynamik erzeugt (selbst mit seiner von Holly Mae Brood verkörperten Mit-Ermittlerin, die eine ebenson wichtige Rolle spielt wie er) und eher das Niveau einer durchschnittlichen Vorabendserie erreicht. Ironischerweise wirken selbst solche Fernsehproduktionen häufig visuell überzeugender. Digitale Hintergründe und teilweise niederschmetternd enttäuschende Effekte dominieren das Bild und nehmen der Inszenierung jede physische Glaubwürdigkeit. Wo einst handgemachte Action Spannung erzeugte, bleibt nun eine sterile, künstliche Oberfläche.
Thriller ohne Nervenkitzel: Wenn selbst die Mörderjagd belanglos bleibt
Auch die zentrale Mordserie entwickelt weder Intensität noch echtes Unbehagen. Die Inszenierung bleibt auffallend harmlos, was nicht zuletzt an der spürbaren FSK-12-Ausrichtung liegt. Statt bedrohlicher Atmosphäre entsteht ein überraschend zahmer Thriller, dessen Handlung kaum Dringlichkeit vermittelt. Die Ermittlungen verlaufen vorhersehbar, Wendungen wirken konstruiert, und echte Suspense stellt sich selten ein. Am ehesten dürften Zuschauer*innen angesprochen werden, die auch die Romane von Sebastian Fitzek als besonders raffiniert oder glaubwürdig empfinden – denn ähnlich wie dort wird Komplexität eher behauptet als tatsächlich entwickelt.
Hinzu kommt, dass das Sequel den Kultstatus des ersten Films sichtbar überschätzt. Amsterdamned – Verfluchtes Amsterdam funktionierte einst als kurzweiliges, selbstbewusstes Stück Genre-Kino: effizient erzählt, handwerklich solide und getragen von einer klaren Idee. Die Fortsetzung hingegen wirkt wie ein müder Nachklatsch, der nicht nur einige Jahre, sondern gleich mehrere Jahrzehnte zu spät erscheint. Statt die Geschichte sinnvoll abzuschließen, verweigert das Finale jede echte Auflösung und deutet unverhohlen einen weiteren Teil an. Ob dieser tatsächlich entsteht, bleibt abzuwarten. Nach diesem zweiten Kapitel entsteht jedoch kaum der Eindruck, dass eine Fortsetzung notwendig wäre – geschweige denn, dass man sich ernsthaft darauf freuen müsste.
Amsterdamned II – Verfluchtes Amsterdam zeigt damit vor allem eines: Nostalgie kann Erinnerung wachhalten, aber kein fehlendes erzählerisches Fundament ersetzen. Was bleibt, ist ein Film, der sich stark auf vergangene Größe beruft, ohne eine eigene Gegenwart zu finden.
Fazit
Ein Grachten Giallo, dem jede Form von Dynamik und Kraft fehlt und der sein nostalgisches Vorhaben mit visuell hässlichen Bildern sowie einer lähmend schnarchigen Geschichte angeht.
Autor: Sebastian Groß