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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine Mutter und ihr Sohn finden wesentlich gegensätzliche Ansätze, mit der Ungerechtigkeit in der Welt um sie herum klar zu kommen, und agieren dabei beide mehr im Namen der Selbstliebe als der Nächstenliebe.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Die Welt geht vor die Hunde. In den letzten Jahren hat sich seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie gefühlt in der gesamten Erdbevölkerung ein nahezu universaler Grundpessimismus eingestellt, welcher weit über die Pandemie selbst hinausgeht: Rassimus, soziale Ungleichheit, globale Erwärmung, alles Probleme, die schon seit Dekaden existieren, die aber in den letzten Jahren im Zuge einer kollektiven Verzweiflung umso weniger sich aus den Gedächtnissen der privilegierten Teile der westlichen Welt verdrängen ließen. Der Zufall wollte es, dass Jesse Eisenbergs (The Social Network) „Audible-Original“ (oder auch einfach: Hörbuch) When You Finish Saving the World, bereits April 2020 in Produktion ging, ein Drama um eine weiße Middle-Class-Familie, in der jedes Mitglied auf eigene Weise mit der Ungerechtigkeit der Welt zu kämpfen hat. Es dauerte nicht lange, bis ein Filmadaption folgen sollte, für die der ewige Geek und Facebook CEO-Darsteller Eisenberg sein Debüt als Regisseur gibt. Was sich aber in reiner Audioform wie eine relativ aktuelle Aufarbeitung sich verrückender Dynamiken in verwöhnten Familienhäusern anhört, ist auf der Leinwand nichts weiter als eine, jeglichen Bezug zur Realität vermissende, Parade aus selbsternannten Gutmenschen. 

Da wäre der Sohn Ziggy (Finn Wolfhard, Ghostbusters: Legacy), der in bester Influencer-Manier jeden Abend mit seiner Gitarre live im Internet seine Inspirationssongs vor sich hin dudelt, natürlich in dem festen Glauben, damit etwas Gutes zu vollbringen. Seine Mutter Evelyn (Julianne Moore, Magnolia) ist da etwas produktiver und betreibt eine Notunterkunft für Opfer häuslicher Gewalt. Daneben gibt es noch den Vater Roger (Jay O. Sanders, The Assistant), der sich aber eigentlich nur beschwert, wenn seine Familie nicht zu der Verleihung seines Lebenswerk-Preises erscheint und dessen Form von Aktivismus schlichtweg daraus besteht, seinen Sohn zu ermahnen, ja keine Blues-Musik zu spielen, das sei ja kulturelle Aneignung. Anmerkungen wie diese ziehen sich durch den Alltag der Familie, wenn etwa Evelyn sich über den Lehrplan ihres Sohnes aufregt, in dem immer Harper Lee und nie Toni Morrison unterrichtet wird. In When You Finish Saving the World ist jeder Charakter ein White Saviour und sich dessen mal mehr, mal weniger, bewusst. Statt diesen Aspekt jedoch konsequent gegen seine Figuren auszuspielen, welche das Drehbuch ohnehin als relativ unverbesserliche Unsympathen, trotz des altruistischen Berufes der Mutter, zeichnet, so glaubt der Film, ihre Ignoranz kurieren zu müssen. 

Das  Ganze gliedert sich in zwei Handlungsstränge, die parallel zueinander ablaufen. In beiden Erzählungen projizieren Mutter und Sohn ihre Retterfantasien auf einzelne Personen und beide scheitern auf ihre eigene Weise. Da wäre der über Sohn Ziggy, der sich in seine aktivistisch-politische Mitschülerin Lila (Alisha Boe, Tote Mädchen lügen nicht) verliebt und fortan in ihrem Aktivismus mitmischen will, ohne zu verstehen, für was sie überhaupt einsteht und der seine hohe Anzahl an Followern bereits als Aktivismus sieht. Was eine schöne Dekonstruktion eines verplanten Influencers ohne sozialen Kompass hätte sein können, verpufft unter Eisenbergs Drehbuch leider zu einer Farce um einen völlig überzeichneten Bengel, der seine Ignoranz so sehr nach außen trägt, sodass alles nur in bemühte Klischees um die Internetkultur und planlosen Pessimismus mündet, ohne dabei etwas von Nährwert auszusagen. Die Plotline um Mutter Evelyn hat zwar den großen Vorteil, dass Julianne Moore hier die Hauptrolle spielt und ihrer Figur zumindest einige Nuancen abgewinnen kann, viel nützen tut das aber im Gesamtkontext wenig. Evelyn hat sich in den Kopf gesetzt, dem aus problematischen Umständen stammenden Teenager Kyle (Billy Byrk, Crisis) zu helfen. Hier rennt der Film in seinem Versuch, die sich als Nächstenliebe tarnende Selbstliebe der Protagonistin zu enthüllen, leider auch offene Türen ein und macht sich besonders durch sein Desinteresse an der Figur Kyle angreifbar, den er nur als Vehikel für die Erkenntnissuche von Evelyn zu gebrauchen weiß. Am Ende vereinen sich beide Erzählungen in seichtester Manier in Form einer unausgesprochenen Akzeptanz Evelyns gegenüber ihrem Sohn, der ja „mal einer von den Guten“ war, sodass der Status Quo wiederhergestellt ist und sich auch ja nichts verändert hat.

Fazit

„When You Finish Saving the World” ist ein ernüchternder Einstieg für Jesse Eisenberg ins Regiefach, da er hier die Verfilmung eines konzeptlosen White Guilt-Komplex vorlegt, welcher sich dessen kaum bewusst ist. Ein ignoranter Film über ignorante Menschen.

Kritik: Jakob Jurisch

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